Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Preßburg [Nachricht]
- Date
- 1885-12-17
- Page
- 814 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2932754-2933101-2933151--20635-2963768- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.7. PreHburg, 10. Dezember. Die am 5. Oktober - Almanah" (bei Mr. Joseph, Hackney-Road, London E.) cröffnetc israelitische Handelsschule zahlt zur Zeit alleri wird sehr warm für die genannten Zwecke empfohlen, dings nur noch verhaltnißmäßig wenige Schüler. Es! weil ״viele Juden keine christlichen Traktätchen lesen ist jedoch zu hoffen, daß sie zum Frühjahre einen sehr! wollen, aber nichts dagegen haben, die Wände ihrer erheblichen Zuwachs erfahren wird. Dem großen acht! Häuser mit einem Almauach zu schmücken, welcher Texte jüdischen Prinzipe: פה תלמוד תורה עם דרך ארץ' j aus dem alten Testament, meist in hebräischer Sprache huldigend, welchem in Deutschland verschiedene blühende j enthält. Die Texte '-find mit Sorgfalt und dem Be- Anstalten in orthodoxen Gemeinden ihr Entstehen vcrdanken (wie in Frankfurt a. M., Hamburg, Köln. Fürth u. a. O.), vereinigt sie in ihrem Lehrplan alle Unterrichtsfächer der allgemeinen bürgerlichen Bildung mit den speziellen des jüdischen VildungSzwecks und erfreut sich der sorgsamen Pflege des wohllöblichcn GemeindcvorstandcS sowohl wie der regsten Thcilnahmc deS ehrwürdigen Oberrabbinats. Möge das in unserer Gemeinde gegebene Beispiel im ganzen Ungarlandc Nachahmung finden. Es tritt angesichts dieser Schöpfung um so schmerzlicher die Erinnerung an die Vorgängerin dieser Anstalt wieder ins Gedächtniß. Bereits vor mehreren Jahren hatte der ehrwürdige Obcrrabbiner in Papa, Herr Dr. Breuer, eine ähnliche Schule ins Leben gerufen, welche aber leider aus nicht näher zu erörternden Gründen kaum zur Entwickelung gelangen konnte. Wenn Jemand berufen und im hohen Grade befähigt ist, eine solche Lehranstalt zu begründen und zu leiten, so ist cS eben der ausgezeichnete Mann, welcher den Nabbinatssitz zu Püpa ziert. Leider war seinem damaligen Unternehmen die Strömung in den leitenden orthodoxen Kreisen nicht günstig. Wenn Ihr geschätztes Organ, Herr Redakteur, nichts anders bewirkt haben sollte, als hierin einen Umschwung veranlaßt zu haben, so hätte cs lediglich dafür einen Anspruch auf die wärmste Dankbarkeit des -orthodoxen JudenthumS sich erworben. Was ehedem ein noli me tangere gewesen, wurde in diesen Spalten mit eben solcher Sachkenntnis wie edler Begeisterung muthig besprochen. Trotz vielfacher Anfeindungen und Mißdeutungcn ha! es aber gewirkt, und nicht am wenigsten gerade dort, wo man sich getroffen fühlte. Sapienti sat. Wir schauen erwartungsvoll der augckündigtcn Landesvcrsammlung entgegen. Möge sie zum Heile der ungarischen Orthodoxie die Pfade wandeln, welche ihr hier gezeigt worden sind. Möge unser ehrwürdiger Obcrrabbiner im Vereine mit Männern wie dem Papaer Obcrrabbiner und viele Anderen, auf welche wir mit Stolz Hinblicken, mit kräftiger Hand die Leitung unserer schwierigen Verhältnisse übernehmen und das hohe Ziel erreichen: להחזיר עטרה לישנה להנדיל תורה ולהאדירה ולהשיב לב בנים אל אבותם. England. 8. London, Dezember. Auch die Kalender- Literatur muß für Missionszwcckc herbei: ״The Hebrcw streben gewählt, die Juden dem Messias zuzusühren." — Wer also einen solchen Almauach geschenkt bekommt, der nehme ihn nur ruhig an — man kann ja alles. Mögliche damit beginnen, und das Exemplar ist dann weniger auf der Welt — aber man hüte sich, Geld dafür auszugebcn. London, 1l. Dezember. Der Emigration aus Rußland folgt eine Emigration aus Deutschland. Der gastliche Boden Englands erscheint den Vertriebenen als ein sicherer Port. Ja wohl sicher. Hier fragt mau den Fremden nicht, wo kömmst du her? Mau setzt stillschweigend voraus, daß er ein ordentlicher Mann ist und gönnt ihm gern ein Plätzchen neben sich. Man fürchtet nicht für die Sicherheit des Staats, für das Gedeihen brittischeu Nationalbcwußtseins, wenn auch einige hunderttausend Fremde an der Arbeit der Einheimischen theilnehmen wollen. Aber die armen dertriebeneu Juden sind eben arm und kommen meist mit leeren Händen. Es gilt aufs Nene zu bethätigen, daß das נתץ התן nicht vergebens in der Thora steht. Geben und abermals geben und so viel geben, bis cs genug ist. Die hiesigen Israeliten sind gewohnt zu geben, und sie geben freudig und reichlich. Unsere deutschen Brüder sollten aber die armen Glaubensgenossen doch reichlicher ansstattcn. Es dürsten die Anforderungen sonst größer werden, als man hier zu befriedigen vermag. Das Elend unter der jüdischen Kolonie ist groß und nimmt täglich zu. Rußland. ..z. Petersburg, 9. Dezember. Von Seiten der Obcrpolizeibehörde ist der Befehl ergangen, alle diejcniacn Juden der Stadt zn verweisen, welche ein Gewerk mit Gehülfcn betreiben, ohne daß sie den authentischen Nachweis liefern, daß sie selbst wcrkrhätig sind und gar keiner andern Beschäftigung obliegen. -r- Mschincw, Dezember. Der famose Religionsstifter Joseph Nabbinowitsch, welcher einer Gemeinde von etwa fünf Familien als besonderer Religionsscktc vorsteht, ist bei der Stadtverwaltung eingekommen, dieser neuen Rcligionsgesellschaft eine eigene Bcgräbnißstatte anzuwcisen. ES wurde ihm für diesen .Zweck eine Summe von zweihundert Rubeln aus dem Stadtsäckel zur Verfügung gestellt. Bulgarien. * David Misrachi, Lieutenant in dem von den