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Jeschurun · 1886-02-11 · Heft 6 (11.2.1886) · p. 91

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 6 (11.2.1886)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1886-02-11
Page
91 (sequence 2)
Language
German
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ihr denselben zu wünschen. Welche — sagen wir Ge׳ dankenlosigkcit gehört dazu, um sich und Andere glauben zu machen, die Juden Polens und Galiziens verließen den selten Wcizenbodcn und daS herrliche Leben in Ucberfluß, um ein unsäglich kümmerliches Dasein anderswo zu fristen! Wo liegen die slavischcn und halbslaoischcn Länder, wo der Inden Saat üppig wuchert? Die ״Krcnzzcitnng" erwürbe sich den Dank der Juden, wenn sie ihnen dieselben zeigen könnte. 11. München, 1. Februar. In der am 29. Januar stattgehabten Sitzung des FinanzansschusseS wurden für den israelitischen Kultus behufs Ausbesserung gering dotirtcr NabbinatSstcllen 14000 ^5., wie bisher, genchinigt. Eine von den KultnSgcmeinden um Kaisers׳ lautern cingebrachte Petition, weitere Aufbesserungen betreffend, wird durch Uebcrgang zur Tagesordnung erledigt. Oesterreich-Ungarn. O. Wien, 5. Februar. Es scheint fast, als ob die Zahl der säubern Subjekte, welche in dem antisemitischen Spuk die niedrigsten und widrigsten Hand׳ langcrdicnstc verrichten, sich um eine Persönlichkeit vcrmehrt hätte, welche des Aron--Briman - Brimanus- Justus würdigster Kollcge ist. Es ist das ein gewisser ״R," dessen Rohling erwähnt. Wer ist dieser ״R?" lautete die Frage des bekannten Neichtagsabgcordnctcn Du. Bloch, welchem das große unbestreitbare Verdienst gebührt, den Kampf mit Rohling energisch ausgenommen und zum glänzenden Siege geführt zu haben. Es cxistirt aber ein Mensch, der sich bald Ncdkinsohn, bald Frnmkin, bald Alter nennen soll, von höchst zweifelhaftem, oder wenn man lieber sagen will, gar nicht Zweifel haften! Charakter, von dem behauptet wird, daß er in Rußland als Chassidischer Wnndcrrabbi und nebenbei auch als Wcchsclfälschcr ausgetreten ist. dabei aber auch in! Dienste der Missionsgcsellschatt stehe, eine hebräische Zeitschrift ״Hakol" herausgiebt. gegen das Jndenthun! schreibt, Herrn D1\ Bloch verfolgt 11. s. w. Man hegt die starke Bermnthnng. daß dieser Ncdkinsohn, jener ״R" Rohlings sei und die Berliner ״Jüdische Presse" hat sich von hier aus geradezu bcstimmt versichern lassen, daß er dieser ״N." sei, daß sie die Verantwortlichkeit für diese Behauptung übernommcn habe. Dr. Bloch veröffentlicht soeben in der ..Oesterreich. Wochenschr." Nr. 6 v. 5. Fcbr. folgende Erllärung: ״N." hat mir soeben die Drohung übermitteln lassen: entweder ich pnblizire, er sei nicht der N. Nohling'S, oder er werde sich eine deutsche Broschüre mit insamirendcn Beschimpfungen schreiben lassen und an sämmtliche Abgeordneten des NeichöratheS versenden. Diese geniale Idee ist!!!6)1 neu; Revolver-Journalisten haben mit Abgeordneten wiederholt solche Versuche angcstcllt, indessen mag Herr R. sein Glück probiren, vielleicht erzielt er bessere Erfolge. Jnsolange er nicht von Prediger Kohcn-Zedck in London, Zcderbanm in Petersburg, A. Deiner in Odessa, I)!׳. Hildesheimer in Berlin, ״Machsile HadaS" in Lemberg einen Widerruf bringt, können seine Schmähungen, sic mögen in wcl6)er Sprache immer sein, keinen Schaden Ihm!. S6)limm für seine Hintermänner, daß ihr Werkzeug ein bereits so abgebrauchtes ist. Di׳. Block)." C. Wien, 5. Februar. Den Polen im Reichstage ist der Abgeordnete Dr. Patta! wegen seiner antisemitischen. Verdienste höchst unsympathisch. Er sollte in den volkswirthschastlichen Ausschuß gewählt werden. Smolka, der Ncichstagsprüsident, stellte aber seinen Landsleuten im Polcnklnb vor, daß cs sich nicht gezieme, einen so vorurthcilsvollen Mann in einen solchen Ausschuß zu wählen. Der Polcnklnb stimmte dem zu und schlug den Abgeordneten Sochor aus Brody für die Wahl vor. Graz, Februar. Die Macher der Inden- Hetze haben sich gerade die Hauptstadt der Stcyermark zu ihrem Hauptquartier erkoren. Wahrscheinlich ist cs ihnen an der Donau in der Rcichshauptstadt nicht recht geheuer und sie glauben, an den Ufern der Mur in dem lieblichen Thale des Grazcrfeldcs in größerer Vchaglichkeit ihr namenloses Werk treiben zu können. Am 25. v. M. fand hier eine große Zusammenkunft der deutsch-österreichischen Antisemiten statt, leider waren cs. zumeist Lehrer, Bildner der Jugend, Vertreter der Wissenschaft. Es wurde stark in Judenhaß gemacht und einstimmig eine ,Resolution gegen den ״Deutschen Klub" des österreichischen Reichstags angenommen, weil derselbe angeblich zuineist daS Interesse des Jndcnthnms vertritt. Ganz besonders thatcn sich die Professoren Winter und Müller-Hauenfcls durch ihre stramme antisemitische Haltung hervor. A. Prestbnrg, 31. Jaunar. Vergangene Woche langte vom königl. ungarischen Ministerium des Innern an das hierslädtische Mnnizipiuin die abermalige Aufforderung, die Kosten für Zuziehung des Militärs, gelegentlich der 1883er Jndcnkrawalle, zu bezahlen. Dieselben betragen 6500 Gulden. Wie verlautet, wird in der Generalversammlung der Stadtrcpräscntanten diesbezüglich vorgeschlagen werden, eine Deputation an das Ministerium zu senden, um bei demselben um Eilaß dieser Zahlung zu bitten. (Die General- Versammlung hat inzwischen auch demgemäß deschlossen. Red.) *II* Pest, 5. Februar. Bei dem parlamentarischen Bankett, welches der Abgeordnete Wahr mann gab, sprach sich der Kultusminister, Herr v. Trefort, über die berüchtigte Steremsschc Reform etwa folgender^ maßen aus: Ich werde dieser jüdischen Nesormscktc die

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