Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1885-12-24
- Page
- 829 (sequence 2)
- Language
- German
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829 zuarbeiten. — MadaraSz beantragt, den zweiten Theil der Petition dem Gesanunt-Ministcrium abzntreten, da eS nothwendig sein werde, früher oder später die be׳ treffende Bestimmung deö NationalitätSgefctzeS in dein Sinne abzuändcrn, daß die Amtssprache bei der Matrikel!- sührnng ausschließlich die ungarische sei. — Minister- Präsident TiSza hat hiergegen nichts cinznwcnden und erklärt, er halte die Frage für um so wichtiger, als cS sich hier um die Abänderung jenes Paragraphen des NationalitätsgcsetzcS handelt, der den Verkehr mit den untersten Schichten der Bevölkerung regelt, cS daher nur zu sehr zu erwägen ist, ob in dieser Hinsicht eine Aenderung getroffen werden soll. — Hierauf wird unter Ablehnung des Ouody'schen Antrages in diesem Simic beschlossen. A. Preszbnrg, Tcbcth. In der hiesigen orthodoxisraelitischen Kultuögcmcinde herrschte vorige Woche eine nicht geringe Aufregung. Wie den Vefern des ״Jcschunm" bekannt sein dürfte, strebte Herr Minister Trefort dahin, die israelitischen Matrikenführungcn. zu vereinigen, d. h. wenn in einem und demselben Orte zwei israelitische Gemeinden bestehen, sollte doch nur eine derselben mit der Mairikensühruug beider Gemeinden betraut werden. Vorausschicken will ich noch, daß der hiesige Bürgermeister, als er vonr Kultusministerium behufs Aenßernng, wen er für kompetent halten würde, die orthodoxe israelitische Gemeinde Vorschlag, derselben die Gcsammtmatrikenführnng zu überlassen. Nun erschien aber das das Matrikcnwesen behandelnde Normativ, laut welchem nur Rabbiner und Rabbiner-Stellvertreter (Ntligivusiehrer) zur Führung der Matrikcn zugelassen werden; da nun in der Religionsgemeinde Prediger Dr. David die Matrikcn führt, während in der orthodoxen Gemeinde Herr Notar GrünSseid dieses Geschäft zu versehen hat, entschied sich die städtische Repräsentanz, die׳ Führung der vereinigten Matrikcn der Neologcngemeinde zu übertragen. — Gegen diesen Rcpräscntantenbeschlnß führte die orthodoxe Gemeinde beim städtischenVcrwaltungSauSschusse Beschwerde, indem sie nicht nur die vollste Qualifikation ihres Matrikcnführcrs nachwics, sondern auch durch amtliche Zeugnisse erhärtete, daß Herr Grünsfcld seit einer Reihe von Jahren als Rcligionslchrcr an den hiesigen Mittelschulen fnngirt. Auf Grund dieser Appellation beschloß der VerwaltnngsauSschuß, daß auch fürderhin beide hiesige israelitische Gemeinden ihre Matrikcn separirt zu führen haben, da gegen keine derselben jemals eine Beschwerde oder Klage vorgekommen ist. W. Prag, 21. Dezember. Der Verein Ez-hadaath, welcher den Zweck hat, bedürftige jüdische Talmudschülcr zu unterstützen, hat das fünfte Jahr seine« Bestehens zurückgelegt. Er darf im Allgemeinen mit seinem Erfolge befriedigt sein. Er hat manchen wißbegierigen Jüngling den LebenSpfad erleichtert. 9m abgclaufcnen Jahre sind ihm manche größere Schenknngeu zngeflosscn. Der Kassen bestand ist augenblicklich circa 650 Gulden. Frankreich. %* Paris, 20. Dezember. Es wird hier die Idee angeregt, die Arbeitsschule, welche ein eigene- Grundstück Rue des Rosiers 4 besitzt, zu erweitern. Die Anstalt verpflegt und unterrichtet bis jetzt 54 Pensionäre, welche in die verschiedensten Werkstätten von Paris geschickt werden, um sich in den betreffenden Handwerken auSzubildcn. Man hat nun vorgeschlagen, in dem Gebäude der Anstalt selbst einige Atelierzu errichten, in welchen die jungen Leute.unter der Anleitnng tüchtiger Werkmeister sich in den verschiedenen Zweigen der Industrie ausbilden sollten. So könnte man auch endlich dem Wunsche gerecht werden, die vielen Ausländer, die nach Paris kommen, um ihr Brot zu verdienen und häufig außer Stande sind, irgend welche industrielle Thätigkcit ausznüben, auf den rechten Weg zu bringen und sic einer geachteten arbeitsamen Existenz zuführen. Jemehr Israel, dessen Beruf eigentlich die Pflege des Geistes ist, sich bestrebt, auch durch die gewerbliche, angestrengte Thätigkcit die uöthige niatericlle Basis zu schaffen, desto größer und ausgedehnter wird eS seine Kulturmlssion erfüllen können. 2 .וכאשר יענו אתו כן ירבה וכן יפרץ. B. M. 1, 12. N ußland. Petersburg, 16. Dezember. Es scheint fest beschlossen zu sein, der Hauptstadt deö Russischen Reiches thunlichst ihre jüdische Bevölkerung zu entziehen. Die Soldaten besitzen bekanntlich das Privilegium, in allen Städten des Reichs zu wohnen und daselbst bürgerliche Gewerbe zu treiben, oder nach hierländischer Ordnung sich in die Rolle der geringeren Kauf- und Gewcrbsleutc eintragcu zu lassen, und zwar genießen sie dieses Privilegium nicht allein für ihre Person, sondern auch für ihre Kinder. So wohnen denn auch in hiesiger Stadt solche Kauflente zweiter Gilde und Kleinbürger an etwa 800 bis 1000 jüdischen Glaubens. Das muß, aus welchen! Grunde weiß ich nicht, höhern Orts mißliebig sein, denn eS ist den Obmännern der betreffenden Gilden die Weisung geworden, Juden, auch wenn sie als Soldaten dazu bercchtigt siud, uicht mehr in die Rollen einzutragen.