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Jeschurun · 1885-12-10 · Heft 50 (10.12.1885) · p. 798

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 50 (10.12.1885)
Article
Schweiz [Nachricht]
Date
1885-12-10
Page
798 (sequence 2)
Language
German
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798 sollte von auswärtiger Seite etwas gethan werden, um einer derartigen Agitation cntgegcntreten zu können. Wenn z. B. vom Rabbinen eine ״Erklärung" erschiene, daß das ״Schächten" ein Religionsgesctz und zu den Fundamentalgesetzen des JndenthumS gehört, daß ein Verbot der שחיטה einem Gewissenszwang gleich käme, ich glaube mit einer solch imposanten Erklärung wird viel gewonnen, denn wenn einer Behörde eine solche Erklärung einer großen Anzahl von Rabbinern Deutschlands, Oesterreichs und Frankreichs vorgelcgt würde, ]0 könnte sie sich der Berücksichtigung derselben nicht entziehen. (Wir können nicht benrlheilen, in wie weit die schweizerischen Behörden geneigt wären, das Gutachten auswärtiger Rabbiner zu berücksichtigen, wenn sie den einheimischen kein entscheidendes Gewicht beimessen. Vermeinen jedoch die Gemeinden der Schweiz, daß eine derartige Erklärung ihrer Sache nützen könnte, so mögen sic eine Aufforderung dazu ergehen lassen. Wir glauben, daß sich kein Rabbiner weigern wird, die gewünschte Erklärung abzngeben. Annrerk. d. Red.) Frankreich. * Paris. Man stellt in Frankreich den Israeliten nicht mehr die Alternative היש לבם אב או ארז der heutigen Sidroh. Haltet Ihr fest an dem Glauben der Väter, oder verbündet Ihr Euch mit uns? In dem Lande, in welchen! etwa sieben Generale, viele Oberstaatsanwälte, Direktoren des Unlcrrichtswesms. der Direktor des össcntlichen Sicherheitswesens, die Titnläre der höchsten Stufen der Magistratur aus der Mitte der Söhne Israels gewählt sind, macht man die Uniformität der Konfession nicht mehr zur Bedingung der Verbrüderung mit den übrigen Mitbürgern. Um so greller tönt ein Mißton in diese Harmonie, wenn, wie in voriger Woche bei Gelegenheit der Wahlprüfung des Depntirten von Oran, der frühere Polizeipräfekt Aiidrieux den Juden in gehässigster Weise den Vorwurf macht, daß sie die Wahl des opportunistischen Kandidaten entschieden aus Motiven, die als Bestechung bezeichnet werden müßten. Jeder weiß, daß es nur die Dankbarkeit Männern gegenüber wie Thomson u. A., die sich den Juden stets sympathisch und hülfreich erwiesen, gewesen ist, die die energische Betheiligung der Israeliten veranlaßt und allerdings den Sieg über die Radikalen entschieden Hai. Die Kammer hat demgemäß auch die Wahl mit einer ganz überwältigen Majorität für gültig erklärt, v! Es zeigen sich auch in Frankreich Symptome von ..Rischuß", die aber Gott sei Dank von der großen Gesammtheit des französischen Volks dcSavouirr werden. Rumänien. .. 2. Bukarest, 5. Dezember. Die Brutalitäten gegen dir Juden nehmen ihren ungestörten Fortgang. Die aus dem Lande cinlaufcnden Nachrichten bestätigen das furchtbare Geschick, welches man den Inden zu bereiten gedenkt und welches planmäßig, verwirklicht wird: die totale Vernichlung der jüdischen Vevökerung, welche vollständig הבקר erklärt und der schrankenlosesten Willkür eines jeden Primärs preisgegeben ist. Zunächst scheint man den Plan durchführen zu wollen, die Inden ans den Dörscrn zu verjagen, und geht hier mit der rigorosesten Strenge vor. Unter dem Vorgcben Inden feien Fremde, vertreibt man die Aermstcn von der Stätte ihrer und ihrer Eltern Geburt und gönnt ihnen nicht einmal die Zeit, ihre Schulden cinzukassiren und ihr nicht mobiles Besitzthum zu veräußern. So in Brustaraha, Dernianist, Bazan und anderen Orten. Wie soll daS enden? 8. Oda best! (Rumänien). Dezember. Wissen Sie, wie man bei uns mit Juden umgeht? Ein kurzweiliges Histörchen mag es Ihnen klar machen. Es handelt Gottlob nur von Chikane, nicht von Mord und Todichlag. Odabcsli ist wegen seines Weinbaus berühmt. ES liegt nicht weit von der österreichischen Grenze, und die Weinhändler, meistens Juden, kommen hierher, um die Ernte zu kaufen. So war es auch Heuer. Der Bojar Nicolai de Mitri Znozi besitzt nun einen der besten Weinberge, dessen Produkt unter dem Namen ״Zaharosti" bekannt ist. Nicolai zählt natürlich die jüdischen Händler zu seinen besten Kunden, weil sie die besten Preise zahlen. DaS Geschäft war abgeschlossen, die Lese ruhig verlaufen, der Wein auf die Fässer gesüllt Alles in Ordnung. Am'andern Morgen fanden aber die jüdischen Käufer zu ihrem Schrecken, daß der herrliche Wein, den sie von Herrn Nicolai gekauft hatten, über Nacht mit Petroleum vermischt worden war. Der Bojar lehnte eine jede Verhandlung darüber ab; er hätte den Wein am vorigen Tage übergeben, ihn kümmere gar nichts. So war denn den jüdischen Händlern aus Oesterreich ein sehr empfindlicher Schaden zugefügt worden. WaS sollten sie machen? — Da kamen die Fuhrleute, um den Wein aufzuladcn; aber Wein war nicht da, sondern ein ungenießbares Gemisch von Erdöl und Traubenfast, und das wollten die Händler nicht heimfähren lassen, dafür wollten sie nicht noch die Frachtkosten bezahlen. Es. kam zu einem lebhaften Streit zwischen Fuhrleuten und Händlern, welchen der anwesende Vertreter des Gesetzes dahin entschied: Es sei noch sehr entgegenkommend von den Fuhrleuten, wenn sie die durch das Pctroleun! schwerer gewordenen Fässer ohne Erhöhung des Fuhrlohnes befördern wollten. An eine Untersuchung -es Bubenstückes dachte man aber gar nicht. Vielmehr lachte man über den gelungenen.den Juden gespielten Streich. Und das waren doch aus׳ wärtige Kaufleute. Wie springt man erst mit. den Einheimischen um.

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