Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 4 (28.1.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1886-01-28
- Page
- 61 (sequence 2)
- Language
- German
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können, cs wäre ׳ uns trotzdem kein Haar gekrümmt worden, ja das Dach würde garnicht cingcftür.^t sein." ״Wie meinen Sie dieses?" fragte der Erzbischofs. ״Nun, sehr einfach, Eminenz", cntgegnete Hirschler. ״Unsere alten Weisen sind der Ansicht, daß der ganze Weltenbau auf dem Berdicuste von scchSunddrcißig wahrhuft frommen Israeliten ruht. Nun zählen wir beide allerdings nicht zu diesen nntadclhaftcn scchsunddreißig. Aber so viel Verdienst haben wir als Juden immerhin doch, das; wir, wenn auch nicht den Einsturz des Himmels, aber doch den Einsturz eines winzigen Dachfensters aufhalten können." .,Nun begreife ich," erwiderte der Kirchensürst, weshalb Minister Tisza so eifrig daraus bestand, zwei Juden im Oberhanse zu haben — das Gebäude ist sehr baufällig. ’ Warum hat er nicht zehn solche starke Träger hineingebracht, dann wären wir ganz sicher. Aber unerklärlich ist, daß er diesen wirkliehen Grund im Reichstage nicht geltend gemacht hat; dann wäre die heftige Opposition gegen die Zulassung der Juden sicherlich unterblieben. Ja, ja, die Juden sind doch stark, nicht allein, daß sic nicht nicdergebeugt werden können, sondern sie sind die festesten Stützen." B. Prag, 22. Januar. Dem Landtage ist eine eigenthümliche Petition zugegangen, zur Regelung der Rechtsverhältnisse der Juden in Böhmen. Dieselbe wurde der Regierung zur Erwägung überwiesen. (??) K. Papa, 20 Januar. Wenn eine kleine, verwegene Schaar zur Herrschaft gelangt und mit tyrannischer Willkür der großen. Mehrheit ihre Abtrünnigkeit vom Jndenthlim anfzwingen will und zur Erreichung dieses Zieles die niedrigsten Mittel nicht scheut, Lug und Trug, Verleumdung und Denunziation zu ihren Bundesgenossen macht und unter der Maslr von Bil׳ düng, Intelligenz. Aufklärung und Fortschritt und wie die Phrasen alle heißen mögen, die heiligsten Anrechte des gesellschaftlichen Lebens, die edelsten Gefühle des menschlichen Rechts mit Füßen tritt, — so haben Sie ein schwaches Abbild der Ereignisse, deren Schauplatz unsere Gemeinde gewesen, und deren tiefgehende Folgen erst in Zukunft ihren Abschluß sinden werden. Doch alle Bestrebungen, alle Angriffe dieser chrcnwcrtheu Herren mußten an der ehernen Ueberzeugungstrcuc unseres hochwürdigcu Herrn Oberrabbincr Dt׳. Salamon Breuer zerschellen, der mit seltener Ausdauer und männlicher Entschlossenheit in die Schranken trat, und um keines -Haaresbreite an unfern althergebrachten Traditionen rütteln ließ. So lange ein solcher Mann an der Spitze der Gemeinde steht, konnte unser reformsüchtiger Vorstand auf keinen Erfolg rechnen. Und überdies hätte die Sonntag den l 7. 1. M. fiattfiubcubc Generalversammlung dem Herrn Oberrabbiner das Desinitivum gesichert.-- Da machte ein Kolumbus unseres Vorstandes die Entdeckung einer Stelle im Gemeinde-Protokolle, in welche sich vielleicht ein stattgehabter Formfehler bei der Akzeptation unseres Herrn Oberrabbiners hineindentesn ließe. Und die Finanz« sektion unseres Vorstandes hatte den heroischen Muth, das Gehalt des Mannes, der hier mehr denn ein Jahrzehnt in Ehre und Würde als Oberrabbincr amtitt, ganz einfach, ja sogar ohne Kündigung, aus dem Budget zu streichen. ES sollte nun ans Grund dieses Beschlusses eine andere Persönlichkeit zum Matrikelführer gewählt werden. Doch diesmal haben sich die -Herren vo.m hohen Vorstände verrechnet, sie vergaßen die Mitglieder der Gemeinde, das Volk, welches sich nicht um seine theuerslen Errungenschaften dringen lassen will. Kaum war die Nachricht verbreitet, mit welchen Absichten man umgehe, als das Volk, erbittert über dieses maßlose Vorgehen, sich in ungeheurer Menge znsammenschaarte und mit stürmischen Rufen ״Eljcn (ES lebe) Di׳. Breuer" die Straßen erfüllte und namentlich sich um das SitzungShans znsammenschaarte. In der Sitzung selbst gelang es dem thatkräftigeu Einschreiten dcS Herrn. Adolf Löwenstcin an der Spitze seiner wenigen, aber begeisterten Gesinnungsgenossen der Kommission, eine Abstimmung unmöglich zu machen und die ganze Sitzung zu vereiteln. Trotzdem zwei Tage später eine zweite Sitzung und zwar diesmal unter starker Polizeibcwachung stattfand, kannte die Entrüstung deS Volkes keine Grenzen; Männer und Frauen. Alt und Jung, selbst viele die seither der neologcn Partei angehörten, nmstürmten wiederum das HanS und vereitelten diese zweite Sitzung. Am Sonntag den 1 7. d. M. fand vor dem Stuhlrichtcr die Wahl des MatrikelführerS statt, die das Schicksal der orthodoxen Gemeinde in Papa endgültig entscheiden sollte. Trotzdem die Neologcn Alles ansbotcn, die Wahl ihres Kandidaten dnrchzusetzcn, wurde -Herr Oberrabbiner Dr. Breuer einstimmig ge-- wählt und vom Stuhlrichtcr als lebenslänglicher Matrikel» führer eingesetzt. Ans tnehrrnalige Aufforderung des Stuhlrichtcrs, wer gegen diese Wahl etwas einznwcndcn habe, möge sich melden, wagte cS keiner der Neologen Angesichts einer lolchcn Majorität der Gegenpartei den Mund zu öffnen und beschämt verließen sie den Saal. Unter zahlreicher Betheilignng brachte die hiesige Gemeinde ihrem allverchrten Rabbiner des Abends einen Fackeleng, der auch durch die Anwesenheit der obersten Stadtbehörde besonders beehrt wurde. Herr Ignatz Marion, der sich um den Sieg große Verdienste erworben, hielt eine feierliche, zündende Rede sowohl in ungarischer, als auch in deutscher Sprache, worin! er die Verdienste unseres Herrn Obermbbiners in seiner! bisherigen ersprießlichen Thätigkeit glänzend hervorhob, i worauf -Herr Oberrabbincr seinerseits in bewegten j Worten ebenfalls in ungarischer und deutscher Sprache j seinen Dank ansdrückte. Der Facketzug nahm einen