Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1886)
- Article
- Österreich-Ungarn : S. A. Ujhely [Nachricht]
- Date
- 1886-01-07
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
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NabbinatSstuhl ein nehmen. Möge er im Geiste seines verewigten Schwiegervaters eine gleich segensreiche Wirksamkeit entfalten. Holland. S. L. ׳Amsterdam, 30. Dezcmbcr. DaS ״Nieuw Amsterdam Allgemecn HandclSblad" schreibt: ״Unter den Israeliten, die in IWaroffo wohnen, herrscht eine große Gährung. Bor zwanzig Jahren hatte der Sultan ans persönlichem Drängen dcS seligen Sir MoseS Montesiorc den Inden, welche sich in Marokko angcsiedelt hatten, die Gunst verliehen, sich zu jeder Tagesstunde aus ihrem Gebiete von Maleka nach den: arabischen (vcbictc zn begeben, mit der Erlanbniß, ungehindert dort Handel zu treiben. Aber nun hat der Sultan in den ersten Tagen dieses Monats ein neues Dekret unterzeichnet, worin erwähnt wird, dag fortan alle Juden ihre Schuhe auSziehen und in der Hand tragen müssen. AIS erster Erfolg dieser Maßregel werden ganz sicher die Israeliten von den Mauren verhöhnt und verfolgt werden. Weiter ist bestimmt, daß die Juden, welche unter dem Schutze frcinder Mächte stehen, fortan europäische Kleidnng auziehen müssen; und auch dieses wird als eine Erniedrigung angesehen. Die vom Sultan anSgegangencn Beschlüsse bezeichnen eigentlich, daß den Israeliten in Marokko jeder offizielle Schutz genommen ist und deshalb sind sie in der Sicherheit ihres Lebens und ihres EigenthumcS aufs Aeußerstc gcjährdet, so daß cS ihnen unmöglich sein wird, Geschäfte zu machen. Am H. Dezember haben die marokkanischen Israeliten zu Mogodar eine große Versammlung gehalten, in welcher beschlossen wurde, allen gegenwärtigen Mächten in Marokko eine Bittschrift .zu schicken, welche das Gesuch enthielt, ihren Einfluß beim Sultan geltend zn machen, um ihn zn bewegen, das Dekret, welches sie so tief in ihrer Ehre gekränkt und in ihrem Ansehen sie sehr beuachtheiligt, zurückzunchmcn. Frankreich. *,,* Paris, 5. Januar. Der Vergleich ist bekannt, nach welchem jeder Mensch sich anS seinen! eigenen Mizrajim zn befreien streben muß, d. 1. anS den Fesseln des Materialismus, in - welchen ihn sein Zwingherr Pharao das heißt seine Sinnlichkeit, gefangen zn halten sucht. Wie nun aber das ganze GeistcSvolk der Juden anS dem Laude des Materialismus nur durch die Stärke der Hand des Ewigen befreit werden konnte, so führt das Jndenthmn auch jeden einzelnen seiner Bekenner erst durch die thätige Ausübung der Gebote des Ewigen, sodann durch fortwährende Erwähnung und Erlernung derselben schließlich zur Freiheit und zum Siege dcS Geistes. Dies sprechen auch die Thephillin ans, welche in ihren Pergamentabschnittcn den Auszug auS Mizrajim enthalten: ״Und cS sei zum Zeichen auf deiner Hand und zur Erwähnung (טטפת nach MenachemS Erklärung siche Naschi) zwischen deinen Augen, daß mit der Stärke der Hand uns der Ewige auS Mizrajim geführt. Die jüdische Parole ist נעשה ונשמע. Bor Allem Ausführung der Gesctzeövorschrift, dadurch sodann das Verstündniß derselben. Pharao wollte nach hartem Kampfe schließlich wohl die Männer auSziehen lassen, um dem Ewigen zu dienen, doch Moschch hatte verlangt: ״Mit unseren Jungen und unseren Alten wollen wir gehen, mit unseren Söhnen und unseren Töchtern, mit unseren Schafen und unseren Rindern wollen wir ziehen" (2. B. M. Kap. 10, U). Dieser VcrS erinnert nnS daran, wie die wackere Schaar der GesetzeStrenen in Paris dieselben Worte gesprochen, als sic eine Stätte zum Thora-Unterricht für Jung und Alt, für Söhne und Töchter gegründet und auch בצאננו ובבקרנו, die Schechita Institutionen mit den größten Opfern vorschriftsmäßig eingerichtet hatten. Es ist aber noch ein anderes Wort der heutigen Sidra, das an einem Moment der Geschichte des Pariser JudenthumS erinnert. Es heißt daselbst Kap. 10, 28, in welchem von der Finsterniß gesprochen: Sie sahen einander nicht, und erhoben sich nicht von der Stelle drei Tage, und die Kinder Israels hatten Licht in ihren Wohnungen. Als vor mehreren Jahren der berühmte Rabbi Jisrael Galanter ז״ל in Paris verweilte, da war cS sein Plan, zu dessen Durchführung er bereits Schritte gethan, durch Berufung eines großen Talmudisten, eines אוו '׳שואל, die Gründung einer Jeschiwoh in Paris zu ermöglichen und dadurch auch in den hiesigen jüdischen Häusern das wahre אוו, die Thora, und Liebe und Eifer zum Thorastndinm zu erwecken oder wenigstens neu zn beleben. Das ist ja in der Thal der große Segen der JeschiwauS, daß durch das גמילות הבו, das man an den Lernbeflissenen übt, von selbst auch durch den Verkehr mit ihnen und die günstige Gelegenheit das Lernen der Thanroh in den jüdischen Häusern heimisch wird. Möge der Wunsch dieses großen ManncS, dessen Ausführung ihm in Memel und vielen anderen Orten gelungen, auch für Paris in Erfüllung gehen und hier wie in allen קהלות קדושות das Wort sich erfüllen ולבל בני ישואל היה אוו במושבתם. England. § London, l. Januar. Vor Kurzem ist hier, um dem Nothstande besonders der auö Rußland eingewanderten armen Inden einigermaßen abznhelscn, eine große Speiseanstait eröffnet worden. Besonders״! verdient um das JnSlebentreten dieses wohlthätigcn! Instituts haben sich die Herren Henry Montague und! Di׳. Hermann Adler gemacht, welche auch bei der Erösf- > uung desselben zugegen waren.