Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 6 (11.2.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1886-02-11
- Page
- 92 (sequence 2)
- Language
- German
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92 staatliche Anerkennung nicht crthcilen. (5s scheint mir auch den sittlichen Interessen des Staats angemessen, daß ein Jeder seiner Religion treu dleibt, gewiß aber ist cs, daß mit willkürlichen Rcsoringedanken der Sitt״ | lidjfcit und Loyalität der Bürger lein Dienst erwiesen i wird. Wer Gott beschwiitdeln null, dessen Bürgertrene erscheint auch verdächtig. X. Papa, Februar. Wenn Leute, welche sich mit ihrer Intelligenz brüsten, mit den Waffen der Lüge wider ihre gcsetzestremn jüdischen Mitbrüder zu Felde ziehen, wenn sic feierliche Zusagen auf krasseste Weise verletzen, dann wendet sich auch jeder Redliche voller Unwillen von ihnen ab. Der l. Januar l. I. brachte unserer, auf autonomer orthodoxer Basis konstiluirlen Gemeinde einen Vorstand nud eine Rcpräsentanz ans der Reihe jener Männer, die bis vor mehreren Jahren eine separate neotoge Gemeinde bildcten, bis sie in Folge von Bclhencrungcn ihrer Friedensliebe wiederum in den Schooß der Muttergemeinde ausgenommen wurden. Doch wurde anläßlich des damaligen Ausgleiches eine zwanziggkicdrige söge nannte Ritnalsektiou eingesetzt, der laut Gemeiridcstatiit das Jtccht zustcht, die Wahl des Vorstehers, falls solcher im Leben und Gesinnung den jüdischen Satzungen nicht treu ist, für ungültig zu erklären, und deren Zustimmung bei allen rituellen Angelegenheiten, crfordcrlch ist. Auf Grund des Protestes dieser Sektion anuullirte deshalb die Durchsührnngokommissiou die Vorstandswähl. Der Vorstand bestand jedoch auf seinen Schein u!td fügte sich der Aunullirung nicht, regierte vielmehr tapfer darauf los, setzte den ihm ztt gewissenhaft«׳«, allverehrten Oberrabbiner ab 1111b ergeht sich in willkürlichen Paschalaunen. Den mißhandelten Gemeinde- Mitgliedern blieb nichts Anderes übrig, als Hülse bei dem Ministerium zu suchen, und dieses weist die Durchführnngskounnissiou an, eine neue Vorstandswahl ans zuschreiben, verfügt auch zugleich, daß in Angelegenheit des von dem tapfer« Vorstand seines Amtes enthobenen Rabbiners nur sie allein vorzugehcn habe. Infolge dessen setzte die Durchsührnngskommission bcu vorjährigen Vorsteher provisorisch bis zur erfolgten Neuwähl zum Vorsteher ein.' Der .ministerielle Entschluß wird wohl erst die Instanzen durchlaufen müssen, denn nur Brachialgewalt ist im Stande, die freche Stirn dieser Leute zu brechen. Das über die Ritualseklion sich vindizirte Recht des Vorstandes erklärte die Durchsührnngskommission, laut legalisirtem Gemeindestettnt, für nichtig, ebenso steht ihr kein Recht zu, den Oberrabbiner abzusetzen, welcher Rechtens und Gesetzes definitiv angestellt ist. Mit dem Inkrafttreten dieser Verordnungen wird hoffentlich der Friede wieder cinkehren in unsere Gemeinde, die. um eine Erfahrung reicher, iu Zakuust bei Wahlen ans der Hut sein wird. c. Aus Mahren, Februar. Bon der Statt- Halterei ist ans die von Seiten des Herrn LaudrabbinerS Dr. Plaezck in Angelegenheit der Errichtung eines jüdischen Proseminars die folgende Bescheidung ergangen: ״Seine Exzellenz der Herr Minister für Kultus und Unterricht hat mit dem Erlaß vom 2. Januar lS8(j, Z. 10981 über das unmittelbar hohen Ortes eingebrachlc Gesuch vom 6. Juni 1685 seine Geneigt׳ heit eröffnet, die Errichtung einer israelitischen thcolo׳ gischen Schule in Brünn zu genehmigen, cs müßte j׳׳doch der gestellte diesfällige Antrag durch Vorlage eines Errichlnngsstatntcs und Lehrplanes ergänzt werden. Bei der Verfassung dieser Belange ist sich an die in der kaiserlichen Verordnung vom 27. Juni! 850 N.-G.-Bl. Nr. 309 festgesetzten Grundsätze, insbcjondcre bezüglich der Sicherstellung des Bestandes der Anstalt, zu halten und müßte, da sich dieselbe den Ausführungen des geehrten Nabbinats gemäß an Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten in der Art anznlehncn hätte, daß deren israelitische Schüler zugleich den Unterricht an der neuen Lehranstalt genießen, ans dieses Berhältniß und die aus demselben sich ergebenden Wechselwirkungen Bedacht genommen werden. Indem das geehrte Nabbinat verständigt wird, sehe ich der Vorlage eines Errichtnngsstatntcs und Lehrplanes für die zu errichtende Lehranstalt im Entwürfe entgegen. Brünn,!3. Januar!886. K. K. Statthalterci." P. Krakau, 8. Februar. Stochlinski, der -geständige Mörder der Franziska Mnich (Prozeß Ritter) ist in der Hast gestorben. Holland. * Till.11!r׳H. Das ״Centraalblad vor Israeliten in Ncderland" berichtet über einen skandalösen Vorfall ans dieser in der Provinz Nordbrabant liegenden ansehnlichen Stadt. Bei dem Begräbnisse eines hochachtbaren Israeliten rottete sich der Pöbel zusammen und begleitete mit Spottliedern ans die Juden den Leichen,zug bis zu dem dreivicrtcl Stunde vor der Stadt belegcnen Friedhof. Angesichts dieser Beschimpfungen wurde dieser sogleich, nachdem der .Kondukt daselbst angekommen war, geschlossen. Der fanatische Haufe aber riß die Umzäunung ein, stürmte heran und schleuderte gegen den Sarg Steine und Erdschollen. Die Polizei versuchte vergebens, den jkandalircnden Pöbel zu vertreiben. Die Untersuchung wegen dieses Sakrileginms ist eingcleilet und wird mit aller Energie geführt. F v a 11 f r c i ch. *** Paris, (5. Februar. Der ״Figaro" und ein anderes Blatt ״La Eoulisse" berichten von einem