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Jeschurun · 1886-01-14 · Heft 2 (14.1.1886) · p. 18

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 2 (14.1.1886)
Article
Die Konsequenzen der Reform
Date
1886-01-14
Page
18 (sequence 2)
Language
German
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als nicht mehr zum Jndenthuin gehörig zu den Rantcitcli einer glücklich überwundenen Zeit wirft. Da liegt uns ein in der ״N. I. P. Ztg." enthaltenes Schreiben vor, welches Herr Sterenyi, der Neformator in Ungarn, an den Unrcrrichtsministcr, Herrn von Trcfort, gerichtet hat. Sterenyi hat einen neuen Katechismus geschaffen, welcher die Religion der Reform in knapper Fassung zum Ausdruck bringt. Er hat ferner ein Statut für die Genossenschaft der 'Reform entworfen und hierfür die staatliche Anerkennung nachgesucht. Diese wurde ihin mit Berufung auf die von dem Minister cingefordcrten Gutachten des Professoren- Kollegiums des PcsterRabbinerseminars, der israelitischen Landcskanzlci und des Pestcr GcmeindevorstandcS nicht ertheilt, resp. cs wurde der Magistrat von Budapest angewiesen. -Herrn Sterenyi die Konstiluirung einer Gemeinde auf Grund seines Statuts nicht früher zu ertheilen, bis daß er die Gutachten der genannten Korporationen durchaus entkräftet habe. .Herr Sterenyi wendet sich nun gegen diese ministerielle Verfügung und gegen die Bedenken dieser drei reform-jüdischen Autoritäten. Er beruft sich darauf, daß die gleichen Bedenken von dieser Seite auch seinerzeit gegen die Konstituirnng der autonomen orthodoxen Gemeinde in Budapest, allerdings ohne Erfolg, geltend gemacht wurden. Er bestreitet die Autorität der Seminarlehrcr. Er spricht sich darüber also ans: ״Diese Herren werden mir als Autoritäten der jüdischen Theologie entgegcngestellt, welche die neue Reformgemeinde vom Standpunkte der jüdischen Religion zu bekämpfen suchen. Nun, meine Autoritäten sind diese ehrwürdigen -Herren nicht; sic werden auch von der vaterländischen Judeuhcit nicht als solche anerkannt, obgleich sie vom Kultusministerium vollgültige An-- stellungsdiplome in der Tasche haben. Diese Anstellungsdiplome sind bloß Anweisungen auf die Kasse des jüdisch-ungarischen SchuljoudS für gewisse Jahresgehälter; doch eine solche Zauberkraft besitzen diese Diplome nicht, um aus Individuen rabbinifche Antoritäten zu machen, die cs ohne diese offiziellen Aktenstücke entschieden nicht sindi — Und dann!vollen die -Herren eine 'Reformgemeinde vom Standpunkte der jüdischen Religion bekämpfen? Welche Verkehrtheit! Wissen die -Herren denn nicht, daß sie sammr dem Rabbinerseminar seitens der Orthodoxen, die doch die Majorität der jüdischen Bevölkerung im Vaterland bilden, ebenfalls vom Standpunkt der jüdischen Religion aufs Entschiedcnste verunheiit werden, als standen sie überhaupt nicht mehr auf dem Boden des wahren JndenthumS. Der selbst Berurtheilte sollte doch mindestens so viel Bescheidenheit besitzen, nicht einem Andern gegenüber mit heuchlcrisch-zwinkeuden Augen den strengen, frömmelnden Richter zu spielen. Und noch mehr! > Bisher hat das Seminar als Resultat seiner Thätigkeit nur einen Rabbiner aufznweisen, der durch seine Thätigkeit in Groß-Kanischa von der orthodoxen, oder auch nur konservativen Richtung der Anstalt, in der er herangebildet wurde und von welcher er seine rabbinischc Autorisation erhielt, ein gar trauriges Zeugniß liefert.-£>ic Abschaffung der Acschneidung wird mir zum Borwurf gemacht? Vom Standpunkt der Bibel will ich hierüber nicht streiten. Doch so viel steht fest, daß der ungarische Staat die Unterlassung der Vcschncidnng nicht als Abfall vom Jndeqthume betrachtet. Werden doch die Rabbiner genöthigt, auch nicht beschnittene Kinder in die Matriken ein׳- zutragen!-Es wird mir ferner zum Vorwurf gemacht, daß ich den Ruhetag vom Samstag auf den Sonntag verlegen will. Gewiß läßt sich auch dieses vom Standpunkt der Bibel nicht ganz rechtfertigen. Allein Ew. Exzellenz dürften wohl schon einige Mal an einem Samstage durch die Judengasse der -Hauptstadt einen Spaziergang gemacht haben. Waren nicht alle jüdischen Geschäftslokale eben so offen wie an einem Montag oder Dienstag? Dafür sind aber die meisten dieser jüdischen Geschäfte am Sonntag Nachmittag gesperrt. Ew. Exzellenz scheu also, daß die Pestcr Juden meine Neformbestinunungen im praktischen Leben bereits vollständig durchgeführt hatten, noch bevor ich meinen ״Katechismus" verfaßt habe. Ganz so verhält cs sich mit den jüdischen Speisegesetzen. Ich glaube nicht, daß Eiv. Exzellenz je eine christliche Restauration in der -Hauptstadt besucht haben, ohne die Wahrnehmung zu machen, daß ein großer Theil der Gäste aus Juden bestand. — Das, glaube ich, genügt vollkommen, um Ew. Exzellenz den Beweis zu erbringen, daß ein großer Theil der hauptstädtischen Juden, die meine Reform bekämpfen, praktisch längst nach eben diesen meinen Neformbestimmungen lebt. Die Einwendungen solcher Leute beruhen demnach nicht auf Uebcrzcugung und verdienen seitens E!v. Exzellenz keine Beachtung." So -Herr Sterenyi. Mau wird zugeben müssen, daß derselbe keineswegs halbverrückt ist, wie man ihn gern darstellen möchte. Wenigstens zeigt er in diesem Schreiben, daß er die Prinzipien der Reform gründlich in sich ausgenommen hat und nur die Konsequenzen zieht, welche seine Meister und Genossen ans Feigheit oder Opportunitätsgründcn nicht zu ziehen wagen. פרקי אבות. Uebcrsept und erläutert von Sumson Nophael Hirsch. " ׳' (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) An diese Unmittelbarkeit der Gottcsoffenbarung bei Erthcilung des Gesetzes werden wir durch den

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