Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1885)
- Article
- Rumänien [Nachricht]
- Date
- 1885-12-31
- Page
- 847 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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847 Presse folgende Nachricht zu übermitteln: ״Das leitende Blatt der Regierungspartei in Bukarest warnt energisch vor Fortsetzung jener Agitationen, welche die Lage der Judenschaft zum Gegenstände internationaler Verhand- Lungen machen wollen. Das Blatt betont, daß die Zunahme der israelitischen Bevölkerung der Stadt seit 1870 um 26,667 Seelen, gegenüber der Abnahme der rumänisch-orthodoxen Stadtbcvölkcrung um 30,338 Seelen der beste Gegenbeweis gegen die angebliche Bedrückung der rumänischen Juden sei." Die öffentlichen Organe druckten diese Nachricht ohne Bemerkung und Kommentar ab, und die rumänische Regierung hat ihren Zweck erreicht, die europäische Lescwclt glauben zu machen, als ob die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Rumänien rapid steigt, wahrscheinlich weil die Zustände so verlockend sind, daß die Juden der Nachbar- Länder, in Rußland, Oesterreich und im Orient ihre Heimath verlassen, um nach dem gelobten Lande Rumänien stromweise einzuwandern. Nun muß man die traurigen Zustände, welche die Negierungskunst des jetzigen liberalen Ministeriums der eingesessenen jüdischen Bevölkerung bereitet hat, den erfindungsreichen Scharf׳- sinn, der angcwendet wird, um die Juden Rumäniens in ihrer Freiheit und in ihren Menschenrechten zu kränken und zu unterdrücken, ihnen ihr schwer erworbenes Hab und Gut zu rauben und sic als Bettler zum Lande hinauszudrängen — mau muß diese teuflischen Negierungsstücke, welche au Raffinement der Unterdrückung und Grausamkeit alle mittelalterlichen Ucbungeu übertreffen, kennen und genau beobachtet haben, um oie naurige Komödie zu würdigen, welche die rumünischen Regierungsmänner Europa Vorspielen! Jawohl, die israelitische Stadtbcvölkcrung'in Rumänien hat seit 1870 um 28,667 Seelen zugcnommcn! Das ist wahr! Wie aber das gekommen ist, das wissen die rumänischen Minister eben so gut wie alle Kenner Rumäniens in Europa! Oder glaubt vielleicht die rumänische Negiermig, daß man jene hartherzigen und unmenschlichen Maßregeln nicht kennt, welche getroffen worden sind, «m bic jüdische Bevölkerung aus den Dörfern gewaltsam zu vertreiben und die trauriger: Vorgänge der abscheulichstcn Art, welche die herzlose Ausführung jener drako-!׳.ischcrr Maßregel begleitet haben? In den meisten Dörfern Rumäniens ließ man die Juden zuerst ihre Felder bebauen, die Accker gehörig bestellen, und als die Zeit der Ernte kam, erschienen die Negieruugsorgane und vertrieben die Eigenthümer bei Nacht und Nebel, man inißhandelte die Unglücklichen, daß sic mit dem nackten Leben in die Stadt sich flüchten mußten. Das waren nicht vereinzelte Vorfälle, das geschah vielmehr im ganzen ״liberalen" Königreich, so weit das rumänische KöuigSszepier gebietet. Die gewaltsame Dcportirung der Juden aus den Dörfern, wo sie ihr Eigenthum herrenlos zurücklassen mußten, in die Städte, verursachte naturgemäß ein unnatürliches Einströmen der christlichen Bevölkerung von den Städten in die Dörfer. Die wenigsten konnten der Verlockung wicdcrstchen, ohne Mühe und Arbeit zu Grund und Boden, zu Häusern, Stallungen und Vieh zu gelangen. Die christliche Moral war kein Hindcrniß, so wenig sie eS für die rumänischen Gesetzgeber ist, daruur ist der offizielle Telegraph in der Lage, die schreckliche Thatsache zu konstatircu, eine ״Abnahme der rumänisch-orthodoxen Stadtbevölkerung um 30,338 Seelen!" Das soll ״der beste Gegenbeweis gegen die angebliche Bedrückung der rumänischen Juden sein. Das ist nichts Anderes, als bn־ Betrug als Regierungskunst. Druckfehler-Berichtigung. . In Nr. 51 S. 604 (Kollektiv-Berichte aus Ungarn): statt ״die 638314 jüdischen Bewohner des Landes" lies ״die 624 737 jüdischen Bewohner des Landes"; statt ״daß diese materielle Kraft" lies ״daß die materielle Kraft". Inserate werden die 3spaltigc Petitzcile oder deren Raum mit 25 Psg. berechnet. K Rillte Für den Inhalt derselben übernimmt dir Redaktion keinerlei Verantwortung. Insertion«- nnd Abonnements-Annahme für Frankfurt a. M. auch bei Herrn I. Kausfmann daselbst, ohne Preiserhöhung כשר Restaurant בשר und Mittagstisch Berlin c. von Berlin c. D>. Herzenberg־ : In meinem Hanse können noch einige j Knaben Ausnahme finden. Dieselben em-! psangen bei vorzüglichster Pflege eine sorgsältige Erziehung. X©aa.c JHCirscH, Hannover, Artilleriestraße 29. Grenadierstraße 30, Part, in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Alexanderplatz empfiehlt sich einem geehrten reisenden Publikum angelegentlichst. Referenz: Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S. Hildesheimer, Berlin. Jung. Manu, ged. Einjähr., in bedeut. Manuf.-Gros.-Gesch. kond. sucht Per sofort fpätet ^»gsten, isr. Feiertage frei. Branche egal. Sprach* lenrttniffe. BorMg!. Nrfer. Gef. Off. siil). 208 Exped. d. Blattes. Kmlststllkereieu מכסות לספר תורה ולשלחן, פרוכות חפות Trauhimmel, Vorhänge, Thoramäutel rc. liefert in vollendeter Schönheit Krrnststrckerei-Marrrrfaktur itm\ KemeLr» ßMasser.