Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1885)
- Article
- Serbien [Nachricht]
- Date
- 1885-12-10
- Page
- 799 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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799 Serbien. * Ein Telegramm, welches die ״Kreuzztg.״ erhalten hat, meldet: Berichte aus Ni sch (also von serbischer Seite) melden, daß die Bulgaren in Pi rot eine ..Judenverfolgung" in Szene gesetzt hätten. — Dieses Privattclcgramm der Kreuzzeituug scheint durch anderweitige Berichte bereits seine Bestätigung erhalten zu sollen. So wird von anderer Seite gemeldet, daß die Bulgaren sich gegen die Juden die entsetzlichsten Misse- Lhaten erlaubt haben. 'Plünderung des EigcnthumS, Mißhandlungen, Frauenschändung sind in erschreckendem Maße vorgekommen. Rußland. g.. Petersburg, 27. November. Durch Senatsbeschluß soll Juden nur in Folge einer besonderen Erlaubniß für jeden einzelnen Fall der Aufenthalt in der Hauptstadt gestattet sein. y. Warschau, Ende November. Kürzlich wurde in der Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Industrie der Antrag gestellt, eigene Agenturen zu errichten, um der Vermittelung der jüdischen Makler und Handelsleute gänzlich entrathen zu können. Man überzeugte sich jedoch von der Unzwcckurüßigkcit dieses Vorschlags und Lehnte denselben ab. Uebrigens mehren sich in verschiedenen Städten die Versuche zur Vernichtung des Erwerbes der Juden durch die Schaffung einer künstlichen Konkurrenz, welche durch Subvention geeignet ist, den Juden zu rnimren. Amerika. אמתי Washington, November. Die Reformrabbincr haben in Pittsburg getagt und Resolutionen er> lassen, welche das Programm des neuen amerikanischen Jndenthums bilden sollen. Anwefend waren folgende Rabbiner: Aarons von Fort Wahne, Bloch von Aouugstown, Gutmann von Syracuse, Köhler von Newhork, Krausköpf von Kansas-City, Moses von Louisville, Philippsohn von Baltimore, Sale von Chicago, Schlesinger von Albanh, Sonneschein von St. Louis, Seßler von Wheeling, Wise von Cincinnati, Weil von Bradford, Noumburg und Mayer von Pittsburg. — Folgende Geamten der Konferenz wurden erwählt: vr.Wise.Präsident; Rabbiner Kranskopf, Vice.Prasident; Rabbiner Philippsohn und Gutmann, Sekretäre. Von den folgenden Nabbinern wu.rden Briefe verlesen, -worin dieselben ihrem Bedauern über unvermeidliche Abwesenheit Ausdruck gaben: Bien von Vicksburg, Berkowitz von Mobile, Gutheim von Neworleans, Goldbammer von Nashville, Hecht von Montgomery, Illowitzh von Minneapolis, Großmann von Detroit, Landsberg von Nochester, Silbermann von Galveston, Stolz von Little Nock, Moses von Milwaukee, Hirsch von Philadelphia, WechSler von St. Paul und Messing von St. Louis. DaS Programm dieser Herren ist nichts Anderes als eine Leugnnng der Offenbarung im Sinne deS JudenthumS, eine Leugnung von ביאת משיה, eine offene Lossagung von dem ^mosaischen und rabbinischcn" Speiseverbote und dergleichen mehr, sowie eine etwas vorsichtige Empfchlung der Abschaffung der Sabbathfeier. Daß dieses proklamirt wird, ist, wie unsere hierländischen Berhältinsse nun einmal sind, nicht das Traurigste. Im Gcgeutheil, es wäre zu wünschen, wenn auch andere Reverendso offen ihren destruktiven Standtpunkt bekennen möchten. Traurig ist es aber, daß man davon spricht, cs sei doch eigentlich zu bedauern, daß die Herren Reformer allein getagt hätten, man hätte sich ja leicht verständigen tönen, und dann wäre die,.Einheit des amerikanischen Jndenthums" gerettet! Wenn der gewöhnliche gedankenlose Haufe also raisvnirt, dann ist das eben gedankenlos. Was soll man aber dazu sagen, daß auch sich orthodox oder konservativ nennende gelehrte Männer solches sagen'? Sehen Sie. daß ist da- Allertraurigste. Und darum ist auch nicht zu hoffen, daß es hier besser werden wird. Vielleicht, daß unsere russischen Brüder, die in unserm freien Lande sich in großer Zahl niedergelassen, es verstehen, die Fahne des einzig wahren JudcnthumS zu entfalten, und eine bessere Acra zu begründen. Von der deutschen und östrrreichischeu Einwanderung ist kaum etwas Erfreuliches in dieser Richtung zu erwarten. — Bezeichnend ist, daß in PittSbürg der Rede des Herrn Köhler, welcher der extremsten Reform das Wort redete, der Choral ״GotteS Lehre ist ohne Feh!" voranging. >O, meine Herren, wenn Gottes Lehre ohne Fehl ist, wie wollt Ihr sie dann einer ״Revision" unterwersen und sie adschaffen?! Das bedenken aber leider nicht nur die Reformer, sonderu auch die Orthodoxen nicht. Wahrheit bleibt doch zu allen Zeilen, was Cliah den Baalspiestern, den Revercnds der Reform des Reiches Israel, und dem von ihnen betrogenen Volke entgegenrief: entweder ist Gott Gott, nun so gehorcht ihm, oder der Baal ist Gott, nun so folgt ihm. Entweder ist das Judcnthum GottcS Gesetz, so befolgt cs, ist aber die Reform die Wahrheit, nun so folgt — nicht Köhler, Wise und Krauskopf — sondern euren eigenen Gelüsten und setzt Gott nud sein Gesetz ganz ab. Was redet Ihr aber von GotteS Wort und der heiligen Religion deS Judenthums? GotteS Wort ist Euch ja nicht GotteS Wort und das Judenthum ist Euch keine heilige Religion, Ihr verstoßet doch jenes und tretet dieses mit Füßen! Täuscht das Volk doch nicht, Reform-und Orthodox-Rabbiner — sprecht es aus, wie Ihr es wirklich meint! Ach — Ihr fürchtet, die Gemeinden seien noch nicht reif für Sure Weisheit. Ach — Euch ist es bange um Eure guten Stellen!