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Jeschurun · 1885-12-17 · Heft 51 (17.12.1885) · p. 812

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 51 (17.12.1885)
Article
Deutschland : Berlin [Nachricht]
Date
1885-12-17
Page
812 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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812 haben sich Kreise christlich angeregter Israeliten gebildet, Gruppen von zwanzig und dreißig, die zujammnitommcu, um über Christus zu reden und um Gesänge ins Hebräische übersetzter christlicher Lieder sich zu erbauen. Biele sind schon aus der Synagoge ausgestoßen worden, trotzdem mehren sich die Ucbcrtritte stetig, und neuerdings erhalten sie dadurch Vorschub, daß ein Bund, der sich dort zur Erhaltung und Stärkung der jüdischen Nationalität znsammcnthat, den Beschluß gesaßt hat, die ״christlichglaubigcn" Juden auch noch zum Volke Israel zu rechnen." — — ES wäre doch sehr interessant, wenn man ersahrcu könnte, was an dieser unglaublich klingenden Mitthcilung eigentlich wahr ist, oder ob sie nicht überhaupt ans einer Mystifikation beruht. E8. Frankfurt a.M., 9. Dezember. Am fünften und scchsstcn Tage Chanucka fand hier in der Unterrichtsanstalt der israelitischen NcligionSgescllschaft ein Schulsest statt, daß auch die Leser Ihres geschätzten Blattes intercssiren dürfte, da cs den Beweis lieferte, wie innig sich תודה עם דדך ארץ, das Studium unserer heiligen Religionslehre mil allgemeiner Bildung verträgt. 2m großen Turnsaale der Schule war eine Bühne aufgcschlagcn, und die Schüler der Prima und Obersekunda der Realschule brachten im Vereine mit einer Anzahl auSgewählter Schüler der anderen Klassen zwei Szenen ans ״Zopf und Schwert" von Gutzkow und vier Szenen aus ״Wilhelm Tel!" von Schiller in einer so vorzüglichen Weise zur Darstellung, daß man ganz vergaß, nur Schüler vor sich zu haben. Man erkannte sofort, daß nian cS nicht mit etwas mechanisch Einstudirtem zu thun hatte, soudern daß ein tiefes Eindringen in die Ideen des Dichters für jedes Wort auch den richtigen Ton und Ausdruck finden ließ, daß das Dargestcllte auch lief empfunden und gleichsam reproduzirt wurde. Eine dichte gedrängte Zuhörermenge, aus den Eltern der Schüler und Schülerinnen, den Berwaltungsmitgliedern der Ncligiousgescllschaft und geladenen Gästen bestehend, füllten den großen Saal und folgten der Darstellung in gespanntester Aufmerlsamkcit. Den Vorstellungen ging ein Prolog voraus, der von einem Lehrer der Anstalt gedichtet und von einem Schüler vorgclragcn wurde. Zum Schluß wurde Moaus-zur-Jcschuoßi von einem Kuabenchor gesungen, in welches die Zuhörer in gehobener Stirnmung ciustimmten. Solche Darstellungen erweisen sich als sehr fördernd, sowohl für die Entwickelung der geistigen Fähigkeiten und für den richtigen Ausdruck als auch für die Gewandtheit im Benehmen und die Leichtigkeit der Bewegungen und gestatten zugleich einen Blick in die ErziehnngS- und Lehrthätigkcit der Schule. Die Einstudirnug der Knaben wurde von dem Lehrer, der auch den Prolog verfaßte, in den Literaturun einigen Abendstunden in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit vorgenommen. Das Interessanteste bei der Sache ist, daß die besten Talmudschüler die besten Darsteller waren, ein Beweis dafür, daß Talmudstndium und allgemeine Bildung sich nicht gegenseitig auöschließen, sondern sich fördern und ergänzen. — Heute, den achten Tag Chanucka, fand in dem gleichen Saale ein zweites Fest statt, das ein Menschenfreund den Schülern und Schülerinnen der Israelitischen Volksschule gab. Die Bühne war entfernt und dagegen drei Reihen Tische und Stühle ausgestell!, an welchen zweihundert Schüler freudestrahlend Platz nahmen und mit Chokoladc, Kaffee und Kuchen bc.virthct wurden. Nachdem diese den ihnen Vorgesetzten süßen Sachen nach Herzenslust zugesprochen, wurden abwechselnd Gesänge und Gedichte heitern und ernsten Inhalts von den Kindern unter Leitung ihrer Lehrer und Lehrerinnen vorgctragen. Hieran schloß sich die Vertheilung von Geschenken an sämmtliche Kinder. Diese Geschenke waren auf besonderen Tischen aufgelegt und zeichneten sich durch Gediegenheit . und praktische Verwendbarkeit aus. Solche waren mit großer Sorgfalt unter Berücksichtigung der Bcdürsnisse eines jeden Kindes nach Berathung mit den betreffenden Lehrern ausgewählt. Den aufmerksamen Wirth machte der edle Spender, unterstützt von seiner Familie. Die freudige Bewegung spiegelte sich ebenso auf dessen Antlitz wie auf den Gesichtern der fröhlichen und beglückten Kindern ab. Mögen solche, vom reinsten jüdischen Wohlwollen getragene Feste sich noch viele Jahre wiederholen. א Ostrowo, 10. Dezember. Unser neu erwählter Rabbiner, Herr D1\ Elias Pleßner, hat nunmehr seit Amt angetreten. Mit großer Feierlichkeit, welche aber den Charakter der innigen Herzensfreudigkeit trug, hat ihn die Gemeinde empfangen. Herr Dr. Pleßner hat sich bereits als ernster, überzcngungstreuer Mann in seinem bisherigen langjährigen Wirkungskreis zu Rogascn bewährt und sich einen Namen als eminenter Gelehrter und gewandter מודה תודאה, wie als hervorragender Redner und Dichter in der heiligen Sprache errungen. Möge cö uns bcschicden sein, ihn an unsere Genreinde für die Dauer zu fesseln. Seinem Eifer und seiner Begeisterung für die heilige Sache unsere Religion bietet sich hier ein weites und ergiebiges Feld, würdig der Mühe des Edle«, würdig des ächten Sohnes eines Rabbi Salomo Pleßner זצוק״ל. Wir alle haben ihm ein freudiges 'בוא ברוך ד zugernfen, wir rufen ihn! nicht minder freudig zu: צלח רבב על דבר אמת וענוה צד^... שבס מישור שבט מלכותך. E. Wür^bnrg. Durch allerhöchste Entschließung des königlichen Staatsministeriums vom 25. November wurde endlich die seit fünf Jahren schon schwebende dRabbinatS-Angelcgcnheit dahier dahin entschieden, daß

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