Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 3 (21.1.1886)
- Article
- Deutschland
- Date
- 1886-01-21
- Page
- 43 (sequence 2)
- Language
- German
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48 ganz &cfoubcr$ cffcfiuott abhob, bot schon einen wirklich feierlichen Anblick dar. Nachdem von Schülern und Schülerinnen der Gelegenheit angcpaßtc Gesänge vorgetragen warm, hielt der Direktor die überaus schöne und allen Anwesenden zn Herzen gehende Festrede, zu Grunde legend und weiter entwickelnd Psalm Ol, Vers 7 ימים על ימי מלך תוסיף שנותיו נמו דור ודור, sowie die wichtigsten Momente autf bem Leben des Kaisers, von seiner Jugendzeit, seinen Kämpfen und Siegen, ׳ seiner glorreichen Laufbahn, wie sein ganzes Wirken sichtlich von Gottes Segen getragen sei. Schließlich wurde uod) die Nationalhymne vorgctragcn, wobei sich alle Anwesenden erhoben. — Ich habe Ihnen ferner von einer wahrhaft hochherzigen That crfvcnlid)c Kunde zn bringen, deren Urheber ich wegen seiner Bescheidenheit, die fprüchwortlich ist, zn nahe treten würde, wollte ich seinen Namen nennen. Zur Erweiterung und Fundirnng der ebenfalls unter der Leitung des Herrn Direktor Di׳. H ir sch stehenden israelitischen Volksschule hat dieser große Edle die bedeutende Summe von 100 OOO ^/6. gespendet und sich damit ein ewiges unvergleichliches Denkmal errichtet Noch die spätesten Enkel werden sein Andenken segnen. Es ist derselbe Mann, welcher unausgesetzt und unermüdlich mit voller Hand jedes Gute fordert. Gott segne ihn und beglücke ihn, wie es mit mir Tausende aus tiefstem Herzensgründe wünschen, und erhalte ihn uns und der Menschheit bis in eine ferne Zukunft. D. Tbürgburg, Januar. Ob den israelitischen Soldaten gestattet sei, statt der Menage koschere Kost zu genießen, hing bisher lediglich von dem Willen und der guten Laune eines Militär^eamten ab. In der Regel wurde cs den Gesnchstellern zwar erlaubt, aber welche Widerwärtigkeiten dies verursacht und mancher jüdische Soldat deshalb nicht darum nachgcsncht hatte, weiß wohl derjenige am besten zu würdigen, der mit den Verhältniffen vertraut ist. Das Verdienst, diesen Ucbelstäuden und llnannehmlichkeiteu abgeholfcu zu haben, hat sich der hiesige Herr Rabbiner Nathan Bambcrgcr. zuzuschrcibcn, indem derselbe vom Königlichen Kriegs- Ministerium folgende Entschließung erwirkt hat, daß nämlich israelitische Soldaten, soweit es die dienstlichen und örtlichen Verhältnisse gestatten, von der Menage׳ thcilnahme entbunden tvcrden sollen. Es wäre nun zu wünschen, daß sünuntliche jüdische Soldaten im ganzen bayerischen Hc.׳re, und das sind sicherlich nicht wenig, von dieser Entschließung vollen Gebrauch machen. Bei Unterlassung föuutc cs nicht mehr wie bisher als שוכג betrachtet werden. Wir 'wissen nicht, wie cs sich in anderen Staaten verhält. Wir haben die feste Uebcrzeuguug, daß cs blos der Anregung des geistlichen Oberhauptes bedarf, man wird auch dort den gerechten Forderungen gewiß Nachkommen. > München, Januar. Seit Jahren besteht hier ein kleines Gotteshaus, in welches die יראים ושלמים sich mit ihrer Gesetzestreue gerettet, als die Synagoge der Gemeinde einem Reformdienst sich öffnen mußte, dank der Allgewalt einer rcsormsüchligen Kultusadministralion. Für den mit den hiesigen Verhältnisscn nicht Vertranten ist es schwer, in der Kürze einer Darlegung derselben zum vollen Verständnisse auszuführen^ wie dieser kleinen Minorität, um sich eine geistigen Führer für religiöse Angelegenheiten zu erwerben, fein anderer Weg sich darbot, als für die חברה קדישא einen Rabbi zn gewinnen. In jüngster Zeit ist ein solcher in Herrn Di׳. Ehren treu augestellt worden, welchem damit zugleich die Vertretung des gesctzestrcuen Iudcitthums obliegt. Wir haben allen Grund, uns zu dieser Wahl -zu beglückwünschen. Es steht zu hoffen, daß unter seinen Auspizien der kleine Synagogenverein zum Kernpunkte eines neu erwachenden jüdischen Lebens in unserer Milte werden wird. Aehnliche Veranstaltungen sind auch in Nürnberg und Fürth getroffen worden. Gelingt cs in der Hauptstadt eine wirkliche Mustergemeinde, wenn auch in kleinem Maaßstabc zu schaffen, so wird deren Beispiel im Lande zur Nachahmung führen, und wo vor der verwüstenden Gewalt der Reiorm die Gesetzestrenen znrückweichen mußten, da wird ein neuer Geist der Hingebung und des Muthö eiuziehen, um für Gott und seine Lehre 'in die Schranken zu treten. Die in Frankfurt ins Leben gerufene freie Bereinigung zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Iudenthums wird durch ihren moralischen Einfluß auch hicrzulaudc sich segensreich erweisen. Schweiz. פלוני Baden, 10. Januar. Eine neue Aera des jüdischen Lebens in der helvetischen Eidgenossenschaft hat angehobcn. Der Tag, dem wir sehnsüchtig entgegengeharrl, ist gekommen. Ein Mann von hohem Geiste, festem Charakter, energifcher Thatkraft, voll der glühendsten Begeisterung für das heilige Erben Israels, ausgerüstet mit umfassendem Wissen, ansgeze-chnct durch die herrlichsten Vorzüge einer hinreißenden Beredsamkeit und einer herzgewinnenden Liebenswürdigkeit ha! nnserm Ruse Folge geleistet und die Führung und Leitung der aargauischen Gemeinden übernommcii. Herr Dl׳. Ehrmann aus Trier hat gern cingrwilligt zn nns zn kommen, und wir nennen ihn mit freudigem Stolze unfern Rabbiner. Der Sabbath וארא dieses JahrcS wird uns Allen unvergeßlich bleiben als der hohe Fest« lag, an welchem der Bund zwischen ihn und nns feierlich besiegelt wurde, an welchem unser Rabbiner sich zum ersten Male mit seiner Gemeinde aussprach und in herrlicher Rede die Grundsätze entwickelte, welche die Bedingungen eines gottwohlgcfälligcn Wandels in HauS