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Jeschurun · 1886-01-07 · Heft 1 (7.1.1886) · p. 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
19 (1886)
Issue
Heft 1 (7.1.1886)
Article
Des Rabbi Jehuda Halevi Elegie an die Burg Zion
Date
1886-01-07
Page
7 (sequence 2)
Language
German
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7 Die über dein Elend in Thräncn zerfließen. ')i'od) aiifl der Gefangenschaft finstrer srlnft Zehnt sich ihr Herz nach dir hin; Und wenn sie vor Gott die Knie andächtig beugen. So neigt sich ihr Haupt nach deinen Thoren zu. O dreimal selige Barg! Kann Schinar und PathroS mit ihren stolzen Größen dir beikommen'? Soll ich jenes cntweihcte Orakel mit deinen Urim und Thumini vergleichen? Können sie gesalbte Häupter, Können sie Propheten, können sic Leviten, Können sie heilige Sänger anfweisen? — O die Reiche der Abgötterei sind wandelbar, Und werden im Rauche vergehen; Nur deine Herrlichkeit währt für und für: Denn der Herr hat dich zn seinem Aufenthalt erkoren. Heil dem Manne, der einst in deinen Mauern wird rasten! Heil dem Manne, der jetzt harret, Und dann dein Licht im Ausgange jauchzend erblickt! Dann bricht dein Morgen auch über ihn ans: Dann sichet er das Wohl, die Freude» der muntern Jünglinge, 1111b die deinen zugleich, daß du dich wieder verjüngst. Wand ein ngen. von Friedrich N»tt. (•J!a»l)&vud i'i’vl'oU'n.v ״Maina, was ist daS Frauen Em.anzipativn?" Es war ein kleines, rosiges, kaum sechsjähriges Mädchen, das diese Frage mit unvergleichlicher 'Naivität an eine schmächtige, etwas leidend anSsehendc Dame richtete. Der Gegensatz der Frage zu der kleinen Fragenden war jedoch ein so drolliger, daß er die Anwesenden zu unwillkürlicher Heiterkeit hinriß. ״Frauen Ehemann zieh Passion," lachte der Hans- Herr und warf einen neckenden Blick aus seine Gattin. Die schmächtige Dame erröthete leicht, und das Lächeln, dnS ihre Lippen umspielte, war sichtlich erzwangen. War sie sich doch wohl bewußt, daß nicht sie eS war, die die Lacher auf ihrer Seite hatte, daß cS dein kleinen Kreise nicht fremd war, daß die zuweilen recht ernsten Mißhclligkeiten in ihrer sonst glücklichcn Ehe sich um diese Frage drehten. ״Bella, Bella! wo willst Du hin?׳' Die Kleine hörte nicht, verließ vielmehr trotzigen Schrittes das Frühstückzimmer. ״Sie lachen mich ans," flüsterte sie verletzt, ״und Niemand giebt mir Antwort. 3ch werde aber auch gar nichts mehr fragen, nein gar nichts mehr. — Wenn ich nur schon allein lesen könnte, daß ich mir auf Alles selbst Antwort geben konnte, ach, daS wäre schön! — zu schön! — 'mal sehen, 'will mir 'mal recht viel Mühe geben, ob ich's denn tioch nicht kann." Sie griff nach einem Buche, daS aufgcschlagen am Fenster lag. ״Wie viel sind Deine Werke, o Herr! Du hast sie Alle mit Weisheit erschaffen, .was die Erde füllet ist Dein Eigenthum." Sie hatte langsam und einige Male stockend, doch ohne zn bnchstabircn, gelesen, und ihre Brust hob sich stolz, ihr blaues Auge strahlte. War eS doch zum ersten Male in ihrem Leben, daß sie ohne Anleitung ganz allein einen Satz gelesen. ״Damit ist Gott gemeint", flüsterte sie halblaut vor sich hin. ״Gott hat die Welt erschaffen und Papa und Mama auch, und die ganze Welt und alle Menschen und alle Thiere gehören Gott und die hohen Bäume lind die schöne Sonne auch. — Papa hat eö erst neulich gesagt, und jetzt habe ich eö ganz allein gelesen und habe cS auch verstanden. -- O, und sie meinen, ich wäre so dumm. Aber eS ist nicht wahr, ich bin nicht dumm, und ich will gescheidt werden, o, sehr gescheidt! — Ich kann ja nun ganz allein lesen, und nun werde ich ganz viel lesen, alle diese Bücher von Papa und alle Bücher von Mama auch, und dann werde ich ganz viel wissen und Alles verstehe», und werde so gescheidt sein wie Papa u׳.:d Mama zusammen, und kein Mensch .wird mich wieder auslachen. O, das wird schön sein!" Und in ihrem kindlichen Jubel schlug sie die Hände zusammen und hüpfte, sic befand sich in des Vaters Slndirzinnncr, die Bücherreihen entlang, und küßte die Vignetten der einzelnen Bücher, die ihr am Besten gefielen. ״O, ihr lieben, lieben Bücher, was für schöne Sachen werden in euch stehen von Gott und von den Thieren und von den Blumen und vielleicht auch von dem großen Wasser, über daS man fahren muß. wenn man zn Onkel Wilhelm will. -- O, ich werde Alles lesen — ich kann ja jetzt allein lesen.״ ״Wie viel sind Deine Werke, o Herr! Du hast sic Alle mit Weisheit geschaffen, was die Erde füllet, ist Dein Eigenthum." Hub nochmals und abermals laS sie den Satz, und Heller erglänzte ihr Auge, rascher und höher hob sich ihre Brust. — Aber cs war nicht mehr der Stolz allein, der den Busen ihr schwellte, eö war das reinste, daS heiligste Gefühl. Viel früher denken Kinder, viel tiefer empfinden sic, als man gewöhnlich annimmt. ״Gott," flüsterte die Kleine, ״Du hast die ganze Welt gemacht und Alles gehört Dir. — Und Du er-

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