Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1885)
- Article
- Deutschland : Burgpreppach [Nachricht]
- Date
- 1885-12-10
- Page
- 796 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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796 Vor 12 Jahren übernahm er das Distrikts-Rabbinat zu Burgpreppach. Ucberzeugt davon, wie herrliche Früchte reifen müßten, wenn die jüdischen Lehrerseminare auf gut geleiteten Präparandenschnlen basiren, erweiterte er alsbald die hier schon so lange bestehende Talmud-Thora-Schule durch den Ankauf eines Hauses und Aufnahme einer größeren Anzahl Schüler. Ihn trieb nicht eitles, irdisches Verlangen, sondern die edelste Menschenliebe zu diesem Schritte. Sie war eS, die sein Augenmerk vor allem auf die Kinder der Armen lenkte, getreu den Worten unserer Weisen: ״ .הזד,יו בבני עניים כי מהם תצא תורהRichtet Eure Aufmerksamkeit aus die Kinder der Armen, denn von ihnen wird die GotteSlchre ausgchen." Welcher Selbst- Verleugnung aber bedurfte cs, um die Subsistenzmittel einer solchen Anstalt durch freiwillige Beiträge zu erschwingen! Beim Leichenbegängnisse des Verstorbenen hörte der Schreiber dieser Zeiten einen christlichen Geistlichen sich hierüber also äußern: ״Die Selbst- Verleugnung, Uneigennützigkeit und der Feuereifer dieses Mannes können nicht genug bewundert werden, und diesen ist es auch gelungen, das zu leisten, was wir vor uns sehen." Ja, seinem Feuereifer konnte nicht leicht Jeinand widerstehen, Jeder, der ih!n nahckam, wurde begeistert von dem Manne der Gottbegeisterung. Nasch blühte sein in Gott gegründetes Werk aus. Unablässig, rastlos, יומם ולילה, arbeitete er an dem Werke, das er sich zur Lebensaufgabe gemacht. — Wer des hohen Glückes theilhaftig wurde, sein Schüler zu sein, dem ist cS bekannt, welche Energie, mit wahrer Liebe gepaart, dem großen Lehrer inne wohnte. Ich sage: ״großer Lehrer", denn wahrlich, dieser edle Verblichene vereinigte in sich so Vieles der großen Meister der Belehrung. Wo hätte je ein Schüler ein trcsflichercS Beispiel des Fleißes gefunden, als an dem unermüdlich Großen, der, erhob er sich nach 3 Uhr Morgens vom Bette, schon zu sägen pflegte: ״Erhübe heute wicdrr einmal verschlafen und einen Theil der für ימוד התורה*? bestimmten Zeit versäumt!" Wo finden wir ein leuchtenderes Beispiel der Pflichterfüllung, als bei dem verklärten Leiter der hiesigen Talmud- Thora-Schule, der nicht selten, wenn ihn Berufspflichten in einen Ort seines NabbinatS riefen, die dadurch sonst ausfallenden Unterrichtsstunden früh Morgens vor seiner Abreise oder spät Abends nach seiner Ankunft crtheilte! Welcher seiner Schüler kennt ihn nicht als den geduldigen Lehrer, der auch den noch so gering Beanlagtcn geistig emporzubringen suchte! Mit welcher herzlichen Freundlichkeit wurde Jeder von ihn! empfangen. Wie liebevoll begegnete er den Schülern, wenn sie cintraten, mit welcher Herzlichkeit entließ er sie in die Ferien und wir freudig hieß er sie nach Beendigung derselben willkommen. Wer könnte solcher Gelegenheit als Schüler des geliebten Lehrers, ohne gerührt zu sein gedenken! — Wahrlich, er hieß nicht nur צבי, sondern war auch רץ כצבי ונבור בארי, schnellfüßig wie ein Hirsch, den Willen Gottes zu bethätigen! Dafür ist eS ihm auch gelungen, daß er, obwohl er keine Kinder hatte, gleich ^יום sagen konnte: "בני הם אשר נתן לי אלוד׳בזה. Selbst in dieser Zeit, in der eS so schwer fällt, goltcSfürchtige Jünglinge zu erziehen, ist ihm dieses Ideal seines Lebens geglückt. — Er glich der strahlenden, lichtspendenden Kerze, die allen אור zu bringen trachtet, aber sich dabei anfzehrt. Von einem frommen Jehudi ob seiner unendlichen Thätigkeit einst mit den Worten לא עליך המלאכה לנמר angeredet, erwiderte er: ולא אתה הורץ ונו׳ p. Ueberall suchte er thätig zu sein. Trotzdem seine Tage wenig waren — er starb, leider erst 48 Jahre alt — hat er doch so vielen guten und religiösen Interessen seine Kraft mit Erfolg gewidmet. An sich dachte er stets zuletzt. — Gleich groß war er nach Außen, gleich groß nach Innen, in seinem Privatleben, rein und lauter. Er war nicht anders, als er sich gegeben. Ideal war sein Sinn, erhaben sein Denken und gerade so sein Handeln. נקי כבים וכר לבב. Sein physisches Leben war so lauter wie sein geistiges. Daran! können wir auch von unserem theueren רבו mit der größten Berechtigung sagen, daß er die an den Erzvater Abraham gerichteten Worte: היה תמים vollkommen bethätigtc, denn er diente Gott im Geheimen, er diente Gott vor der Oefsentlichkeit. Mögen alle, die seinen Tod beweinen, darin Trost finden, daß er in seinen Werken ewig fortleben wird. — Möge vor Allem die Anstalt, welche er ins Leben gerufen, geordnet und geleitet hat, von dem Wohlwollen und der Hingebung seiner Freunde getragen, sein Andenken verewigen im Kreise der Sterblichen. O e st err ei ch-Ungarn. 8. P. Ans Ungant, 4. Dezember. Sehr lobenSwcrth ist das energische Memorandum der Durchführungskommission an das Kultusministerium, in welchem verlangt wird, daß auch gegen die Orthodoxie keine Sondergesetze erlassen werden mögen, daß auch gegen sie ohne Vorurtheil und den Verhältnissen angemessen vorgegangen werden möge. DaS Matrikenwesen sei schon jetzt ein mustergültiges und bessere sich täglich; einzelne Vernachlässigungen kämen bei jeder Konfession vor, und die Fehler Einzelner seien nicht der Gesammtheit anzurechnen. Mehrere Matrikeuämter in derselben Gemeinde verursachen durchaus keine Lockerung im Matrikenwescn, da z. B. in Großwardein, Preßburg eine und dieselbe Konfession mehre Matrikeuämter hält. Der Zweck des Erlasses könne doch nicht gewesen sein, die Grundlagen der orthodoxen. Konstituirung zu er-