Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1886)
- Article
- Kandia [Nachricht]
- Date
- 1886-02-11
- Page
- 94 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wohnen 100 Familien, in Kandia und Netimua etwa je 35 bis 40. Das Vcrhältniß derselben zu der übrigen sehr dünnen Bevölkerung ist ein überaus freundliches. Die türkische Negierung ist den Juden sreuudlich und überhaupt sehr milde. Herr^Thcimim meint, daß die Negierung eine Kolonisation der Juden befördern würde. Er räth deshalb dringend den unterdrückten Nnmänicr zur Auswanderung nach Kandia, tun sich hier der Ackcrwirthschaft, insbesondere dein Anbau von Weizen, Gerste unb Hülscnfrüchten zu widmen. Wir wollen nicht verfehlen, auf diesen Borschlag ausnterksam zu machen, weil in der That unfern rumänischen Brüdern kaum etwas Anderes übrig bleibt, als auszuwandern und der Strom der Emigration nach Amerika ein zu starker wird. Amerika. Hu. Chicago, 5. Jaintar. Wenn das so fort geht, daun werde ich Ihnen, geehrter Herr Nedaktcur, in aller Bescheidenheit noch Vorschlägen, sich einen ״Nabbiner - Versautnilnngs- Spezial - Kriegs - Berichterstatter zu engagiren, für den Krieg, den die Nabbiner-Bersammluugen gegen das Jnduuhum führen. Es scheint gegenwärtig die wahre Nabbiner-Bersammlnngs-Wnth zu grassiren, und cs ist nur zu begreiflich, wenn sich da von so manchen Mannes.Lippe der Ausruf ringt: ״Pasteur, hilf!" — Kaum habe ich das zweifelhafte Vergnügen gehabt, über die Pittsbnrgcr Versammlung zu berichten, und schon stehe ich vor dem nicht tvenigcr zweifelhaften, bezüglich der Bersatnmlting süd-amerikanischer ״Nabbiner" in New-Orleans meiner Korrespondentcn Pflicht zu genügen. Der 29. v. M. war der erste Sitznngstag. Nev. I. K. Gntheim von New- Orleans hieß die ehr- und hochwürdigen Herren Kollegen willkommen und erösfnete offiziell die Verhandlungen nach einem Gebete des Kollegen Nev. Hecht von Montgomcrh. Hieraus hielt er einen längeren Speech über die Fortschritte des Jndcnthnms t!11 Süden 'während des letzten Jahres; die jüngste Rabbiner-Versammlung in Pittsbnrg, welche eine Aufregung durch ganz Amerika hcrvorgcrnfen habe, bezeichne eine Epoche im Jndenthnm. Eine Nesolntion wurde vorgeschlagcn und angenommen, alles Material zu sammeln welches auf die Geschichte der Juden tm Süden Bezug habe. Bon Nev. Di׳. Köhler in New-Jork traf ein Begrüßungs-Telegramm ein, in welchem er der Bersamntlnng Erfolg wünschte. Des Nachmittags präsentirtc sich Nev. Gntheim mit der ״Ursache, Entwickelung und Hoffnung der Reform" und Nev. & Weiß von Jackson mit der ״Kraft deö Gebetes." — Am zweiten Sitznngstage erstattete die Kommission über den präsidialen Speech ihren Bericht, Sie rapportirtc, natürlich znstimmcnd, über die Borschlage: 1) Zur Erzielung einer einheitlichen Fassung der Text-*) und Gebetbücher, 2) zur Formulirung von Agenden für Trauungen, Konfirmationen und Begräbnisse, 3) zur Niedersetznng einer Kommission für die Schaffung eines Norrnalplancs für die Sonntagsschnlen, 4) daß jeder Nabbi in seiner Gemeinde eine Abtheilnng der Alliancc-Jsraelitc Universelle bilde, 5) daß der hundertjährige Todestag MoscS Mendelssohns am 8. Januar in allen Synagogen durch eine Predigt gefeiert werde. Die sechste vorgcschlagcne Resolution bezog sich auf den Pittsbnrgcr Humbug und lautete: ״Beschlossen, daß diese Konferenz die von der Pittsbnrgcr Konferenz aufgestellten Grundsätze einer sorgfältigen und rigorosen Prüfung unterworfen habe. Die Pflicht dazu habe auf ihr geruht in Folge der vielen falschen Eindrücke, welche im Volke in Bezug auf den wahren Sinn jener Grundsätze herrsche, und wir erachten cs deshalb für unsere Schuldigkeit, zu erklären, daß wir in ihnen nichts dem Geiste des fortgeschrittenen Jndcnthnms Gegensätzliches finden und sie als die Folgerungen betrachten, von jüdischen Lehrern ans den ältesten Grundsätzen des Jndenthnms gezogen. Doch wahren ivir uns individuell und gemeinschaftlich das Recht, von irgend welchen praktischen Schlußfolgerungen, die aus ihnen gezogen werden können, zu dissenliren." Diese Nesolntion wurde mit allen Stimmen bis auf eine angenommen; die Shreveport Gemeinde erhob Protest gegen die in Pittsbürg verkündete Weisheit. Die siebente Nesolntion zu Gunsten der Beibehaltung des siebenten Wochentages als des jüdischen Sabbaths fand zwei disscntirende Stimmen. — — — Wie Sic sehen, habe ich mit jeder Bemerkung meinerseits zurnckgehaltcn. Was hat das Jndenthnm, den! die Herren doch ihr Brod verdanken, ihnen ge'than, daß sic so gegen dasselbe rasen? Kiitlicrslljlttl. לוה ארז ביאורים ופירושים על ״, ןץ*יך/VVn von I. K u n st adt, Ober- * rrtbbiim* zu Nadantz. Preis 1.40 JL Zn beziehen durch die Buchhand- . lnngcn von I Kanffmann in Frankfurt a. M. und M. Hirschlcr in Wien. DaS vorliegende Werk enthält eine Fülle geistvoller Erklärungen des heiligen Textes und der Midraschim. Es verdient die weiteste Verbreitung und wird namentlich Predigern eine willkommene Auregnng zu Vorträgen gewähren. Wir lassen aus der פ׳ הצוה einen kleinen Exkurs folgen, welcher die Er- ־*) Was diese Textbücher sind, ist uns nicht klar. Ent« halten sie Auszüge ans der heiligen Schrift, oder sollen sie diese selbst vorstellen?