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Jeschurun · 1886-01-14 · Heft 2 (14.1.1886) · p. 25

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 2 (14.1.1886)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1886-01-14
Page
25 (sequence 1)
Language
German
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M*. Jeschurrm. 25 Korrcspondcuzc!! und NuchriGeu. Deuts chland. Hannover, 12. Januar. Das Gedächtnis; MoscS Mendelssohns ist in allen Theilen Deutschlands und Oesterreichs seitens der jüdischen Gemeinden scftlich begangen worden. ES liegen uns zahlreiche Berichte darüber vor, sür deren Veröffentlichung cS uns aber an Raum gebricht. Auch die hiesige Gemeinde feierte am vergangenen Sabbath das Andenken des großen, unvergeßlichen Mannes in der Synagoge. Die hiesige Bildungsanstalt für jüdische Lehrer wählte dafür den 5. Schewat und veranstaltete im Beisein des Herrn Provinzial-Schulrath Spieker, der Borstchcr der Gemeinde und anderer geladener Gäste eine sehr würdige Feier, welche namentlich durch die ausgezeichnete Rede des Herrn Scminardirektor Di׳, Krön er einen sehr weihevollen bleibenden Eindruck auf die Anwesenden auöübte. C. Berlin, 7 Januar. Das ״Beil. Tgbl." veröffentlicht aus dem Jahrgänge 1786 der bekannten von Gcdikc und Biester herauSgegcbeneu Monatsschrift, welche das ganze damalige gelehrte Berlin zu ihren Mitarbeiten zählte, ein interessantes ״Schreiben des Königlich preußischen Generals von Schölten an den jüdischen Kaufmann D. F. über MoseS Mendelssohn," das für die Werthschätzung, welche damals die beste Gesellschaft dem jüdischen Weisen cntgegenbrachte, bezeichnend ist: ״Der unersetzliche Verlust, den die Menschheit, die Wissenschaften, besonders die spekulative Philo-- sophie, und die Moral, den Ihre Nation, den Berlin, den seine Freunde erlitten haben, durchdrang mich dermaßen, daß meine sonst schwer zu erschütternde GemüthSruhe der Betrübnis; und den Thrüncn Platz machen mußte Ein durchreisender jüdischer Kaufmann L. M., den ich nicht kenne, der aber vcrmuthlich meine Freundschaft für unfern unsterblichen Weisen kannte, war Ihnen einige Tage zuvor gekommen, und hatte mir schon von dem schönen Aussatze: Mendelssohn an die Freunde Lessings, der die unglückliche Veranlassung seines Todes gewesen ist, ein Geschenk gemacht. (Wie freu' ich mich, daß guter Geschmack, Aufklärung, und Vcftur in Ihrer Ration sichtbar höher steigen!) Ohne dies hätte Herr L. M. seine Tasche vielleicht voll Wechselbricsc aber schwerlich voll McndelSsohli'scher Gedanken gehabt. Man erblickt in ׳seiner Schrift überall die rührendsten Spuren eines geheimen, aber bescheidenen Unwillens, der in seinem Charakter einen neuen liebcnSwürdigen Zug ausmacht: — sich, wider seinen Willen, seines LessingS halber in einen solchen philosophischen Prozeß verwickelt zu. sehen. — Ich sende Ihnen hier nach Ihrem Verlangen einige Briese unseres verewigten Freundes, doch mit dem Vorbehalt dcrZurückgabe derselben׳ Von einem so vortrefflichen Manne ist jede Zeile eine achtungswürdige Reliquie. Mendelssohns Zeit und Ruhe warer mir zu wcrth, als daß ich ihm ans Eigennutz öfter hätte schreiben sollen. Er gehörte mehr der Welt als seinen Freunden. Kennen sie mich denn so wenig, daß Sic besorgen, cS möchte mir nicht angenehm sein, wenn in Mendelssohns Lebensbeschreibung auch mein Name vorkäme'? O sagen Sie eS der ganzen Welt nnverholen, daß ich ihn geliebt und verehrt habe! Ich habe in dem Laufe meines langen Lebens alle Gelegenheit ausgesucht, große Männer kennen zu lernen; ich habe, zur Ehre unseres Jahrhunderts, sehr viele gefnnden, die dieses Namens werth waren; unter ihnen aber nur einen Mendelssohn. Einem rechtschasfcnen Mann müssen Weisheit und Tugend in der Hütte eben so ehrwürdig ats in Pallästcn sein. Wenn Sokrates unter uns lebte, wer würde es sich nicht zur Ehre schätzen, den Weisen zum Freunde zu haben? War Sokrates denn mehr als Mendelssohn?" So urtheilte in den! Zeitalter Friedrichs des Großes ein Mann des WaffenhandwcrkS, ein ruhmgekrönter Heerführer, über den bescheidenen jüdischen Gelehrten, so urtheilte er frei und offen vor alle Welt. — Dasselbe Blatt verösfent« licht unter andern in einer, in der bekannten Buch- Handlung von ״Friedrich Nicolai auf der Stechbahn" erschienenen ״Anzeige der in Berlin wohnenden Personen" befindlichen Notizen die folgende: ״Herr Moses Mendelssohn. Er ist wegen seiner philosophischen Schriften berühmt. Er wohnt in der Spaudowischen Straße ohnwcit dem güldenen Stern." C. Berlin? 9. Januar. Im Monat November fanden hier 1136 Eheschließungen statt, darunter 30 jüdische. Zwei Ehen wurden von dem StandeSamte zwischen evangelischen Männern und jüdischen Frauen und drei zwischen jüdischen Männern und evangelischen Frauen geschlossen. — Simon May hatte sich vor der 4. Strafkammer des hiesigen Landgerichts I zu vcrant- Worten. Das ״Bert. Tgcbl." berichtet darüber also: Es handelte sich wieder einmal um jenen Vortrag des philadelphischen Gelehrten, in welchem eine Anzahl hochachtbarer Juden in frivolster Weise angegriffen wurden. Zu den Verleumdeten gehört auch, der hiesige Rechtsanwall JonaS, von dem ״D1°." May behauptete, er hätte bewußt Wucherer in Wncherprozessen vor Gericht vertreten. Auf den Antrag des Beleidigten hat die Staatsanwaltschaft vssiziell die Anklage erhoben. May trat nun den Wahrheitsbeweis an und suchte die Sache zu drehen, als ob er in seinem Vortrage nur gesagt hätte, Rechtsanwalt JonaS habe seiner Zeit als Generalsubstitut dcS JustizrathS Makower einen notorischen Wucherer, Herrn Viktor Dank, in Wncherprozessen vertreten. Der Beweis ist ihm aber vollständig mißlungen.

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