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Jeschurun · 1886-01-14 · Heft 2 (14.1.1886) · p. 27

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 2 (14.1.1886)
Article
Deutschland
Date
1886-01-14
Page
27 (sequence 2)
Language
German
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übertragen wollen. Er Hube nicht beide Personen mit einander verglichen — das wäre ja strofloö gewesen — sondern er habe sic beide ans dieselbe Stuse gestellt. -l>- Posen, 3. Januar. Der ״Posencr Zeitung״ wird ans Warschau geschrieben, daß offiziösen Angaben zufolge bis zum 27. November 1885 2-166 aus Preußen auSgcwicscne Personen in den polnischen Gouvernements eingetroffcu. Hiervon sind 2316 Perso neu christlicher, 15 0 jüdischer Religion. r. Ans Westfalen, Januar. Gott schütze uns vor unseren Feinden im eigenen Busen! Wären diese nicht vorhanden, so würden unsere äußern Feinde nicht so manchen Anlaß finden, uns und unsere Religion anzugrcifen. Briman hat Rohling,׳ May hat Stöcker die allerdings stumpfen Waffen geschmiedet, aber immerhin Waffen, um uns zu verwunden. Ein Herr Hamburgcr in Lissa hat kürzlich den herostratischcn Versuch gemacht, die Synagoge in dem Kol-Nidre herabzuwürdigen, und ein jüdisches Organ hat seine Spalten den Auslassungen dieses Herrn nicht verschlossen. Ist eS da ein Wunder, daß der ״Westsalische Merkur" davon Notiz nimmt und Folgendes schreibt: ״Nachdem. Vorgang der jüdischen Gemeinde in Magdeburg haben mehrere Gemeinden in Nord- und Mitteldeutschland schon seit zehn Jahren eine Forur des Kol-Nidre-GebetS, daS alljährlich zu Beginn des abendlichen GottesdicnstcS des BcrsöhnungstageS gebetet wird, cingcführt, die statt der dreimaligen Wiederholung desselben Teiles jedeSmal einen anderen Text (Pflichten gegen Gott, gegen die Nebenmenschcn und gegen sich selbst) unterlegt. Auch I. Hamburger aus Lissa schlug vor einiger Zeit in der ״Allg. Zeitung des Jndenthnms" eine vcränderte Formel vor, mit der Begründung: In krassem Aberglauben lvurzelt die Verehrung, die dem Gebete zu Theil wird. Wer vor seinem ethischen Gesühl nicht erröthet und sein sprachliches nicht beleidigen lassen will; wer die jüdische Wissenschaft fernerhin nicht auf den Kopf gestellt sehen und die staatliche Gesetzgebung nicht wider die Judcnhcit heranöfordern will, der, ich bitte, komme her und thne, so er nichts Besseres weiß, wie hier geschehen." Wir haben die ״Allg. Ztg. d. JdthS." nicht gelesen und möchten gern vernehmen, daß diese Angabe dcS ״Wstsül. Merkur" ans eilten Jrrthum bcruht. ES wäre in der That zu schrecklich, wenn dieses nicht der Fall sein sollte. Oesterreich-U n.garn. * Wien, 6. Januar. Bor einem Erkcnntniß- Senate, dem LaudgcrichtSrath v. Harkenfeld präsidirte, stand heute der 16jährigc Ge1vcrbcschülerMichael Schapira unter der Anklage wegen schwerer körperlicher Verletzung. Der Beschuldigte besuchte die Gewerbeschule in der Piaristengasse Nr. 58. Am 9. November vorigen Jahres wurde er beim Verlassen der Schule von etwa zwölf bis füufzehn seiner Mitschüler umringt und mißhandelt. Schapira drohte, sein Messer zu ziehen, und als die Burschen von der Mißhandlung nicht abließcn und einer derselben rief: ״Der Jud' muß hin sein;" — versetzte Schapira seinem Mitschüler, dem Schuhutachcrlchrling Michael PawlowSky, einen Stich, wodurch derselbe eine an sich nicht schwere Verletzung erlitt, tvelche jedoch nach dem Gesetze als schwere aufzusasseu ist, weil sie mit einem tödtlichcn Werkzeuge beigebracht worden war. Schapira gab heute zur Rechtfertigung an, daß er schon längere Zeit hindurch von seinen Mitschülern gehänselt wurde, da er der einzige Jude in der.Klasse sei. — Der Angeklagte wird als ein sanftinütyiger Knabe geschildert. Der Gerichtshof sprach Schapira von dem Verbrechen der schweren körperlichen Verletzung frei und verurtheiltc ihn bloS wegen Ueberschreitung der Nothwehr (nach §. 31) zu einer cinwöcheutlichcn Arrcststrasc. (N. Fr. Pr.) AV. Klausen bürg, in! Januar. Die neue Matrikenordnnng ist, wie auch in dieser geschätzten Zeitschrift wiederholt hervorgchobeu, gar nicht ein so harmloses Ding. Sie kann unter Umständen von geschütter energischer Hand dazu benutzt werden, den ärgsten Gewissenszwang anSznüben. DaS haben wir in unseren! Bezirke dieser Tage gründlich kennen gelernt. Wir haben eine orthodoxe größere und eine neologe kleinere Gemeinde. Höherer Weisung zufolge ist nun merkwürdiger Weise dieser letzteren die Matrikenführnng übertragen worden. Welchen Gebrauch machte dieselbe von dieser Bevorzugung? Der Präses der neologeu Gemeinde beraumte auf den 27. Dezember im hiesigen Stadthanse eine Generalversammlung des Matrikenbezirks an, welche sehr zahlreich besucht war. Es befanden sich darunter u. A. auch etwa fünfhundert Mitglieder der orthodoxen Gemeinde, die ja zu der kleineren neologeu in Matrikcnangelegenheilen geschlagen war. Da überraschte der schlaue Herr Präses die Versanunlnng mit der Eröffnung, daß er einen neologen Rabbiner als Matrikcnfnhrer anstelleu werde, zu dessen Besoldung der gesammte Matrikenbczirk beitragen mußte! Darob cntstand begreiflicher Weise eine große Aufrcguug. Der jindige Präses der Neologeu, verr Fischer, ließ aber fast Niemanden zu Worte kommen und vcrweigerte sogar die Abstimmung über diese Sache. Also auf diesem ganz neuen Wege schafft sich eine kleine neologe Gesellschaft einen wohlbestallten Rabbiner ihrer Farbe ans Kosten der Orthodoxen! Man wird natürlich gegen solches Gebühren protcstiren, aber cs dürfte doch wohl nicht zu den Unmöglichkeiten gehören, daß Herr Fischer Recht bekommt nnd die Orthodoxen einen neologen Rabbiner für die Neologen besolden müssen. פ Krakau. Es gilt ans der Hut zu sein, auf

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