Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1886-02-04 · Heft 5 (4.2.1886) · p. 79

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 5 (4.2.1886)
Article
Erkannte Irrungen [Nachricht]
Date
1886-02-04
Page
79 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2933154-2933160--21015-2964347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

79 oder minder herrschen bei allen Revolutionen dieselben Verhältnisse wie bei der Pariser. Ich will aber damit keineswegs sagen, daß alle Helden der FrcihcitSbewcgnngcn, die der Ruhm bis über die Wolken erhebt, von zügelloser Leidenschaft und nicht von selbstlosem, idealen Streben geleitet wurden; ich will eS nicht in Abrede stellen, daß unter den vielen Opfern, welche auf den Barrikaden und unter dem Beile der Tyrannen verblutet sind, auch einige waren, die cS ehrlich mit ihren! Ideale meinten — aber diese eben bedauere ich aufrichtig, und sie selbst würden sich bedauern, wenn sic sehen könnten, waS sie mit ihrem siedenden Herzblut erreicht haben. WaS haben sie erreicht? Ihre Blutströme vermochten nicht den Trieb zum Bösen aus den Herzen der Menschen fortzuschwemmcn, und waS sic für die Gcsamintheit zu cningcn glaubten, den hehren Schatz des freien MenschthninS, sucht eine starke Majorität mit Ausschließung der Minderzahl zu monopolisiren." ״Aha — das ist also dcS Pudels Kern!" fiel Rafael ein, ״das wüste Treiben eines dcinoralisirten Haufens, von welchen! sich jeder rechtschaffene Mensch jeder Konfession mit Abscheu abwendet, veranlaßt Dich, den Stab über die ganze Mcnschhcit zu brechen — ״ ״WaS ich gesagt, daS gilt nicht nur von dem Haufen der Antisemiten, von welchem inan übrigens nicht weiß, wo er beginnt und wo er aushört. Betrachte einmal daS Berhültniß der bessern und besten Kreise der Gesellschaft zu uns Juden. Knüpft!nun nicht auch da die armseligen Konzessionen, die man uns gewahrt, und die uus,!renn die Gesellschaft wirklich auf einer so hohen Stufe stände, auf welcher Du sie erblickst, bedingungslos gewährt werden müßten, an tausend despotische Bedingungen? Müssen wir nicht auch da auf Schritt und Tritt den ungerechten For-! dernngcn und Vorwürfen begegnen? Auch der Erleuchtetste scheut sich nicht, offen von uns zu verlangen, daß wir! alles Jüdische von uns abstreifcn müßten, bevor er uns für würdig erachten kann, uns die Hand zu reichen, und Männer, welche für die Träger der Kultur gelten, rnachcn uns einen herben Vorwurf daraus, wenn sie lvahrnehmcn, daß wir, unbeschadet unserer Pflichten als Bürger und Menschen, Sympaticn für den engeren Kreis unserer StauüneSgcnosscn bekunden. Wenn die Deutschen in irgend einem fremden Lande sich ver- ן einigen, uni ihre heimische Sprache und Sitte vor den! Einflüsse ihrer fremden Umgebung zn schützen, da spricht inan von edlen! Nationalbewusstsein, von mannhafter Uuerschütlerlichkeit und Prinzipicntreue, alle Welt stößt in die RuhmeSposaunc, wenn auch manchmal zur Erreichung der nationalen Ziele Mittel gewählt werden, die vor dem Nichterstuhle unparteiischer Gerechtigkcit kaum als loyal und edel erkannt werden dürften. Thun sich aber einige Juden znsainmen, zur Wahrung einiger jüdischer, und wenn auch nur rein ethischer oder religiöser Interessen, die mit der sozialen Frage der Völker nichts gemein haben, da wird in! Ehor: Verrath und Treubruch geschricn, der Gebildetste spricht mit einem bedenklichen Stirnrunzeln von zcntrifugalen ,Souderintcressen׳, von uupatriotischer Gesinnung, und selbst unsere Freunde ratheu uns mit gönnet- Hafter Miene, davon abzulassen, da wir dadurch der schmählichen Agitation, die gegen uns betrieben wird, eine NechtSbasiS verleihen. Beweist das nicht zur Genüge, wie tief alle Schichten der Gesellschaft auch heute noch vom Geiste barbarischer Ungerechtigkeit durchdrungen sind?" Seine Stimme zitterte, und seine sonst so ruhigen Augen blitzten unter den gerunzelten Augenbrauen. (Fortsetzung folgt.) Inserate werden die Ispaltige Peti1!eile oder deren Nanm mit 25» Psg. berechnet. U Für den Inhalt derselben übernimm! dn Nedaltiou keinerlei Verantwortung. Insertion«- und AbonncincntS.Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kanffmann daselbst, ohne Preiserhöhung יין בשר על פסח. :״) ' ... ,, ,_! Sorben ift crichlrnrn und durch Ir |! M n 11 f f m nun in Frau st int a. M., sowie Mßoojniirn I Wpiil jPT I OMI Perlitt C. non Berlin C. durch M. H i r s chler in Wien zn bezichcir: ülu u v! 1 u Ul u u. Iiulll (x 0, JjuUll, J>. Z I «»!?רי^ךךן סףי n1(■ 11 ^onloaux. 1 .! 11^!!!/ | K6ferences: Moii.«•.Ie(»ra11<l-Kal11j. Levy <leBordeaux. כשר Restaurant כשי 1111b 93! ittaßätifri) Grenadierstraße :30, Part, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Alexanderplatz j empsichlt sich einem geehrten reisenden! Publikum angelegentlichst. , Referenz: Sr.Ehrwürden Herr Rabbiner j Dr. S. Hildesheimer, Berlin.!!ביאורים ופירושים על ה׳ה׳ת נ׳ב׳! ומדרשי רז״ל ה׳ א׳ בראשית, שמות von j I. Hnnstndt, | Oberrabbiner zu Nadanv (Bukowina).! Preis Auch direkt vom Verfasser. Isidore de l'aris. ״ ״ ״ Dr.HildesheimerdefJerl. ״ * ״ Dr. Lob de Altona. *; ״ N. Weill de Karlsruhe. NH. Wir erlitten Aufträge gefälligst an unsere Firma direct zu .senden. Tüchtige Agenten mit guten Zeugnissen werben gesucht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.