Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1886)
- Article
- Deutschland : Würzburg [Nachricht]
- Date
- 1886-01-07
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 bcrfl, nicht mehr zu den Lebenden. Mitten in den besten Wirlmigsjahren, der Verblichene zählt erst Jahre, wurde derselbe nach dreijährigem Leiden vom himmlischcn Allvater abbcrnfen. Er cntslninmte einer schlich׳ Ich «nb acht jüdischen Landfamilic a!1S Antenhanscn;Bayern). Schon frühzeitig hielten ihn seine frommen Eltern zu allen Guten an. Zeinen ersten Unterricht erhielt er von dem hochgeschätzten seligen Rabbiner I. M. Schüler 7צל zu Aiitcnhanscn, bei welchem er sich so weit ansbildcte, daß er später mit gutem Erfolge an den Vorträgen deo allbekannten Rabbiners Di׳. Fcuchlwang לי, damals in Dettingen, jetzt in NickolSbürg, thcilnehmen konnte. Nachdem er mehrere Jahre den Worten dieses geistreichen Gelehrten, sowohl in תה" ק als in den profanen Wissenschaften gelauscht, bezog er die hiesige Universität, zugleich widmete er sich fast ausschließlich dem Thöraslndinm, indem er mit großem gleiße die Schinrvorträgc des seligen Rabbiners S. B. Barnberger זצל besuchte. Ausgerüstet mit solchen Kenntnissen, übernahm er vor 27 Jahren die erste Lehrcrstclle an der vom Rabbiner E. Ottensosscr 7צל gegründeten Talmud-Thoraschnle za Höchberg. Später wurde diese zu einer Präparanbenschnle nmgewandelt, die in der Regel die meisten und besseren Schüler zur hiesigen Lehrerbildungs-Anstalt vorbereitete. Erst jetzt entwickelte der Verblichene seine volle Thätigkeit. WaS rmd wie er da gewirkt, ist allgemein bekannt. Seinen Schülern war er stets ein leuchtendes und musterhaftes Beispiel in der Pflichterfüllung sowohl als in seinem nnermüdeten Flciße. Sein Familienleben war ein sehr glückliches. Sein« Gattin, eine wahre אשת חיל, stand ihm ralheud und stützend zur Seite: er hatte das seltene Glück, seine zwei Söhne und drei Töchter in Gottesfurcht und wahrer Frömmigkeit aus׳ wachsen zu scheu. Mögen sic Trost finden in seinem Wirken und seinen Werken, in dcuen er ewig fori leben wird. Möge vor allem die Anstalt in seinem Geiste weiter fortgeführt und ihm darin daS herrlichste Andenken gestiftet werden. Dessen,!. Januar. Eine eigene Feier leitete den MendelssohnS-Tag ein. .als welcher der l. Januar, der Sterbetag nach bürgerlichem Kalender, auSersehcn war. In der Astanischcn Straße steht ein kleines Hans, in dessen Hinteren Anbau MoseS Mendelssohn geboren lvurdc. Das Vordergebäudc dient jetzt den Zwecken der MendelSsohnSstistung, zur Wohnung für ältere bcdürftige Gelehrte. Man hatte dieses Haus mit Blumengewindc geschmückt; eine große Menschenmenge hatte sich vor denselben znsamniengeschaart; die vereinigten Gesangvereine Dessaus brachten an der GebnrtSslätte Mendelssohns seinem Andenken ihre Huldigung, und man darf wohl sagen die Huldigung der Stadt Dessau dar. Darauf festlicher Gottesdienst in der Synagoge, welchem der Herzog und dessen erlauchte Gemahlin, Prinz und Prinzessin Friedrich, die Minister, eine glänzende Suite des Hofstaats, der Oberbürgermeister und viele Mitglieder des StadtregicmcntS, sowie zahlreiche Fremde anwohnten.. Herr Rabbiner Df. Weiße hielt die Festrede. Der Theaterchor und die Hofkapelle führten den musikalischen Theil der Feier aus, welche sich des Beifalls der hohen und höchsten Herrschaften zu erfreuen hatte. An der Spitze des Festkomitees stand der Oberbürgermeister Herr Df. Funk. So war dieselbe der Ausdruck der Werthschätznng, welchen Stadt und Land, Fürst und Bürger einem der edelsten Männer welche Dessau entstainmien, noch nach hundert Jahren entgegenbringen. Und dieser Mann ist ein Jude und war ein gedrückter und der natürlichsten Menschen- und Bürgerrechte entkleideter Jude gleich seinen Glaubensgenossen damaliger Zeit. Diese dent Genius unseres Moses Mendelssohn dargeboteuc Huldigung des Landes und seines Fürsten, an welcher das gcsammte Denschtaub in seinen ebclsten Geistern theilnahm, wäre.;n jeder Zeit sie selbst und uns, die Stammes- und GlanbenSgenossen Mendelssohns, ehrend; sie gewinnt aber noch eine höhere Bedeutung und einen größern Werth grade in unseren Tagen, in welchen die Hydra dcS finstern, aberwitzigen Judenhasses, die Feindschaft gegen Juden und Judenthnm leider weite Kreise umgarnt. Der (Genius Mendelssohns schaut heute anS lichter Höhe segnend ans die Stätte semer Geburt, ans Deutschland und ans seine jüdischen Brüder herab und spricht vor dein Thron des Allmächtigen den Dank anS, daß es ihm vergönnt gewesen, nicht umsonst ans Erden gewirkt zu haben, daß die frohe Zuversicht, welche ihn in seinem irdischen Wandel trotz aller Zurücksetzung und Bedrückung erfüllte, doch kein trügerischer Wahn gewesen, daß die Wahrheit und das Recht sicher, wenn auch langsam,;um Siege gelangen werde. Und das gewährt ihm auch sicherlich Trost in dem Schmerze, der ihn ob der traurigen Wahrnehmung erfüllt, daß daS Judenthnm in den Erben seines RamrnS keinen Träger mehr ans Erden findet, und daß Diejenigen, welche sich seine Schüler und Erben seines Geistes nennen, weder seilte Lehren verstehen noch in seinem Geiste wandeln — lind er Verwahrung einlegen muß gegen die ihn! von ihnen snpponirte Urheberschaft von Bestrebungen, nnlche die Grnnbwahrheiten des Indenthums 1111b die Unantastbarkeit und nimmer zu abrogircndc Verpslichtling ans daS ganze tradirte jüdische Gesetz;11111 offenen oder versteckten Ziele haben. Mendclssohn lebte als treuer Sohn deü jüdischen Gesetzes; er wäre in unseren Tagen gegen die Verirrung seiner Brüder, welche eine Reform dcS JubcnthumS anstreben, unentwegt ausgetreten und hätte den Lorber ver-