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Jeschurun · 1886-02-11 · Heft 6 (11.2.1886) · p. 87

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 6 (11.2.1886)
Article
Die neueste Fälschung im Dienste unjüdischer Bestrebungen
Date
1886-02-11
Page
87 (sequence 2)
Language
German
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Mendelssohn, sondern dem deutschen Schriftft e11er n. s. w., muhte erst noch hinein. Nun, in der Tonro-Angelcgcnhcit handelte cs sich auch um ein Denkmal ans Beitragen non Juden und Nichtjudcn, nicht für den Juden, sondern siir den P h i l a n - tropen Touro. — Wollen die geehrten Leser aber wissen, warum Herr Du. Nahmer, der ״Zacharias. Frankel nicht weniger hoch als Mendelssohn verehrt", den Abdruck der ״Fragen" unterlassen hat? Frage II. 1) lautet: ״Ist cS Israeliten erlaubt, zu subskribircn oder soust thätig zu sein für die Errichtung einer Statue oder eines Monuments für einen bedeutenden lebenden oder verstorbenen Nichtisrnclitcu?" 3! Es könnte den Eindruck, den diese ungeheuerliche Fälschung auf jeden Redlichen machen muh, nur ab׳ schwächen, wollte ich da noch Etwas hinzufügcn. Traurig die Sache, die mit solchen Mitteln gestützt werden muß. Es ist ja möglich, daß Herr Dr. Nahmer demnächst durch irgend einen Kniff sich wieder rückwärts konzcutriren wird, aber dann hat er drei Wochen lang sein Publikum getäuscht, und zwar auf Kosten seines verstorbenen, angeblich so hoch verehrten Lehrers. Ich nehme Abschied von dem Herrn. Die Frankel'schcn Schüler, die eine solche Behandlung ihres Meisters perhorreszircn, haben nun das Wort. Uiuldklunsrn. von Friedrich Nott. ...... ׳) ... ״Nachdruck uevl'üicn.) (Fortsetzung.) Schwankenden Schrittes, gestützt auf den Arm des Professors, verließ sic schluchzend die. im Moment des Scheidens doppelt theure Heimath und bestieg den Wagen, der sie zur Bahn führen sollte. Bella weinte nicht. Kindern ist jeder Wechsel willkommen, und der Vormund wußte so viel Schönes von ihrem künftigen Wohnort zu erzählen. Sie freute sich auf die Reise und auf alle die Herrlichkeiten, die in L. ihrer warteten, am allermeisten aber auf den Papagei, der nach des Professors Versicherung beständig ihren Namen rief. Man hatte den Bahnhof erreicht. Frau von Merten bemühte sich, eine ruhige Haltung auzuuehmeu, Bella hüpjte munter an ihrer Seite, plötzlich riß sie sich los und eilte gegen das andere Ende des Perrons auf einen jungen Manu zu. Es war Walther, den sie seit dem Todestage ihres Vaters nicht gesehen. Bei seinem Anblick vergaß sie der verlockenden Schilderungen des Vormunds, und der Schmerz um den Dahingeschiedenen erfüllte auf S Neue ihr Herz, laut weinend umklammerte sie seine Hand. Walther hatte sie schon vor mehreren Minuten bemerkt, doch Frau von Mertens zurückhaltendes Benehmen gegen ihn hatte ihn fern gehalten. Auch jetzt grüßte er sic nur schweigend und beugte sich nieder zu der Kleinen, diese zu beschwichtigen. Aber Adele selbst trat zu ihm lind reichte ihn! die Hand. ״Leben Sie wohl!" flüsterte sic, ״und verzeihen Sie mir; aber ich konnte Sie nicht empfangen, cS hätte mich allzusehr ergriffen." Er verneigte sich abermals, da läutete eö zum Einsteigen. Der Professor drängte zum Abschied. Bella wollte nichts davon hören und klammerte sich nur fester an Walther. Da nahm er sic in seine Arme, wie an jenem Abende, dessen er so oft gedachte, und trug sic zu dem Waggon, in dem Adele bereits ihrer wartete. Noch einen Kuß drückte er auf die klare Kinderstirn, dann hob er sic in das Kupce, und wenige Minuten daraus brauste der Zug davon. £־ Neun Jahre waren verstrichen. Es war im Juni des Jahres 1866. In dem sonst so stillen Städtchen herrschte reges Leben, in allen Straßen standen Gruppen'erregter Menschen in lautem lebhaften Gespräch. Aber .diese allgemeine Erregung war keine freudige, nirgend vernahm man Lachen, nirgend Scherzworte. Tiefer Ernst ruhte auf eines Jeden Antlitz, bange Sorge auf manchem. Ernst, furchtbar ernst waren die Ereignisse, die diese Erregung hervorgerufen. Der höchste Segelt der Völker, der Friede, war seinem Ende nahe. Krieg war erklärt, die Militärpflichtigen waren einberufcn, heute noch mußten sie die Heimath verlassen. Alls den Armen der Eltern rissen sich die Söhne, den Tod im Her;cn umarmten Väter ihre unmündigen Kinder — wie viele zum letzten Mal — wer würde für sic sorgen, wenn der Ernährer fern? — vielleicht auf immer ihnen entrissen? — .,Tirza. meine liebe, einzige Tirza, mache mir das Her; nicht noch schwerer, ich muß jetzt scheiden — in einer halben Stunde geht der Zug, ich darf nicht länger säumen." ״Nein! nein!" schrie in wilder Verzweiflung die junge Frau, ״nein, Max, ich lasse Dich nicht!" und fester, noch fester umklammerte sie ihn. ״Tirza — meine einzige Tirza — ich werde bald wicderkehren, in wenigen Monaten, vielleicht schon in einigen Wochen. — Doch jetzt muß ich fort." ״Nein, nein, ich lasse Dich nicht! — Denn wenn ich Dich fortlasse, sehe ich Dich nimmer wieder! — Du wirst fallen, o, ich weiß cs —״ und schaudernd barg sic das schmcrzzuckcnde Antlitz an des Galten Brust. Leichenblasse überzog auch das. blühende Angesicht des Mannes und bange Ahnung erfaßte auch sein Herz. Vergebens mühten sich seine bebenden Lippen,

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