Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1886)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1886-01-07
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jeschururr. Ml. 9 Korrespoildclizen und Nachrichten. Deutschland. 0. Berlin W. Dezember. Wie die ״Germania" auS angeblich zuverlässiger Quelle erfährt, hat sich am zweiten Weihnachtsfciertage durch den Pastor Schwarz in der hiesigen Simeonskirche der Redakteur Simon May taufen lassen.— Wie in gewissen Kreisen auf alle Vorgänge in jüdischen Kreisen geachtet wird und in welchem Sinne dieselben aufgefnßt werden, davon zeugt die hier folgende Notiz der ״Post", welche sich anS London folgcuderweise berichten läßt: ״Seit einigen Monaten spielt sich eine Art häuslichen Zwistes ab zwischen den englischen nnd deutschen Juden, von dem bisher noch nichts an die Qcsfentlichkeit gedrungen, der aber in mancher Richtung sehr interessant und charakteristisch ist. Ein gewisser Antagonismus besteht unter den Juden in England schon ans dem Grunde, weil die englischen Juden meist konservativ, die deutschen aber liberal sind. Dieser Gegensatz trat deutlich hervor, als in Whitechapel den! radikalen Samuel Montagn der konservative Kolonel Cowen als Parlamentskandidat entgegengestellt wurde. Montagn, ein wegen seiner großen Munisizcuz weit bekannter Philantrop, siegte mit Hülfe der deutschen Juden über seinen Gegner. Aber ans dem Gebiete des NcligionSkultnS erhoben sich auch Differenzen. Die deutschen Juden hatten für ihren Gottesdienst in New Broad Street, City, eine Synagoge von der Citykorporation in Pacht, wurden aber durch exorbitante Miethssteigcruug daraus vertrieben und beschlossen, sich eine eigene Synagoge zubatlcu. Unter Leitung des Präsidenten, Herrn Berliner, crössueten die deutschen Juden eine Subskription für den neuen Tcmpclbau und sandten die Liste auch an Lord Nathaniel Rothschild mit der gleichzeitigen Bitte, derselbe wolle die Zeremonie der Ccksteinlegung voll׳ ziehen. Lord Rothschild aber verweigerte jeden Beitrag und inotivirte die Weigerung schriftlich damit, daß er keine deutschen oder englischen Inden anerkenne Jude sei Jude, und die delitscheu möchten demgemäß in die reichlich vorhandenen englischen Synagogen gehen. Diele Ausfassung Rothschilds' hat begreiflich Erstaunen nnd Entrüstung erregt, zumal jetzt alle englischen Inden sich von der Subskription auslchlossen. Aber die deutschen Juden haben trotz Rothschild sich eine prächtige Synagoge am Spitals-Sguare gebaut, und wird dieselbe am 17. Januar kommenden Jahres eröffnet und der Eckstein von Samuel Montagn, M. P., gesetzt werden. Die Einweihung vollzieht der Rabbiner Or. Adler, ein Zeichen, welches von den deutschen Inden in versöhnlichem Siune gedeutet wird. Erwähnt muß noch werden, daß auch Se. Majestät Kaiser Wilhelm um cineu Beitrag angegangen wurde, aber durch den Grafen Datzfeldt erklären ließ, daß er jede Vctheilignng ans prinzipiellen Gründen ablehnen müsse." Das Schönste aber ist, daß, wie wir hören, die eben geschilderten Differenzen lediglich in der Phantasie des Korrespondclitcn der ״Post" vorhanden sind. E. 8. Frankfurt, 28. Dezember. Gestern fand hier die Generalversammlung der Rcligionsgesellschaft statt, > welche sehr zahlreich besucht war nnd in welcher der Borstand über das mit Ende September abgelanfcnc Geschäftsjahr berichtete. Ans diesem Berichte erlauben wir uns Einiges mitzntbeilen. Es wurde koastatirt, daß alle Anstalten der Religionsgesellschaft: die Schule, Synagoge, Fleischhallen n. s. w. sich in erfreulicher Wirksamkeit und Prosperität befinden, und daß die erstere sich die Anerkennung als eine der besten Schulen Frankfurts erworben hat. Der zweite Theil des Bades ist fertig gestellt und mit dem ersten verbanden worden, so daß dasselbe nunmehr sechs Bassins nnd zwölf Badezctleu enthält, auch ist ein besonderes, für diesen Zweck geeignetes Bassin für טבילת בילים errichtet worden. Die Stiftnngssektion hat einen erheblichen Zuwachs durch das Hinzu treten der Gumpertz-Dänischen Stiftungen für Talmud- Thora, sowie zur Aussteuerung von Vränten mit je 33 000 Jk erhalten. Auch die Phil. Abr. Eohn'sche Stiftung ist durch Ausanniüung der Zinsen auf 33 00t.)J£ angewachscu. Durch die Borträge, welche in der Gumpertz-Dami'scheil Talmud-Thora-Stistnng gehalten und von Jüiiglingcn und Männern zahlreich besucht werden, sowie durch den stattgehabteu Ankauf der R. Tebele Bondi'schen Bibliothek ist zu einem בית הסדרש der Grund gelegt, der zur geeigneten Zeit ansgebaut werden wird. Zur Ausgleichung der steigenden Bedürfnisse der Schule werden die Preise der Synagogen- Plätze eine mäßige'Erhöhung vom nächsten NoschHaschana ab erfahren. Auch wurden in'der Generalversammlung die Ersatzwahlen für die statntengelnüß ans Vorstand und Ausschuß austretendeu Mitglieder vorgenommen. A. Memel, 3. Januar. Die Zahl der Jllden vor den letzten Ausweisungen betrug 1214; äugenbticklich ist dieselbe aus 400 herabgeschmolzeu.!4. Wür.zbttrct. Se. Majestät der König haben der von dein israelitischen Lchreroercinc für das Königreich Bayern mit dem Sitze in Wnrzbnng mit einem Kapitale von lO.uOo J{, begründeten Woyltyätigkcitsstistuug unter dem :Kamen ״Unterstütznngsstiftnng des israelitischen Lehrervcrcins für das .Königreich Bayern" die landesherrliche Bestätigung ertheilt. F. Wurzburg, 2־. Januar מ״ש. Leider habe ich heute wiederum von einem traurigen Falle zu berichten. Seit heule gehört der Ortsrabbiner und Leiter der Präparandcnschule, Herr Ehrenrcich $11_זצל Hoch-