Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1886)
- Article
- Deutschland : Dessau [Nachricht]
- Date
- 1886-01-07
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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11 schmäht, bcu ihm Diejenigen reichen, welche in ihm einen Genossen erblicken möchten in der Verleugnung der unmittelbaren Göttlichkeit der mündlichen Ueberliefcruug und in der Auflehnung gegen die Anordnungen der Nabbinen. Oesterreich-Ungarn. * Wien, 1. Januar. Ueber den Antisemitismus iu Oesterreich schreibt der Korrespondent der ״Voss. Ztg.": Die Erscheinungen treten immer unzweideutiger zu Tage, daß im ״Deutschen Klub" , unseres Abgeordnetenhauses die antisemitischen Elemente Oberwasser haben. Neue-׳ stens hat auch der deutschliberalc Tiroler Augercr in seinem Blatte die Bekämpfung des JudeulhumS als eine Hauptaufgabe der Deutschuatioualeu hiugestellt, und so gewinnt der Programmpnukt des Deutschen Klubs- ״Bekämpfung der Korruption aus allen Gebieten" eine ganz andere Bedeutung, als man ihm ursprünglich beilegen wollte. Der Deutsche Klub meinte das Juden-׳ thum und nannte die ״Korruption". Man erzählt, daß die Majorität — und noch dazu eine sehr bedeutende —- zum Antisemitismus hinneigt, was sich iu den Klubsitznngen evident herausstellte. Nun, daun trennt den ״Deutschen Klub" nur eine sehr dünne Scheidewand von Herrn Schönerer. Die Programme würden sich vollkommen decken, nur bezüglich der oppositionellen Taktik bestände noch ein Unterschied. Schönerer will die Deutschen zu Schmerzenskindern machen, während der ״Deutsche Klub" vorerst nur die nationale Nothwehr gegen das Slaventhum mit den eigenen Kräften versucht. Sollten die Dinge im ..Deutschen Klub" so weiter gedeihen, so ist eine Spaltung desselben zum Schaden der ganzen Opposition unzweifelhaft zu besorgen. Ob sich -der abgelöste kleinere Brnchtheil dem ״Deutsch österreichischen Klub" anschließen würde, ist fraglich,- weil gerade jene Abgeordneten, wie z. B. die schlesischen, die nicht antisemitisch sind, von ihren Wählern gezwungen wurden, dem ״Deutschen Klub" beizntrelen. An diesen Aufleuchten des Antisemitismus hat der Deutsche Schnlverein einen wesentlichen Theil der Schuld, weil sein ZentralauSschuß und seine 1111׳ zähligen Ortsgruppen die Bewegung duldeten. Die Judenfeinde wurden in den Ausschuß gewählt, die Inden ivurden verdrängt und trotz ihrer finanziellen Opfer- Willigkeit übel behandelt. Zwischen dem Schnlverein und der deutschnationalen Bewegung herrscht aber ein inniger Zusammenhang, und beider Entstehen fällt in dieselbe Epoche. In Ungarn ist der Antisemitismus bereits ziemlich überwunden, und die Führer der Bewegung. die sogar blutige Blüthen aufwicS. wagen sich nicht mehr an die Oberfläche. Be! uns geht. das Alles schwerfälliger; wir sind nicht so leicht entzündlich, dafür sind wir auch schwerer zur Raison zu bringen. יןף,: Pest, *30. Dezember. In Bezug auf jene lächerliche Sterenh'sche Neformgemeinde, von welcher auch in diesen Blättern seiner Zeit berichtet worden ist, hat das Kultusministerium vorgestern den Hauptstädtischen Magistrat verständigt, daß, nachdem sowohl die Kongreßkanzlei als auch das Rabbiner-Seminar gegen die Organisation und den jüdischen Charakter derselben Einwendungen erhoben, deren Statut nicht eher genehmigt werden könne, bis daß der Borstand der erwähnten Gemeinde alle diese Einwendungen widerlegt haben wird.-Vorgestern wurde der griechischorthodoxe Geistliche Stefan Achim, welcher an! l 4-Januar 1884 auf dem Jahrmärkte zu Tilemed (Siebenbürgen) das Volt gegen die Juden und Ungarn aufhetzte, indem er beide als Heiden bezcichnete, von der königlichen Tafel in zweiter Instanz zu zwei Monaten Gefängnis; und!00 Gulden Geldstrafe verurtheilt. *||* Pest, 30. Dezember. Vorgestern hielt der BerwaltungSauSschttß des Pestcr KomitatS eine außerordentliche Sitzung iu Angelegenheit der jüdischen Matrikeuführuug, au welcher auch der Bruder des Ministerprässdenten, Gras Ludwig TiSza, theiluahm. Es wurden mehrere seitens der jüdischen Gemeinden des Pester KomitatS namhaft gemachte Matrikenführer beanstandet. Aber noch mehr wurde die ״sehlerhaste Eintheilnng der Matrikenbezirke" energisch bekämpft. In dieser Angelegenheit wird demnächst der Ausschuß deS Ministeriums eine ״Repräsentation" unterbreiten.!8. S. 21. Ujhely, 27. Dezember. Einer der ältesten, bedeutendsten und würdigsten Rabbiner Ungarns hat zu leben, oder eigentlich zu lernen und zu lehren aufgchört. Am SabbathanSgaug פ' ויחי hat der fromme, gelehrte und tugendhafte Greis Rabbi Joel Ungar לע, Rabbiner zu Paks seine hieniedigc Laufbahn beschlossen. Wahrlich, von ihm kann man buchstäblich sagen לא כהתה עינו ולא גס לחה. Geistig frisch und körperlich rüstig waltete er bis zu seinem Ende im hohen Aller von fünfundachtzig Jahren noch seines RabbiuatS. Füufundvicrzig Jahre lang bekleidete er diese Würde in der ehrwürdigen Gemeinde Paks. Trotz seines eifrigen Studiums bediente er sich keines Angen- .glascS. — Sein ganzes Leben war der תורה עבודה ולה gewidmet, unausgesetzt lehrte er בהורים sowohl wie בעלי בתים. Trotz der hohen Charakter- und Geisteseigenschafteu, trotz deS Ansehens, daö er überall genoß, war er die Bescheidenheit selbst. Zn seinem Leichenbegängnissc waren viele Rabbiner und Gemeinde- Vertretungen nach Pots gekommen. Dasselbe legte Zeugniß von der hohen Achtung ab, in welcher der Verblichene stand. Nicht weniger als sechs Rabbiner sprachen tief ergriffen an seiner Bahre. Wie man hört, wird an seine Stelle sein Schwiegersohn, Rabbiner S. Soser, Verfasser des ילקום אליעזר, den Pakser