Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 5 (4.2.1886)
- Article
- Die vereinigten jüdischen Wohltätigkeitsgesellschaften in den Vereinigten Staaten von Nordamerika
- Date
- 1886-02-04
- Page
- 71 (sequence 2)
- Language
- German
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71 Vorstande übertragen ist. Derselbe sucht zunächst j sämmtliche Orte der Vereinigten Staaten, in welchen! Juden wohnen, zum Anschluß zu veranlassen. Es ist ihm dieses bis jetzt an folgenden Orten gelungen: Baltimore Md., Boston Mass., Bussilo N. A, Eharle-! ston S. C., Chicago Jll., Detroit Mich., Galvefton Tex., Little Nock Art., Louisville Ky.. Memphis Tenn., Milwaukee WiS., Mobile Ala., Montgomcry Ala., NeworleanS La., dkcwark N. I., Newyork, Philadelphia Pa., Pittsburg Pa., Quincy Jll.. Rochcster N. A, Satt Antonio Tex., St. Louis Mo., Scdalia Mo., Springfield Jll., VickSburg Miss., also im Ganzen 25 Orte. ES fehlen aber noch etwa 350 Orte, von welchen angenommen werden kann, daß daselbst eine jüdische Gemeinde existirt. Wenn eS gelingen sollte, mit dem größeren Thcile dieser in allen Gebieten der Bereinigten Staaten belegcnen Gemeinden in Verbindung zu treten und sie zu einem gemeinsamen Schassen zu veranlassen, so möchte, falls diese Wirksamkeit in wahrhaft jüdischem Geiste sowohl die materiellen nu.c religiösen Verhältnisse umfassen würde, höchst Ersprießliches geleistet werden können. Es würde dann auch vielleicht möglich sein, eine befriedigendere Lösung der Emigranteusrage. hcrbcizuführen. Es sind in den Bereinigten Staaten nach dem vorliegenden von dem Vorstande ausgestellten Verzeichnisse in den namhaft gemachten 375 Städten an 1 54 Orten dem Vorstände jüdische Wohlthatigkeitögcscllschaftcn bekannt. W >l»d k l 11 il g e 11. von Friedrich!Hott. (׳.Nach di uc1 uevboteu.; (Fortsetzung.) Doch sic wußte sich zu fassen, und mit der süßesten Freundlichkeit den Gruß der Kleinen zu erwidern und sie mit Schmeichelwortcn und Adele mit Komplimenten über die Schönheit ihres Kindes zu überschütten. ..Wer ist denn der Vormund Deiner Ixillissinia Bella?" fragte sie, nachdem die Kleine sich wieder entfernt hatte. Adele sprach die Vermnthung aus, daß wohl SanitätSrath Walther als solcher ernannt werden würde. ״Ernannt?" wiederholte Minna verwundert, .,hat denn Dein secliger Gatte kein Testament hintcrlassen?" ״Kein unbedingt gültiges. . Doch da in dem Schriftstück, daö mein seliger Otto mir als seinen letzten Willen bezeichnet hat, der SanitätSrath als Bclla'ü Vormund erklärt ist, so wird er cS vcrmuthlich auch werden." Sie theilte nun der Freundin mit, was sie über j die Entstehung des Testaments theilö wußte, theilS! vermuthete. Frau Doktor Wicsenhein lauschte ihren Worten mit gespannter Aufmerksamkeit, ihre Hoffnungen regten! sich von Neuem. ״LicbcS ft'iiib," sprach sie nach kurzer Uebcrlcgung, ״meiner Ansicht nach bist Du nicht nur nicht verpflichtet, den sogenannten letzten Willen Deines Gatten anzuerkennen, ich glaube vielmehr, daß Deine Pflicht Dir gebietet, mit Deinem ganzen Einstuß demselben entgegen zu treten." ״Minna, was muthest Du mir zu! ich sollte mein Versprechen brechen, das ich meinem sterbenden Galten gegeben?" ״Nur keine Sentimentalität, liebes Kind. In jenem Moment warst Dn nicht zurechnungsfähig, warst nicht im Stande, die Folgen Deines übereilten VersprcchenS in Erwägung zu ziehen. Hätte der Sterbende daS Versprechen von Dir verlangt, den Mond in seinem Kreislauf aufzuhalten, Dtt hättest eS ihm auch gegeben. Hättest Du cs gehalten?" ״Welche Frage!" ״Freilich ist das keine Frage, physische Gründe hätten Dich Deines Versprechens entbunden. Ob wir aber moralischen Gründen nicht zum mindesten die gleiche Macht zuerkcnnen sollten?" ״Ich will daS nicht bestreiten, doch ich gestehe, ' liebe Minna, ich sehe nicht ein, weshalb ich dem Wunsche meines seligen Gatten mich widersetzen sollte." ״Das siehst Dn nicht ein? — gutes, argloses Kind, Dn machst eS Deinen Widersachern allzu leicht. Aber Gottlob, eS giebt noch Augen, die für Dich wachen. Sei unbesorgt, ich verlasse Dich nicht." ״Ich bcgrcisc Dich nicht, SanitätSrath Walther ist ein Ehrenmann." ״Wer wollte daran zweifeln? Ich keime ihn zwar nicht, aber den Mann, den Dein Gatte zum Vormund seines Kindes bestimmt, ein Ehrenmann wird er doch mindestens sein." ״Er ist cS, ich kenne ihn als solchen, und trotzdem — " ״Trotzdctn sollst Dn ,cS durchsetzen, daß er keinen Einfluß ans Deine Tochter erhält." Adele wiegte verwundert das schöne Haupt. ״Meine Worte sind Dir Näthsel," sprach Minna Wicsenhein mit dem feinen überlegenen Lächeln, daS sie so gern um ihre Lippen spielen ließ. ״Der Schmerz, die Zurückgezogenheit, in denen Du die jüngst verflossene Zeit verbracht, haben Deinen sonst klaren Blick getrübt, darum betrachte ich cS als meine Pflicht, für Dich zu sehen, für Dich zu denken. Sich, liebste Adele, wir haben schon vorhin darüber gesprochen, daß Ehrenhastigkeil deS Charakters mit Beschränktheit der An-