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Jeschurun · 1886-02-04 · Heft 5 (4.2.1886) · p. 76

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 5 (4.2.1886)
Article
Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
Date
1886-02-04
Page
76 (sequence 2)
Language
German
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76 lief) ei» großes Verbrechen! Da aber der hochcdelgeborcnc Freiherr zu bequem ist, Taback zu exportiren, so soll der Staat dieses selbst thun, damit den jüdischen Groß׳- Händlern der Verdienst genommen werde. — Da ist der wackere Geza Na;, dem das Herz blutet, daß nicht weniger als M5 jüdische Landwirthe Staatsdomänen in Pacht haben. Warum den bösen Inden so ein׳ trägliche Pachtungen übertragen? Ja, warum pachten das die Antisemiten nicht? 'Nein, denen müßte der Staat : den ärarischen Boden umsonst geben, denn weshalb j wären sie brave Antisemiten. Viel besser freilich den j Antisemiten scheuten, als fleißigen jüdischen Pächtern > verpachten! Ja, die bösen, bösen Juden verdienen ge׳! wiß den ganzen patriotischen Haß der Antisemiten. Ihr j Fleiß und ihr Unternehmungsgeist führt dein Lande! alljährlich große Summen zu für exportirten Taback nnd an Pachtgeldern; daS aber ist gerade das Ber׳- dannnungSwürdige. Bliebe der schöne Taback im Lande, dann rauchte man vielleicht billigere Zigarren, und pachteten die Juden keine Staatsgüter, dann er-- hielten sie die Antisemiten halb geschenkt. lacriniae illa! *||* Pest, 3l. Januar. Die Antisemiten rumoren im Reichstag fort. Der wackere Geza Ra; hat in der vergangenen Mittwoch-Sitzung den Wunsch geäußert, ein Branntweinmonopol cinzuführen. weil die Inden in den Kessel Wasser thun, worin sie sich zuvor gebadet, und dann statt Maisch Gist verwenden, wie z. B. Knpscrfänre n. dcrgl. Die armen nuivissendcn nnd gutmüthigen Bauern tränken dann dieses Hölleugebrän für guten Branntwein und holten sich natürlich den Tod, so daß schließlich die Christen alle untergehen nnd nur die Inden übrig bleiben. Der Präsident fand diese Witze nicht ganz der Volksvertretung würdig und wies den Abgeordneten zur Ruhe. Am andern Tage jedoch tneldctc sich sein Gesinnungsgenosse, Herr Kom loszi, und erhob neue Klagen gegen die Juden, welche den Getreidehandel beherrschten. Als er nämlich kürzlich sein Getreide ans den Markt brachte, hätten die jüdischen Händler ihn! zugcruscn: Wir kaufen Ihre Frucht nicht, verlausen Sie solche doch an Jstoczi! Da sieht man, wie die Inden die Schmarotzer in! Volksleben sind und daS ganze Land anssaugen. Weiter kam aber auch dieser Patriot nicht. Der Präsident entzog ihm das Wort und begründete diese Maßnahme mit dem Aussprache: Ich dulde nicht, daß sechSmalhunderttansend ungarische Bürger hier geschmäht werden. Die un garischc Nation ist eine einheitliche, sie zerfällt nicht in Christen und Juden, alle Konsessionen sind gleich! H o l l a n d. p NvtLcrdam. 31. Januar. Soeben bringt nnS der Telegraph die Trauerbotschaft, daß Herr- Oberrabbiner B. DuSnuS in Leenwardcn von seiner irdischen Laufbahn abberufen worden ist. Die holländische Inden heit betrauert in dem Dahingeschiedcncn den Verlust eines großen למדן, eines charakterfesten Ber- IreterS deö unverfälschten JndenthumS. ת׳ג׳צ׳ניה. Frankreich. *** Paris. Die ״Archiv. Israel." bringen eine Driginalkorrcspondcnz ans Sofia vom 6. Januar aus der Feder eines Glaubensgenossen, der als Freiwilliger an den! Kriege der Bulgaren Theil genommen und den Orden für Tapferkeit erhalten hatte. Nach dieser Korresponden; haben die von den bulgarischen Inden freiwillig dem Staatsschatz zngesührten Summen die Höhe von 300 000 Francs erreicht, während ihre Spenden an Waaren einen jene Ziffer noch übersteigenden Werth hatten. Die jüdische Freiwilligenlegion zählte 504 Tapfere. Als das Signal zum Abmarsch von Sofia gegeben wurde, sang die Legion int Chor das ״Schema JiSroel" nnd darauf die bulgarische Nationalhymne. Tausende von Zuschauern, Nichtjuden nnd Inden, wünschten unter Thräncn nnd Hurrahrufcn den ״guten jüdischen Brüdern" gute Reise und viel Glück. Einige Tage später lagerten die Leute alle frisch und gesund in Zelten vor den Thoren von Philippopel. Den zweiten Tag darauf inspizirte Fürst Alexander die jüdische Legion nnd fragte, ob man ihlu vielleicht besondere 'Wünsche nnSznsprechen habe. CS wurde erwidert, daß man gute Lehrer wünsche, um die angefangcuen militärischen Ucbnngcn fortzusetzen und daß man darum bitte, ein unabhängiges, von der übrigen Armee getrenntes Freikorps zu bleiben, waS alles gewährt wurde. Wir finden diesen Wunsch gerechtst trügt, da eS ihnen so leichter war, den Speise-- und anderen NeligionSgesetzcn Rechnung zu tragen. ׳Nach fünf Wochen inspizirte Fürst Alexander von Neuern. Cr war von den Fortschritten entzückt und sagte dann: Kinder, Serbien hat uns den Krieg erklärt. Zurück nach Sofia, dort giebt's weitere Marschordre. Um Euch zu zeigen, wie viel ich auf Euch halte, verspreche ich, mich im Kriege in Eurer unmittelbaren Nähe zu halten. Man dirigirte sie nach Slivnitza, das sie mit einnehmen halsen rc. Die Tapferkeit und der Patriotismus der Juden sind in Frankreich bekannte Dinge. Nichts desto weniger erfreut eS, stets Proben und Anerkennung dieser wie anderer Tugenden aus jüdischen Kreisen zu hören, und bringen wir daher solche Kundgebungen gern in einer Zeit, wo überall die Antisemiten das Judenthnm herabznziehcu versuchen. — Herr Liüvin lobt in der Zeitung ״La France" gelegentlich der Besprechung des von dem berühmten Zeichner Alphonse Levy illnstrirten Werkes ״DaS jüdische Leben im Elsaß" den jüdischen Familiensinn, den er als daS erhaltende Clcnicnt unseres Volkes

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