Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1885)
- Article
- Bulgarien [Nachricht]
- Date
- 1885-12-17
- Page
- 815 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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815 jüdischen Gemeinden Sofia, Rnstschuk. Varna, Schnmla,! Sistowa, Widdin und Silistria ausgerüsteten jüdischen! Bataillon, sendete am 2. d. M. der ״Jüdischen Pester Zeitung" folgendes Telegramm: Pirot, 2. Dezember. Seine Hoheit unser attcrgnädigstcr Fürst geruhte heute die jüdische Legion besonders auszuzeichnen. Seine Hoheit heftete nämlich dem Führer der Legion mit eigener Hand die goldene Medaille ״für Tapferkeit" an die Brust und richtete an die kleine, noch übrig gebliebene Schaar die folgenden erhebenden Worte: ״Eure gefallenen .Heldenkameraden haben gezeigt, daß sie würdige Nachkommen der Makkabäer waren, und Ihr selbst habt in den Schlachten von Sliwnitza, Dragoman und Pirot bewiesen, daß Ihr an Tapferkeit und Liebe zun! Vaterlande der ruhmreichen bulgarischen Armee nicht nachsteht." — Die Legion, welche 500 Mann stark war, zählt jetzt, auch die Kranken abgerechnet, kaum 250 Mann mehr. N u m ä 111 e 11. ..z. Bukarest, 10. Dezember. In der Presse bemüht man sich, die Judenverfolgungen und Judenbedrückungen einfach abzulengnen und die über solche ins Ausland gedrungenen Nachrichten als boshafte Lügen darzustcllen, erfunden von den bösen Juden, um das Ansehen des rumänischen Reichs zu schädigen. Ein schlaues Blatt ist auf den Einfall gekommen, für diese Behauptung den unumstößlichen Beweis durch die Statistik zu führen. Es stellt als Thatsache hin, daß die jüdische Bevölkerung sich während der letzten Dezennien bedeutend vermehrt habe, während die christliche erheblich im Abnehmen begriffen sei. Seht nun, europäische Mächte, ruft eS triumphirend aus, welche boshafte Lügner die Juden sind! Kann es einen schlagenderen Beweis für die Prosperität der Juden in Rumänien als diese Thatsache geben? Wie milde und bevorzugt' müssen sie bei uns behandelt werden, da sie sich dergestalt vermehren? — — Wir möchten der klugen Redaktion Vorschlägen, daß sie sich für die armen Christen verwende, um diesen die Behandlung, deren sich die Juden zu erfreuen haben,׳ zuzmvenden. Dann würden sic sich vermehren. Die Juden aber möge man fortan wie gegenwärtig die Christen behandeln, dann werden sie sich vermindern. Das ist das Ei des Kolumbus, damit wäre die rumänische Judenfrage nach jeder Hinsicht gelöst. Der klugen Nedaktion aber errichte dann die dankbare Nation ein Denkmal an der Seite Michael des Tupfern, dem Befreier vom türkischen Joch, dem Sieger von Calugareni. Wahrlich, sie hat sich dann keine geringeren Ansprüche auf die Dankbarkeit der Nation erworben, als dieser. Im klebrigen aber nchnren die Barbareien gegen die Juden ihren ungestörten Fortgang. Man treibt sie aus den Dörfern buchstäblich aus und ninimt nicht die mindeste Rücksicht auf den unbeschreiblichen Jammer der Armen, welche in der rauhen Jahreszeit auf das freie Feld gesetzt werden. Wer aber behauptet, daß die Juden nicht sehr gerecht und sehr milde behandelt werden, der verdient den Strang! Amerika. אסהי WashirrgtsN. Anfang Dezember. Wenn die Pittsburger Nabbincrkonscreuz bewirken sollte, daß dem Volke und den Rabbinern, welche noch nicht ganz sich zu den destruktiven Tendenzen eines Wise, Köhler, Hirsch und Konsorten bekennen wollen, die Augen ausgingen und sie den ganzen Schwindel, welcher mit den heiligen Begriffen Religion, Offenbarung, Judenthnm, Gottesfurcht getrieben wird, gewahren und sich mit Abscheu davon abwenden, — dann würde der PittSburger Tag den Wendepunkt zum Bessern markiren können. Und in der That mehren sich die Stimmen, welche über ein solches freventliches Spiel, wie zu PittSbürg enthüllt, ein verdammendes Urtheil aussprechen. Nun wohlan, Ihr Rabbiner und Genieinden, so raffet Euch auf zu einer mannhaften That. Schleudert den Herren von Pittsburg den Handschuh ins Gesicht, saget Euch los von jeglicher Verbindung mit ihnen in Sachen des Judcnthnms, saget Euch los von den Vereinigungen und Institutionen, welche unter der Aegide dieser traurigcn Reformhelden stehen. Erkennt die Diplome von Cincinnati nicht ferner an. Sprechet לבו ונשובה אל ד׳. Auf, laßct uns zu Gott und seinem Gesetze in Wahrheit und Aufrichtigkeit zurückkehren! Haltet den Sabbath heilig, nicht durch Gesang und Predigt, sondern durch daß Schließen Eurer Etablissements, — haltet die Thora heilig nicht durch .'pomphafte Thesen, sondern durch strikten Gehorsam im Essen und Trinken und Handel und Wandel im Hause, auf der Reise, in der Kirche, in der Ehe; begnügt Euch nicht damit, Cure Kinder in die Sabbath- oder Sonntagsschule zu senden, sondern lehrt sic durch Wort und Beispiel und Unter- Weisung überzeugungstreue, opferbereite Inden zu sein und zu bleiben wie ihre Urgroßväter waren; — verbannt den unjüdischen Pomp aus der Synagoge und setzt wieder die alte innige Gottesverehrnng in ihr Recht ein, werdet wieder ganze Juden, paktirt nicht mit der Reform, laßt sie auf schiefer Ebene wandeln, wandelt ihr aber die gerade Straße, welche das Juden thum weist, — dann habt Ihr Großes geleistet, dann habt Ihr die amerikanische Judenheit gerettet!