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Jeschurun · 1886-01-07 · Heft 1 (7.1.1886) · p. 13

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Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 1 (7.1.1886)
Article
Rußland : Ssamara [Nachricht]
Date
1886-01-07
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Rußland. I א Ssamara, Tewcth. Es cxistirt ein Gesetz, welches fast der Vergessenheit anheimgi satten ist, dahin gehend, daß den jüdischen Handwerkern cs untersagt ist, andere als sclbstgefertigtc Erzeugnisse zu verkaufen. Wie gesagt, kein Mensch denkt an diese veraltete Satzung. Aber cs ist nun einmal so, daß keine Verordnung ansdrürklich aufgehoben wird. Wenn cs also gefällt, daun beruft man sich auf irgend eine derartige Verordnung und hat eine bequeme Handhabe, arglrse Menschen zn quälen. Warum sollte man nicht auch jenes alte Gesetz dazu benutzen? Ein Uhrmacher, jüdischen Bekenntnisses, mit Namen Gnsikow, war des schweren Verbrechens angeklagt, auch von Grund ans nicht selbst verfertigte Uhren verkauft zu haben. Nun weiß Jedermann, daß durch die fortgeschrittene Kunst und Industrie gerade in dem Uhrmachcrgewerbe cs wohl keinen einzigen Uhrmacher der Welt giebt, welcher lediglich Uhren verkauft, deren Werk und Gehäuse in allen Thcileu ausschließlich von ihm selbst ans dem rohen Material hergestellt sind. Das weiß man auch hier sehr wohl, aber das schadet nichts; auch weiß man sehr wohl, daß der Uhrmacher, den! man solches zumuthet, einfach sein Gewerbe ausgeben muß, aber auch das schadet nichts. Das alte Gesetz ist noch anfznsindcn, also wird der jüdische Uhrmacher verurtheilt und ihm dieses Gesetz, welches nur den Juden gilt, eindringlich cingeschärft. Was sott nun der Mann machen? Ja, das kümmert keinen Menschen. Wenn der Jude nichts zn leben hat, weil nian ihm die Nahrnngsqnclle verstopft, so kann er ja mit Weib und Kind verhungern. Das schadet nichts! Wilna. Es verdient das Beispiel des da- Hingeschiedenen Rabbiners Mattis Straschnn zur Nachahmung empsohlcn zn werden, der das Vermächtnis; für ewige Zeiten gemacht, daß seine werlbvottc Viblioihck dauernd in Benutzung bleibe und 10 Talmudstudierende ständig in den Räumen des betreffenden Gebäudes zu lernen haben. Einer der Hauptgründe der Erhaltung der Thauroh in Rußland ist die Sorgfall, die man dort darauf verwendet, in jeder Stadt möglichst viele lokale Tag und Nacht zur öffentlichen Disposition zn stellen für einen jeden, der Thauroh lernen will. Die Talmudbeslißenen werden in diesen Lokalen auch ׳mit Nahrung versorgt und ihnen selbst ein Plätzchen für ihre Nachtruhe gegönnt, wahre Asyle für das Gesctzesstudium, vom denen man sagen kann .מה סובו אתליך יעקב משכנתיך ישראל N u m änie n. ... p. Bukarest, 23. Dezember. Einer der rumänischen Juden hat von Wien aus zwei offene Briefe an den Minister Bratianu gerichtet, in welchen er das nicht allem, gegen Humanität und Gerechtigkeit, sondern sogar gegen die Verfassung selbst verstoßende Vcrsahrcn der rumänischen Negierung, wie solches bcsonders von Seiten der Präfekten ansgeübt wird, schildert, und den Minister mahnt, diesem ein Ende zu machcu. Die Briese selbst enthalten säst nur Ihren Lesern Bc« kauutes. Ich unterlasse es daher, genauer den Inhalt derselben zu besprechen. Amerika. W. Newyork, 3. Dezember. Im Anschluß an eine meiner früheren Korrespondenzen über die Hoffinnige«, welche wir in Bezug auf die Erhaltung des wahren, unverfälschten Judcnthums in Amerika auf unsere eiugewandcrten russischen Glaubeusbrüder setzen, möchte ich das Folgende mitthcilcn. Abgesehen von Newyork, befindet sich bereits auch in Philadelphia eine recht ansehnliche sogenannte russisch-jüdische Gemeinde, welche seit Kurzem auch in den Besitz einer recht schönen Synagoge gelangt ist,׳ während schon vor fünf Jahren daselbst eine Chebra bestand, ans welcher die nunmehrige Gemeinde hervorgegangen ist. In St. Louis haben die unbemittelten russischen Inden eine Talmud- Thora-Freischule errichtet, welche durch monatliche Beiträge von 25—75 EcntS erhalten wird. Diejenigen Kinder, welche allzu arm sind, erhalten sogar die Unterrichtsntensilicn eventuell auch Kleidungsstücke gratis. An der Schule unterrichten zwei Lehrer. Es ist dies um so ancrkenncnSwerther, a!S, wie schon gesagt, die Gründer und Erhalter jener Schule sich leibst in nicht gerade glänzenden Verhältnissen befinden. — Das sind also unsere so viel verschrienen polnischen Brüder, die trotz all jenes Ungemachs, das über sic hereingebrochen, geistig nicht verkommen sind, sondern selbst unter den schwierigsten Verhällnisseii unsere Thora hochznhalten und in ungetrübter Frische aus Kinder und Kindeslinder zu vererben bestrebt sind. Möge der Allmächtige sie in diesem Vorsätze stärken und ihre materielle Lage in dem Maße bessern, als nach menschlichem Ermessen ihr Leben :nid Streben für die Ansrechtcrhaltung der Thora verdient. R Newyork, im Dezember. Um sich annährend eine Idee von der Zahl der jüdisch-russischen und rumänischen Einwanderer zu machen, mögen folgende Daten dienen. Im Verlauf der nenn Monate Januar —September in den Jahren 1883—1885 kamen ans Rumänien nach Newyork: 1883: 04, 1884: 07, 1885: 271 Personen (Inden und Christen). Es steht jedoch fest, daß eS meistens Inden sind, da bei der nichtjüdischen Bevölkerung NumänienS der AnSwandernngStrieb ätlßerst gering ist. — Ans Rußland kamen im Ganzen: 1883: 5328, 1884: 0000,

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