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Jeschurun · 1886-01-21 · Heft 3 (21.1.1886) · p. 37

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 3 (21.1.1886)
Article
Die Wirkliche Sendung Moses
Date
1886-01-21
Page
37 (sequence 2)
Language
German
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Aber er iiuilhete ja bei! Hebräern tausendmal Schwicrigercs zu und fürchtete nicht, sie dadurch zurückzuschrecken. Er!egte den an vollständige Zügellosigkeit gewöhnten Sklaven ein NeligionSgcsctz ans, welches sich hemmend und beschränkend auf einen jeden Schritt atiSdehntc und wie ein Joch zentnerschwer auf ihnen lastete, sie völlig der verliehenen Freiheit verlustig machend. Und daS wird doch Jeder einschcn. daß einem sinnlichcn, materiellen Menschen das kleinste körperliche -Hemmnis; mehr schreckt, als hundert transzendentale Ideen; denn um die Ideen, überhaupt wenn sie sein Wohl fördern wollen, schcert er sich weiter einen blauen Teufel, während die körperlichen Opfer ihn murren und unwillig machen. Und doch opferte Moses nicht das kleinste Gebot seiner schweren, großen Gesetzessammlnug dem Bedenken der Schwierigkeiten, die ihm daraus bei den störrigcn, nnintelligeuten Sklaven erwachsen würden 1111b auch faktisch erwuchsen, geschweige denn, daß er sich entschlossen haben könnte, seinen großen allmächtigen Gott wie einen ägyptischen Götzen 311 behandeln, den man behauen und ntodeln und auf einen .^-beliebigen Namen taufen konnte. Wenn mau die betreffenden Abschnitte der Bibel mit Aufmerksamkeit liest, so gewinnt mau die Ueberzengnng, daß geradezu systematisch daraus hingearbeitet wurde, das Gottvertrauen der Hebräer, durch Auferlegung gefahrvoller Pflichten zu erproben. Dahin rechnen die Erklärer auch die Modalitäten, unter denen MoscS den Hebräern die Erfüllung des ersten NitnalgesetzeS, die Opferung des PcßachlanuucS, vorschricb. Das Vanini genoß bekanntlich bei den Aegyptern abgöttische Verehrung. Nun mußte ein jeder Jude ein Lamm an den Pfosten der Thüre anbinden, was, da die blockenden Dämmer die Anfmcrksamkeit des fanatischen PöbelS auf sich ziehen mußten, mit keiner geringen Gefahr ging. Hub die Jrrwanderung in der Wüste und noch tausend andere Momente, die einzeln anznsnhreu zu weitläufig wäre, welche klar beweisen, daß Moses sich nicht von OpportuuilätSgrüudcn leiten ließ, sondern unbekümmert um subjektive Bor- oder Nachtheile den Willen der Vorsehung befolgte! Einsehend, daß wir diesen Essay 31t einem voluminösen Buche anwachsen lassen müßten, wenn wir Alles das uiederschrciben wollten, was sich uns zur Ehrenrettung MoscS und zur Herstellung seiner gött׳ lichen Glorie aufdrangt, gebieten wir hier unserem inneren Drange halt, nachdem wir uns beruhigt sagen können, wenigstens so viel gesagt zu haben, als zur Entkräftung der Schiller'schcu Unrichtigkeiten nothwcndig war. Wir haben dem Schiller'jcheu Gebäude die Hauptstützen entzogen, und cs genügt, die einfache Erweiterung der von uns ausgestellten Thesen in ihren nächsten Konsequenzen, um daS Ganze, wenn nach unserer Arbeit wirklich noch etwas aufrecht geblieben sein sollte, in einen öden Schutthaufen zu verwandeln. Wir konnten nicht noch erschöpfender auf jedes kleinste Detail eingehcn, ohne uns in endlose Wiederholung eiutassen zu müssen, und auch so glauben wir schon diesbezüglich manches ans unserem Kerbholz zu haben. Kürzer aber, als wir gewesen, konnten und buvfteu wir nicht sein, denn wer mit einer solchen Entschiedenheit gegen einen Schiller Front zu machen wagt, der muß sein gutes Recht haarscharf beweisen, muß aller Welt einen tiefen Blick in sein Arsenal ermöglichen, ans das Nebel- und Wohlwollende und Unbefangene gleichmäßig aitSrufen müssen: ״Er konnte nicht anders und hat auch so ein Wunder der pietätvollen Selbstbeherrschung vollbracht!" Wir halten es für überflüssig, den Vorwurf der Vergehung gegen die Manen desgrößten deutschen Dramatikers zu begegnen, denn ein solcher Vorwurf könnte nur von der größten Beschränktheit erhoben werden, welcher wir durchaus nicht geneigt sind Rechnung zu tragen. Wo kämen wir hin. wenn wir daS Genie für geistig immun erklären wollten'? Es giebt nur eine Wahrheit und in Beziehung 311 ihr mir zwei Gattungen Menschen: solche, die vor ihr rcincHändc haben und solche, die wider sic sich versündigten. Jeder Unterschied dcS Ranges und Standes hört ans innerhalb dieser zwei Umgrcnzungcn. So lauge nicht Seraphim vom Himmel herabsteigen werden, um die irdische Lyra zu stimmen, werden auch die größten Dichter nur Jrrlhümern zugängliche Menschen bleiben und die Kritik ihnen gegenüber zulässig zu sein. Dort, wo daS Genie fehlt, hört eS auf, Genie zu sein und fällt unter die Benrtheilnng der Durchschnittsmenschen. Einmal mußte eine gründliche Abwehr erfolgen, im'Interesse Schillers, im Interesse eines welthistorischen, verunglimpften Volkes, im Interesse -der Berichtigung eines verzerrten, welthistorischen Charakters und endlich im Interesse —- der Wahrheit. Zn bewundern ist nur, daß dies, unseres Wissens, nicht schon längst geschehen. : llaljiufr aintrn Klinkt!?) ••”pדיסרר עד כהי יהיה זה לכו Bekanntlich haben drei jüdische ״Geistliche" (hebräisch: סרים::) durch ihre Unterschrift bescheinigt, daß Mendelssohns getaufte ״Kinder und Enkelden Ruhm dcS Ahnherrn durch den ihrigen erneuert haben." Nun, die Herren geben sich als Rabbiner ans und müssen als solche ja wohl wissen, was sie ihrer Religion und ihrem Amte schuldig sind. Daß Herr D1\ Rahmer zu der Dreizahl gehört, ist selbstverständlich, das Gegen- *) AuL Mangel an Raum verspätet.

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