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Jeschurun · 1886-02-04 · Heft 5 (4.2.1886) · p. 78

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 5 (4.2.1886)
Article
Rumänien : Jassy [Nachricht]
Date
1886-02-04
Page
78 (sequence 2)
Language
German
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78 Organen der Gewalt auch frei. — Wie lange noch wird dieser empörende Hohn auf Alles, was Recht und Sitte heißt, geübt werden können? Wann wird die Wuth sich legen? kckliiliitk Imlngt«. Bon Samuel Berthold 'Diopter. (Alle N echte vordechtUe». (Fortsetzung.) ..WaS wollt Ihr von mir, Ihr zwei Narren," ries Leo unwillig, beim Klang seines Namens den Kopf umwcndend. ״Schnell, schnell — ich habe keine Zeit. die himmlische Julie schwebt just vorüber. Nun — was soll's?" ״Gar nichts," versetzte MoscS, ״kehre Dich nur ruhig wieder um, mciu Bester. — Wir sind bei dem Punkte augelangt, Rafael, auf welchen ich Dich vorhin aufmerksam gemacht habe. Siehst Du nun schon die Beziehung der allgemeinen Bemerkungen, die ich der Begründung meiuetf Standpunktes vorauSgcschickt habe, zu unserem speziellen Falle ein?" ״DaS thne ich allenfalls, nur daß ich die Spitze Deiner Worte gegen Dich gerichtet sehe — Ich finde es!vahrhaftig unbegreiflich, wie Du zur Bcrthcidigung einer solchen Ungerechtigkeit auch nur ein Wort findest. So lange Du Dich auf das Gebiet der Dogmen beschränktest, schwieg ich; wer eS zur Beruhiguug seines Gewissens für twthweudig erachtet, sich an veraltete Dogmen zu binden, der thne cS in Gottes Namen; cS liegt wenigstens keine Gefahr für die idealen Güter der Menschheit darin. Was soll man aber zu einem Beginnen sagen, welches in der reinen Atmosphäre der Neuzeit die Schranken zwischen Bruder und Bruder wieder errichten und das edle Band;erreißen will, welches heute die ganze Menschenfanulie umschlingt?" ״Nicht wir errichten die Schranken.... sic silid noch nicht nicdcrgcrissen ivordcn," entgcgnctc MoscS, indem sein Gesicht sich verdüsterte — ״und das edle Band webt und erblickt hctltzutage nur die Leichtglänbigkeit." Rafael richtete aus seinen slammeusprühendcu Augen einen durchbohrenden Blick auf MoscS, und seine Züge nahmen einen herausfordernden Ausdruck an. ״Weißt Du, was Du thust? — ries er mit erregter Stimme, ״Du sprichst das BerdammungSurthcil über eine ganze Welt aus! Schallt die mächtige Donnerstimme des Zeitgeistes nicht bis an Dein Öhr, ist die Geschichte des MctischengeschlechtcS für Dich stumm? Sollten die Blutströmc der Pariser Revolution umsonst geflössen, der Sturm von Achtundvierzig vergebens Europa in seinen Grundfesten krachen gemacht haben? Fürchtest Du nicht, daß die Märtyrer der Freiheit und Brüderlichkcit aus ihren Gräbern steigen und Dir ihre Herzen zeigen werden, in deren Mitte das Eisen der Tyrannen jene Oessuungen bohrte, durch welche das Licht der Neuzeit über die Welt flnthetc? — Wenn cS möglich wäre.... wenn Du Recht hättest....!" Er ließ den Stengel des Glases, den er krampfhaft umklammert .hielt, loS. Seine Wangen erblaßten leicht, er lehnte sich in seinen Sessel zurück und starrte mit weit geöffneten Augen tu die sonnige Landschaft hinein. Aber allmählich wich die Starrheit von seinem Blick und eine leichte Nöthe kehrte in seine Wangen zurück. Er schüttelte heftig den Kopf. ״Es kann nicht sein — ein solches Gespenst vermag nur der zu erblicken, der von dem Pfade der Gcrcchtigkcit abgewicheu ist! Wirs einen Blick aus das herrliche Bild, welches uuS umgicbt und sage daun, ob nicht ein jedes Souueustäubchcn des LichtozcanS, der von! Himmel herabfluthet, Deine finstere Behauptnng Lüge straft. Blicke hin, wie fröhlich und einträchtig die Menschen neben einander auf den ebenen, im Sonnenlicht leuchtenden Pfaden wandeln und gemeinsam die Freude des Daseins genießen. Woran erkennst Du, wer Jude. Ehrist und Mohamedaucr sei? Und Du kannst im Anblick dieser erhebenden Harmonie noch von Schranken und Schcidcmaucrn sprechen?" MoseS blickte mit einer mitleidigen Thciluahmc auf das Gesicht seines Freundes, welches treu die Beweguug seines Innern widcrspicgclte. ״Ich begreife cS recht wohl, daß sich jede Faser Deines guten Herzens auflehnt, an die Wahrheit meiner Behauptung;1 glauben — und doch ist eS so. Von der Ferne freilich zeigt Alles eine glatte und schöne Oberfläche, imb so wie Du von hier aus in dem Bilde, das Deiner Seele vorschwebt, nichts als Harmonie und Eintracht erblickst, so erscheint Dir auch die ganze Welt von der idealen Höhe, von welcher auS Du sic beurthcilst, bekränzt mit einem strahlenden Glorienschein. Mische Dich aber erst mitten unter die so einträchtig scheinende Menge und versuche cS, in den Seelen der I ciuzelueu Individuen zu lesen und Du wirst in gehässigeu Blicken und ruchlosen Gedanken die Schranken erkennen, welche, obwohl unsichtbar, auch heute noch den Ehristen vom Inden trennen. ES war kein glücklicher Gedanke von Dir, daß Du mich an die Blut׳ ströme der Pariser Revolution erinnertest; — glaube, die DantonS, MaratS und NobcSpierreS hatten an ihrer Hcraufbcschwörung zum Mindesten eben so großen Anthcil wie die RousscauS und Voltaires. Und mehr

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