Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1885)
- Article
- Deutschland : Hannover [Nachricht]
- Date
- 1885-12-24
- Page
- 827 (sequence 2)
- Language
- German
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827 immctitfid} m ihren: rastlosen Schaffen in der: Obliegen- ' Herten ihres schwierigen Amtes als Vorsteherin unseres j schönen FrauenvereinS. als Priesterin der hingcbcustcn, j 11}1 בי frnfiiaf 1 er! Menschenliebe, jener חסד של אטת, die sich עם הדדים ועם הסתים, den Lebenden sowohl wie ben fBlcrbctibca!mb Todten gegenüber bewährt. Frau JsenZrrtrn ist die Annehmerin der Armen, die Pflegerin der Kranken, die Trösterin der Trauernden. Sie weilt an dem Schmerzenslager ihrer Mitschwesiern und bea(.eitet mit ihren! Gebete deren letzten Seufzer. In ihrem Hansc vereinigen sich die wackeren Frauen unserer Gemcmdc feit mehr denn einem Vrerteljahrhundert, um die letzte Gewandung für die verstorbenen Brüder und Schwestern zu verfertigen, unter ihrer Leitung verrichten sic den letzen Liebesdienst an ' die dahingeschiedenen Schwestern in der Ausübung der טהרה, sie fteiirt sie in ihr letztes Haus. So giebt es?eine Familic in der Hütte wie in! Palast, wo sie nicht heimisch ist als Engel des Trostes und der Liebe, und darum vereinigen sich Alle in dem Zoll der Verehrung und Freundschaft für diese אשת חייל, für dieses wahrhafte Biederweib. Möge Gott ihre Tage mehren und ihr die Frische dcS Geistes und Kraft und Gesundheit bewahren, auf daß sie bis in eine ferne Zukunft noch walte des Berufes ihres Lebens, des Dienstes acht weiblicher Tugend und wahrhaft jüdischer Menschenliebe. -a- Berlin, 20. Dezember. Wenn Herrn Hof- Prediger Stöcker in der neuesten.Schrift des Herrn Professor Strack ein Denkmal errichtet wird, welches das Charakterbild dieses begeisterten Vorkämpfers der antisemitischen Acra des neunzehnten Jahrhunderts der Nachwelt in markanten Zügen überliefert, so darf er von sich doch das stolze Wort aussprechen: exegi momnoenlnin aere pereiuüus, dauernder als dieses habe ich mir selbst ein Denkmal errichtet, ich bedarf nicht fremder Hand, ich habe meinen Namen selbst in unauslöschlichen Zügen in die Blätter der Geschichte cÜMtrügcxk, habe meinen Geist den Edelsten des dentscheu Volkes ckngehaucht, und wenn ich jetzt zeitweilig mn dem Plan abtrete, so wirkt;nein Geist fort. Und er lebt für und für und treibt gar herrliche Blüthen, vor Allem in den Gefilden der gottseligen ״Kreuzzeitung", zu deren Schristgelehrtcn und Oberwcisen Herr Stöcker gesprochen : das ist -nein lieber Sohn, an welchen! ich Wohlgefallen habe. ״Das Judenthum M Patron der Sozialpolitik" nennt sich die neueste Frucht, welche der Stöcker-Haminerstcin'sche Geist gezeitigt. Weil unter den nach Hunderttausenden zählenden Fortschrittlern und Sozialdemokraten auch ein Paar ZnLcn Mh, darum verrichten Fortschritt, und Sozialdemvlralir Handlangerdienste für das Judenthum! Das ist allerdings eine Frucht, deren Art schon der alte ZL25LÄ Imxtz und als c.t'Lmbs repetita, rn deutsch aufgewärmter Kohl, bezeichnet. Aber für Wohlschmccker von Kohl gewinnt derselbe durch jedesmaliges Aufwärmen an Gaumenreiz. So oft auch schon Druckerschwärze und Papier mißbraucht worden sind, um der Lüge zu dienen, so dürfte doch wohl schwerlich eine größere Unwahrheit jemals gedruckt worden sein, als daß ״das Judenthum" ״bekanntlich" ״die Sozialdemokratie unter seine Obhut und Pflege" genommen und ״dieselbe mit Führern, mit einem System oder doch systcmartigen Formularen oder Machtmitteln" auSgestattet hat. Mit demselben Rechte könnte mau sagen, daß das Christenthum dieses gethan habe. Cs giebt nach meinem Dafürhalten keine verwerflichere oder verderblichere Manier, als durch entstellte Thatsachen und völlig haltlose Unwahrheiten den Sinn des Volkes zu trüben und sein Gemüth zu vergiften An dem politischen Kampfe mit seinen Ausschreitungen hat ״das Judenthum" keinen Antheil, und die Juden, welche als Bürger daran thcilnehmen, sind ans keinen Fall schlechter als die anderen Bürger. Auch das sittliche Niveau dieser Artikel der ״Kreuzzeitung" stellt die ״Judenpresse" keineswegs in Schalten. Das ist meines Erachtens eine unumstößliche Thatsache. ebenso wie eS Thatsache ist, daß die bürgerliche Rechtschaffenheit der auf der politischen Bühne sich auszeichnenden Juden hinter der Ehrenhaftigkeit der Politiker nach dem Herzen der ״Krcuzzeitung" zum Mindesten nicht znrücksteht. נ. Schneidemühl, 12. Dezember. Unsere Gemeindc ist dieser Tage in Aufregung versetzt worden, da die Synagoge Nachts erbrochen worden ist. Freilich haben die Diebe darin nichts gefunden, was ihnen des MitnehmenS wert!) schien. Aber die Profanirung der geheiligsten Stätte empört die Gernüther und veranlaßte den Vorstand zur Angelobung eines Preises für den Entdecker dieses Bubenstückes. . * Kempen (Provinz Posen). Von den hier ausgewiesenen russischen Staatsangehörigen, deren Kempen 47 Fauiilien mit einer Kopfzahl von 240 aufzuweisen hatte, haben 17 mit ihren Frauen und Kindern und 5 Familienväter, die Familien zurücklassend, Preußen verlassen. Die übrigen 25 Familien haben Aufschub der Ausweisung erfleht und erhalten; 23 bis zum 1. Januar und 2 bis l. März 1860. Es liegen jedoch noch einige weitere Gesuche um Aufschub vor, denen hoffentlich stattgcgeben wird. Die meisten Ausgewiesenen haben ihr Eigenthum verkauft und sehen mit dumpfer Resignation ihrem Schicksal entgegen. Eine kleine Zahl der Ausgewiesenen hat ihr Vaterland wieder ausgesucht, nur 4!nachten sich dort wieder anlässig; von den anderen zogen 1 nach Holland, i nach Frankreich, 2 nach Anhalt und 9 nach Holland und Amerika. Ihrer Religion nach waren 4 Familien katholischen und 43 mosaischen Glaubens. (Brest. Ztg.)