Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : Krakau [Nachricht]
- Date
- 1886-01-14
- Page
- 28 (sequence 2)
- Language
- German
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ba§ nicht aus einem an und für sich gewiß sehr LobenSwerthen und Guten ein Nebel entsteht, daß nicht die Wurzel gepflegt wird, aus welcher Wermuth und Gift hervorsprieße. Wie segensreich ist eS nicht, wenn die Jünglinge unseres Glaubens der Bearbeitung dcS Landes zugeführt werden, wenn sie lernen den Acker zu bebauen, den Pflug zu regieren und den Grabscheit zu handhaben?- Welch unendlicher Segen, wenn hierdurch im größerem Maße als bisher ein jüdischer Bauernstand in dem gesegneten Galizien entsteht, das unter dem Szepter eines gütigen und weisen Fürsten, dessen Tage Gott mehren möge, in Gerechtigkeit und Milde regiert wirb!• Aber dieser Segen würde sich in llnheil verwandeln, wenn unsere Jugend, die Hoffnung der Zukunft, von dem alten Glauben der Väter dadurch abgeweudet würde und die Gebote Gottes nicht mehr erfüllte in der vollen Treue, die das kostbarste Erbtheil Israels ist. Wenn darum jetzt die Vereinigung zu Wien (die Wiener israelitische Allianz) die Sache in die Hand genommen hat und zunächst einige Hundert jüdische Knaben unseres Königreichs bei Grundbesitzern unterbringen will, damit sie der Landwirthschast gründlich kundig werden, so sollten die wahrhaft GotteSsürchtigen und Gesetzestreuen sich der Sache anuehmeu und ihrerseitS darauf achten, daß die Jünglinge auch in der Thal dazu angehalten werden und sorgfältig darüber gewacht werde, daß sie der heiligen Religion weder in That noch Gesinnung sich entfremden. Dann wird Heil und Segen daraus entsprießen. Freilich haben diejenigen Grundbesitzer, dreißig au der Zahl, welche die Jünglinge zu sich nehmen wollen, auf dem Markte zu UlaSzkowcze am 7. Juli v. I. sich durch Unterschrift also verbindlich gemacht: ״Wir wollen׳ gern die religiösen Uebnngen der uns anvertrauten Kinder sorgfaltig überwachen und sie an den Sabbathen und sonstigen jüdischen Feiertagen von jeder körperlichen Arbeit fern halten". Aber eS läßt sich doch nicht leugnen, daß die gedachte Vereinigung, welche dieses Werk ausführt, in der Person ihrer Leiter nicht die Bürgschaft bietet, daß dieses auch strikte und gewissenhaft ausgeführt wird. Ich will gewiß nicht Redliche verdächtigen, ich will gern annehmen, daß diese Vereinigung eS jetzt ehrlich meint und nicht die Absicht, Gott behüte, hegt, die Jugend Galiziens zum Abfall zu verführen. Aber da sie selbst, wie versichert wird und sie gewiß auch nicht in Abrede nimmt, keineswegs das als heilig und unverbrüchlich hält, was wir galizischen Juden als unantastbares Gebot der Religion betrachten, so sollten unsere Leiter und Führer, die ehrwürdigen Rabbiner und ehrsamen gotteSfürchtigeu Vorstände gerade diese Sache selbst in die Hand nehmen. Heute können sie eS noch, denn die Wiener Vereinigung wird ihnen heute noch in dieser Beziehung die Macht dazu einräumen. Später aber, wenn die Sache erst im Gange ist und andere Männer das Werk leiten, daun könnte eS vielleicht zu spät sein. Darum seid gewarnt, ihr großen und einflußreichen Männer unseres Landes, und nehmet Euch der kleinen, armen Jünglinge unseres Volkes au, hütet deren Seele! Setzet Euch mit den Leitern in Wien in Verbindung, überlasset dieses nicht den auch in unserer Mitte vorhandelten Verächtern der Lehre Mosis. An Euch ist cs zu handeln, o, so seid nicht lässig und wirket mit Einsicht und Kraft. Ihr könnt es noch jetzt. Lasset Ihr aber Andere an dem Werke, so gilt Eure Stimme nichts. Dann jammert Ihr vielleicht später und wir mit Euch, aber dann hilft unser Klagen nicht. Es kann dieses Werk der Wiener Vereinigung zum Segen werden, es kann aber auch zum Fluche sein — in Eure Hand ist es gegeben. Ueberzeugt Ihr Euch aber, daß man Euch nicht den erforderlichen Einfluß auf die religiöse Ueberwachung einräumeu will, so erhebt Eure warnende Stimme bei Zeiten. — — Ich habe gesprochen, wie es die Liebe zu meinem Volke mir auf die Zunge gab, ich, der Geringsten Einer unter den Kleinen Israels. An den Großen ist es, in dieser wichtigen Sache zu handeln. 6. Pretzburg, 10. Januar. Der Verein מרפא לנפש giebt seinen siebenzehnteu GebahrungSausweis heraus. Zweck des segensreich wirkenden Vereins ist die Versorgung der in dem Krailkenhause untergebrachten jüdischen Kranken mit ritueller Kost. Es kommen viele arme Kranke von auswärts hierher zur Heilung, und hat der Verein deshalb auch das Recht, auswärtige Wohlthäter zur Beisteuer alifzuforderu. Im abgelanfenen Vereinsjahre Oktober 1884/85 wurden 00 Kranke mit Koscherkost im hiesigen königlichen Landeskraukenhause versehen, darunter waren nur 22 Preßburger. Es wurde dafür die Summe von 840 (Dulden verausgabt. Möge der Verein dlirch vermehrte Zuwendungen in der Lage sein, in noch umfaffcubcrcr Weise für die armen jüdischen Kranken sorgen zu können. Holland. -0- Amsterdam, 10. Januar. Ein seltenes Fest wurde vorige Woche in stiller Weise in den Mauern des hiesigen Jungen-WaisenhauseS gefeiert. Es galt der Frau E. I. Benjamins - de Beer bei Gelegenheit ihres 25jährigen Jubiläums als Vorsteherin dieser Anstalt die gebührende Anerkennung zu beweisen: nur ungern 1111b gezwungen gab sie selbst zu dieser stillen Feier die Erlaubniß. Und wahrlich, eS hätte dieser Feier nicht bedurft, um ihren Namen bei den Waisen auszufrischcn. Ist sie doch überall, wo es gilt Noth zu lindern, unter den Ersten, die thätig eingreisen, keine Vcühe scheuend, um den gewünschten Erfolg zu erzielen und dabei keineswegs mit dem Wohlthun brüsten, sondern soviel