Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1885)
- Article
- Amerika : New York [Nachricht]
- Date
- 1885-12-24
- Page
- 830 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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830 A merila. ^V. Newyork, 3.Dezember. Wenn auch die Reform- Pfaffen ihren Hokuspokus treiben, und wenn auch die Neichen und Angesehenen dem alten Judenthum den Rücken kehren, so bleibt es dennoch nicht verwaist. Wunderbar -sind die Wege Gottes, wunderbar die Wallung seiner Allmacht, welche sich an Israels Ge« schicke bewährt. Aus dem fernen Osten treibt ein düsteres Verhängnis JudahS Söhne nach dem Westen in großen Schaaren. Au- Rußland sind Zchntauscndc nach Amerika gekommen, freilich arm und elend, aber mit ihnen kam doch ״das Buch des Gesetzes", die Anhänglichkeit an die väterliche Religion. die sromme Gewohnheit und Ucbung. Dieser gesellschaftlich noch wenig geachtete Thcil der jüdischen Bevölkerung der westlichen Hemisphäre birgt aber den Keim der Heilessaat für die jüdische Zukunft in sich. Freilich streifen viele mit dem erben Schritt auf bau Newyorker Pflaster den alten Juden ab und suchen eine ganz besondere Ehre darin, 'n der Ucbertrctung der Gesetze zu exzelliren. Aber der größte Thcil der russischen Emigration verharrt doch in seiner Treue und vcrpflanzt die Frömmigkeit der alten Heimath in die neue. Es gicbt doch eine ganz große Anzahl von ernst frommen und gewissenhaften Familien heute in Newyork, nur muß man sie nicht in den glanzenden Stadtvierteln suchen. ES gicbt auch jüdische Gelehrsamkeit und cs entfaltet sich ein streng gewissenhaftes jüdisches Leben. Gewissenhafte שוחטים unter strenger kundiger Aufsicht, Ritualbadcanstaltcn unter gewissenhafter תשגהה u. s. w. existircn hier in einer größeren Anzahl als man gemeinhin annimmt. ES wäre ein wahrer Segen, wenn alle diese nach Tausenden zählenden gewissenhaften Juden sich zu einer großen Gemeinde vereinigen würden und einen Mann zu ihrem Führer und Rabbiner aus Europa berufen wollten, der den Anforderungen der allgemeinen Bildung entspräche und in ernster Ge- Wissenhastigkeit und in heiliger Begeisterung das Gottesbanncr in Newyork führte. Cö würden sich um ihn Hundert tausende in allen Gemeinden Amerikas schaaren, cs würden Anstalten entstehen, die mustergültig wären. . es würde ein jüdisches Leben in alter Trene und Innigkeit angebahut, cs würde der alte Stamm des JudenthnmS hier im Westen neue herrliche Blüthen treiben und eine Generation erstehen, die den alten Schwur der Vorväter auf die Thora in aufrichtigstem Ernste erneuerten. — Unsere Hoffnung beruht auf diesem russischen Elemente unseres Volkes. Möge sie nicht enttäuscht werden. B. Newyork, Dezember. Die ״Newyorker StaatSzcitung" enthält in ihrer Ausgabe von»- 27. November folgende Notiz: ״Der Rabbiner E. B. M. Browne, von der Synagoge ״Gates os Hope" in der Ost 86 Str., war bekanntlich von General Hancock ausgcwählt worden, bei den Leichenfeierlichkeitm des General Grant als Vertreter der jüdischen Religion zu fungiren. Da diese Beerdigung aus einen Samstag siel, so bat Reverend Browne, ihm zu gestatten, den Leichenzug zu Fuß und nicht, wie im Programme vorgesctzt, mit den andern Geistlichen in Kutschen, mitmachen zu dürfen, da das Fahren in einem Wagen am Sabbath für die Juden verboten sei. Dieses Ersuchen wurde zurückgewicsen, worauf der Rabbiner erklärte, daß er an der Becrdigung überhaupt nicht theilnchmen könne. Als die Hinterbliebenen des Generals Grant hiervon hörten, legten sie sich ins Mittel und General Hancock theilte sodann dem Reverend Browne mit, daß es ihm frei stehe, die BeerdigungSfeicr in irgend einer ihm zusagenden Weise mitzumachen. Reverend Browne fand sich daraufhin zur Beerdigung ein und legte den weiten Weg von City -Hall uach dem Niversidc Park zu Fuß zurück. Die Rcsormjndcn waren darüber ziemlich aufgebracht, da sie dies als mit den fortschrittlichen Anschauungen im Widerspruche stehend betrachteten. Die orthodoxen Juden dagegen, welche an Anzahl in hiesiger Stadt weit überwiegen, waren über diese Anhänglichkeit des Reverend Browne an die Gebote seiner Religion höchst erfreut, und Vertreter der Mehrzahl der hiesigen Synagogen fanden sich gestern in der Synagoge des genannten Rabbiners ein und überreichten ihm eine hübsche goldene Medaille nebst, einer kalligraphisch .schön ausgefiihrten Adresse. Die Medaille zeigt Reverend Browne mit der Schleife der Bahrtuchträger, wie er in Grant'S Leichenzug einhcrschritt; darunter befinden sich die Worte: ״Von City Hall zum Nivcrside Park", und darüber steht in Hebräisch: ״Baruch m'kadcsh haschaboss", d. h. ״Gesegnet sei, wer den Sabbath heiligt." Die Namen der Geber befinden sich auf einem bandartigen Goldstreifen, welcher an der Medaille angebracht ist." n. In Winnipeg (Manitoba) haben sich etwa 80 biS90 jüdische Familien von der russischen Emigration angesicdelt und bilden jetzt eine Gemeinde, der eS freilich noch am Nöthigsten fehlt. Es wird zur Betheiligung an einer Sammlung aufgcfordert, deren Crträgniß zum Vau eines Gotteshauses dienen soll. Ha. Chicago, 25. November. Unsere Revermdare des Humbug waren also voriger Woche in Pittsbürg Leisammeu, lauter Größen — in ihren eigenen Augen הלוא אם קטן אתה, בעיניך ראש שבטי ישראל אתה■ Weisheit wurde da mit Suppcnlvfsein auSgctheilt, von der Heiligkeit gar nicht zu reden, die auf der ehr- und nochmehr würdigen Versammlung ruhte. Die Details der Verhandlungen, wie man an den heißen