Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 19 (1886)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1886)
- Article
- Pirqe avot
- Date
- 1886-01-07
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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immer jeden Zweifel ansschlicßt und nicht dem Glauben, sondern dem Wissen a11flcl)Ört. ״Siehe, ich komme zu dir," hatte Gott zn Moses gesagt (2. B. M. 4 9, 9) Sclbsterfahrnng beruhenden Thatsachc erlangte, die für in einer Verdichtung der Wolke, ״damit das Volt höre, wenn ich mit dir rede, und so werden sie auch dir für immer vertrauen." ״Ihr habt gesehen," heißt cd daselbst 20,!9., ״daß ich vom Himmel mit euch gesprochen." ״Diese Worte," heißt eS 5. B. M. 5, 19, ״sprach Gott zu eurer ganzen Versammlung ans dem Berge miS dem Feuer heraus, dem Gewölk und den Wolkcudüstcr u. s. w., da tratet ihr zn mir hin. alle Häupter eurer Stämme und eure AeOesten und sagtet: Siehe, es hat Gott unser Gott uns seine Herrlichkeit und seine Größe sehen lassen, und seine Stimme haben wir aus dem Feuer heraus gehört; heute l)flbcn wir gesehen, daß Gott mit dem Menschen sprach und er am Leben bliebe. Und nun, warum sollen wir sterben, daß uns dieses große Feuer verzehre, u. s. w. Tritt du hin und höre Alles, was Gott unser Gott ferner sagen n׳rd, und du sprich getreu zu uns Alles, was Gott unser Gott;1! dir sprechen wird, wir werden cs hören und vollbringen." ״Nur hüte dich für dich und hüte deine Seele sehr, daß du die Thatsachen nicht vergessest, die deine Augen gesehen, und daß sie nicht aus deinem Herzen weichen alle Tage deines Lebens, und bringe sie deinen Kindern zur Erkenutniß und deinen Kindeslindern: den Tag, da du vor Gott deinem Gotte slandcsL zu Chorcb, als Gott zu mir sagte: Versammle mir das Volk, ich will sic meine Worte hören lassen, daß sie lernen mich zn fürchten alle Tage, die sie ans Erden leben, und ihre Kinder also lehren (das. 4, 9)." ״Du bist durch Sehen zum Wissen gebracht w o rden הראה לדעת, daß Gott allein Gott i st, N ichtS s o n st außer i h in. Von: Himmel herab hat er dich seine Stimme hören lassen, um dich in das Band seiner Zucht zn nehmen u. s. w. (das. 4, 30.). (FoNsctzung folgt.) Die ititrliiuijf Äildintg Moses. Ein Essay von S. B. Nosenhaln. (׳.׳!achdruct verdotcii.)!.Fortsetzung.) Mit der Aufnahme des Moses in die königliche Familie, so behauptet Schiller, wurde er gleichzeitig ein Glied der Pricstcrkaste und cs wird angenommen, daß ihn die Priester in alle ihre Standesgcheimnisse und Mysterien eingcweiht haben. Um nun den Einfluß zu erkennen, den das in diesem Zeitraum Empfangene in den späteren Perioden des öffentlichen Wirkens ausgeübt, ergeht sich Schiller in die weitläufige Beschreibung der ägyptischen Mysterien. Hier vcrräth sich die Poeten- Phantasie am schrankenlosesten und für die objektive Wissenschaftlichkeit am verderblichsten. Die Betrachtung dieser Mysterien, welche, wie wir gesehen. Gödecke, gestützt auf die jüngsten Ergebnisse der Aegyptologie, für erträumte erklärt, führt Schiller zu keinem geringcren Schluß, als daß die Idee von der Gotteseinheit schon vor dem Auftreten des MoscS den ägyptischen Priestern bekannt gewesen und von ihnen gepflegt worden sei! Mit großer Positioität wird uns eine lange und breite Kontbination über die Absichten der ägyptischen Priester und eine psychologische Begründung ihres ganzen Verfahrens aufgetischt, und wenn wir fragen, auf was dieses schreiend grelle Paradoxon sich etwa stützen könne (Schiller gicbt hierüber nicht den leisesten Wink), so eröffnet sich lins die Perspektive und Sagen eines Mancto, eines Philo Judäus und — last 110t least — auch die schon erwähnte Abhandlung Neinholds. Wenn wir nns noch vergegenwärtigen, daß bis zu dem Zeitpunkte, wo Schiller ״die Sendung MoseS" geschrieben, die Aegyptologie noch keine eigenen, unmittelbar geschöpsten Resultate anfwciscn konnte, sondern ausschließlich auf den Märchendusel der Römer und Griechen angewiesen war; daß die Aegyptologie erst nach dem im Jahre!799 erfolgten Funde einer alten Granitplatte mit hieroglyphischcr, demolischer und griechischer Inschrift durch einen französischen Offizier, eine positive Grundlage erhalten und angefaugeu hat, ans dem Stadium hypothetischer Spielerei in das einer ernsten Wissenschaft überzngchcn; endlich, daß von der Aegypthologie als einer selbständigen Disziplin erst seit der Bereicherung derselben durch die geniale Geistesarbeit eines Champilliou le Eadet (!799 —1.832), eines Jppolito Roscllini, Richard LepsiuS, E. Brugsch. und in ncuesicr Zeit eines Ebers u. A. m. die Rede sein kann, so wird Staunen wahrlich das gemäßigteste Gefühl sein, welches der bestimmt affirmative Ton, den Schiller anschlägt, in uns erwecken muß. Mit dem Hinweis darauf, daß in den Werken der Heroen moderner Hystoriographie sich nicht die geringste Spur von dieser allzu kühnen Kombination findet, wäre füglich sie, wie auch alle Konsegncnzen, die Schiller davon zieht, ein für allemal abgethan. Wir wollen uns aber doch die Mühe nicht verdrießen lassen, zu den Einwürsen von Außen auch solche hinznzttsügcn, die ans dem Innern der Sache selbst fließen. Schiller erzählt, daß der Götzendienst den Priestern nur die Schale, der Schutzmantct für einen von ihnen gekannten und anerkannten, reinen Monotheismus gewesen. Aber der Geist, welcher in der ägyptischen,