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Jeschurun · 1886-01-21 · Heft 3 (21.1.1886) · p. 44

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 3 (21.1.1886)
Article
Schweiz : Baden [Nachricht]
Date
1886-01-21
Page
44 (sequence 2)
Language
German
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44 imb Gemeinde der Indcnheit bilden. Heilige Begcistcrnng durchzuck! die Gemeinde in allen ihren Gliedern, und in Aller Herzen lebt der innige Wunsch-. Möge cs unscrm ehrwürdigen Rabbiner vergönnt sein, die reichste Frucht der Lichtsaat zu schauen, welche seine Hand ausstreut, möge cs uns vergönnt sein, ihn in unserer Mitte bis in eine ferne Zukunft segensreich schaffen zu sehen. Viel sind der Arbeiten, die seiner harren, groß aber auch ■ der Segen, wenn sie gelingen. Sic werden gelingen,! wenn alle Kräfte zusammcnwirken in reiner -Liebe zu! dem kostbaren Kleinode Israels ut!b der Menschheit: j; ויהי נעם אדני אלדינו עלינו ומעשה ידינו כוננה עלינו ומעשה ידינו כוננהו. Das walte Gott!! O e st e r r ei ch - U n g a r n. G. Wien 1 2. Januar. Im nicdcröslerreichischen Landtag wurde gestern der antiscrnitischen Bewegung, welcher leider hier und dort sich auch die Lehrer angeschlossen haben, gedacht. Der Abgeordnete Dun! ba betonte bei Gelegenheit der Erhöhung der Lehrergehaltc, daß viele Lehrer mit ihrem Antisemitismus unser Zeitalter schänden und Oesterreich vor dem Auslande besudeln. Die Schule sollte doch nicht in solchen Koth und Schmutz hincingezogen werden. Der Abgeordnete Süß sckundirte seinem .Kollegen, und der Landtag spendete diesen Ausführungen reichen Beifall. t, Prag, Januar, Ob Ezechen oder Deutsche, in Einem begegnen sich beide, und das ist das Vorurtheil! gegen die Juden. Nicht in der von Haß und Verachtung j strotzenden Rede allein offenbart sich dasselbe, viel mehr! noch in den halb unbewußten, gelegentlichen Aenße-! rnngen. Weil mehr als in den Brand- und Kriegs-! reden der ausgesprochenen Antisemiten Häuptlingen doku- : mentirt sich dieses Vorurtheil in dein Rufe ״Ind'"! ans den! Munde der Gassenbuben, in dem Epitheton j ,.jüdisch/׳ mit welchem auch der Gebildete das Niedrige! und Gemeine oft gedankenlos zu bezeichnen pflegt. Ein geistig hochstehender und im össentlichen Leben hervorragender Mann, der Abgeordnete Di׳. Niegcr, hat kürzlich einen kleinen Satz ausgesprochen, der für diese Thatsache einen neuen Beleg bietet. Er sagte: ״Die Juden die nur auf Gewinn geben, sehen die Noth- Wendigkeit der Kenntniß beider Sprachen (der böhmischen und deutschen) ein, sic wollen nur Kommis, welche beider Landessprachen kundig sind." Gewiß ein sehr harmloses Wort, und doch offenbart sich in ihm die ganze Verachtung, welche auch die Seele dieses bcdeutenden Mannes gegen die Juden erfüllt. Sic kann der Inden nicht gedenken, ohne ihnen einen Hieb zu versetzen. ES handelte sich gar nicht um Juden, sondern um die Parität beider, oder die Snpcriorität einer der Landessprachen. Es genügte vollkommen, die erstere zu erweisen, wenn Dr. Ricger darauf aufmerksam machte, daß in den Berkanfsgewölbcn die Kenntniß beider Sprachen als ein nnnmgängllches Bedürfniß empfunden werde. Aber nein. Die Kanslente müßen absolut Juden sein, und diese müssen ״nur" ans den Gewinn geben. Ilm des Himmels Willen, hält denn der christliche Kaufmann seine Waare nicht um des Gewinnes willen feil, arbeitet der christliche Handwerker nicht um des Gewinnes wegen, öffnet der christliche Advokat seine Kanzlei nicht des GeivinneS halber? Ja, aber der Jude giebt ״nur" auf den Gewinn etwas. Dieses ״nur" ist in Niegers Mund sehr bezeichnet. Ist es über wahr? Ja, daran kehrt sich der große Abgeordnete nicht. Weiß er deiin nicht, und weiß es nicht die ganze Welt, daß in keinem Kreise mehr als in dem jüdischen alle Interessen der Humanität und des Wissens auf eine warme opferbereite Förderung rechnen können? Man möge doch einmal eine Statistik aufnehmenvon dem, was in jüdischen und außerjüdischen Kreisen für ideale Zwecke geleistet wird — wahrlich, vor dem Ergebnisse dieser statistischen Aufnahme Hütten die Juden nicht zu erröthen, vor ihm müßte dieses ״nur" in seiner totalen Unwahrheit erkannt werden. Herr Nieger nehme den ersten besten jüdischen Handelsmann vom Tandclmarkt und prüfe ihn genau auf das, was er an Idealismus in sich birgt und stelle ihn neben ein Dutzend ans gut Glück herausgegnssener Wenzel und Pawel nicht'nur, sondern nichtjüdischcr ehrsamer Krämer und Greißler, und ziehe die Summe des Idealismus dieser Zwölf und jenes Einen — dann spreche er wieder dieses ״nur" ans. Hi*. P. Lemberg, 13. Januar. Der Gemeinderath der Stadt Kolomea, in welcher die Juden die Majorität bilden, hat, einem Dringlichkeitsantrage ent׳ sprechend, beschlossen, beim Landtage zu pctilioniren, derselbe möge die völlige Gleichberechtigung der rnthenischcn mit der polnischen Sprache durchführen. Die rnthenischen Stadträthe sprachen ihren Dank für diesen Beschluß ans. F v q u 11 c i ch. *** Paris, int Januar. Man bedauert hier jetzt, nicht rechtzeitig Schritte gethan zu haben, um an der Mendelssohn-Feier Theil 311 nehmen. Die ״Arch. Isr." bemerken bei dieser Gelegenheit Folgendes: ״Die! Arbeiten Mendelssohns haben das große Verdienst gehabt, zu Gunsten der Juden diese edle Bewegung hervorzurnfcn, die so schnell zur Emanzipation von 170] geführt hat. Mirabcan und seine Genossen von der liberal-konstitutionellen Partei sind das direkte Ergebuiß Mendelssohns. Der ׳Name des ersten Inden, der in der konslitnirenden Versammlung während der denkwürdigen Debatten der Jsraclitcncmanzipation ertönte, rnx der Mendelssohns, und zwar war es der

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