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Jeschurun · 1885-12-10 · Heft 50 (10.12.1885) · p. 795

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 50 (10.12.1885)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1885-12-10
Page
795 (sequence 1)
Language
German
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795 v. Frankfurt a. Main, 8. Dezember. Zur Jllustrirung der viel berufenen Schächtfrage dürste gewiß die von der hiesigen Fleischer-Innung erlassene Kundgebung einen höchst interessanten Beitrag liefern. Die Thatsache ist nun einmal nicht weg zu bcrnon-־ striren, daß das Schächten, abgesehen von der religiösen Bedeutung, auch die humanste der bislang geübten Schlachtmethoden ist. ES stellt den hiesigen Metzgern ein rühmliches Zeugniß aus, daß dieselben, wie cö in der ojsizicllcn Kundgebung heißt, die meisten Thiere schachten lassen. Die Kundmachung lautet wörtlich: ״Nachdem verschiedene Zeitungen über die Thütigkeit des im städtischen Schlacht Hause angestetlten Schlägers Berichte enthalten, die der Wahrheit nicht entsprechen, unsere dagegen eingesandten Berichtigungen aber aus uns unbekannten Gründen nicht ausgenommen wurden, sehen wir uns genölhigt, Nachstehendes zu veröffentlichen, indem wir uns jeden Kommentars dazu vorläusig enthalten. Die meisten Thiere wurden, in Folge der Abneigung, sich des angestelltcn Schlägers zu bedienen, geschachtet. Um nun die Thätigkeit des Schlägers bei denjenigen Thiercn, welche vor Oeffnen der Halsader durch das Beil betäubt werden, zu illustrircn, diene nachfolgende, den thatsächlichen Verhältnissen entsprechende Tabelle: Es erhielten bis zum Sturz und vollständiger Betäubung: 1) der Ochse des Metzgermcister Pseifser 9 Schläge, 2) der Ochse des Metzgermcister Feldmann 8 Schläge, 3) der Ochse des Metzgermcister Nullmann 8 Schläge, 4) der Ochse des Metzgermeisler Heydtcr 7 Schläge, 5) der Ochse des Metzgermeister Quirin 7 Schläge, 6) der Ochse des Metzgermcister Grubcr 5 Schläge, 7) der Ochse des Metzgermcister Grubcr 7 Schläge, 8) der Ochse des Metzgermcister Men stell 6 Schläge, 9) der Ochse des Mctzgcrmeistcr Halm 6 Schläge, 10) der Ochse des Metzgermcister Pfeiffer 16 Schläge. Frankfurt 6. M., den 5. Dezeniber 1685. Der Vorstand der Fleischer-Innung. * Gückcburg, 30. November. Am 17. Dezemder wird hier gegen den Redakteur der in Stadthagcn erscheinenden ״Schaumb.-Lipp. Lcmdesztg." (konservativ) eine Anklage wegen Beschimpfung der jüdischen RcligionS- Gesellschaft (Z 166 des Str.-G.-B.) verhandelt. Der Angeklagte hat in seinem Blatte es als eine gesährliche Bestimmung hingestellt, daß die Zuziehung der Rabbiner bei jüdischen Eidesleistungen abgcschafjt sei, ״zumal der begründete Verdacht vorliege, daß die Juden sich von falschen Eiden religiösen Dispens erholen zu können glaubten." Dü׳ Anklage ist erhoben zufolge einer Denunziation des hiesigen Synagogen Vorstandes. Angeklagter will den Beweis der Wahrheit durch Bernehmnng von Sachverständigen antretcn. (K. V. Ztg. L K. Burgprcppach, 5. Dezember 1885. Wenn schon das Scheiden eines jeden wahrhaft Frommen eine fühlbare Lücke verursacht, selbst wenn derselbe nicht als מנהיג dastand, um wie viel tiefer wird der Riß sein, den der Tod eines Mannes verursacht, der als eine weithin strahlende Leuchte, als Tugend- und Gc iß es Held glänzte! Ja, eine tiefe, klaffende Wunde hat nnS der unerbittliche Tod durch das so frühe Ableben unseres heißgeliebten Rabbiners und väterlichen Freundes Rabbi Abraham -Hirsch ז׳צ׳ל geschlagen. Trauernd nur standen wir in dieser Woche sein Grab. Ach, die Augen haben sich geschlossen, die so treue Wache hielten! Ach, das Herz schlägt nicht mehr, das für das Wohl der ganzen Welt pulsirtc! Ach, der Geist, indem es einstens so licht war, hat sich auf immer seinem Schöpfer empföhle«!! Wessen Auge konnte sich der Thränen enthalten ob deS ungeheueren Verlustes, der nicht nur die hiesige Gemeinde, die Talmud-Thora-Schule und den Distrikt, sondern das ganze Judenthnm getroffen! Keines der treuen Glieder seiner Herde, die er noch vor wenigen Monaten zu hüten bestrebt war, keiner der zahlreichen als Lehrer wirkenden Schüler des Verblichenen, keiner der aus Nah und Fern herbeigecittcn Leidtragenden, keiner, dessen Herz noch warm für die Thora schlägt und den Entschlafenen kannte, blieb unberührt. עיני עיני ירדה מים. Unser Auge zerfließe in Thränen, denn sie haben einen großen Mann begraben, und nnS war er mehr; uns war er Lehrer, Wohlthäter und Freund. — Gestatten Sic, geehrter Leser, cs dem Schüler, daß er Ihnen in wenigen U!«rissen ein Lebensbild des vielgeliebten zu Gott Heimgegangenen Lehrers entwerfe. Rabbiner Abraham Hirsch entstammte einer schlichten und acht religiösen Landfamilie. Schon frühzeitig zu allen! Guten angehalten, — seine Mutter ertheilte ihm in Ermangelung eines Religionslehrers den Unterricht — wuchs er unter der Obhut seiner Eltern zum befähigten Knaben heran. Seine Eltern brachten ihn frühzeitig zu einem tüchtigen רב, dem hochgeschätzten Rabbiner Schüler zu Autenhausen, bei welchem er so weit im Wissen gefördert wurde, daß er später mit Erfolg an den ^'^-Vorträgcn des berühmten Würzburger Rabbiners S. B. Bamberg er ז׳צ׳ל lheiluehrncu konnte. Nachdem er längere Zeit den Worten dieses großen Gelehrten gelauscht, auch als Lehrer an der israelitischen Gemciudeschnle zu Würzburg snngirt hatte, bezog er die Universität zu Berlin, woselbst er so glücklich war, in dein Rabbiner Michael Landsberger ז׳צ׳ל einen רבי zu finden. Noch-!!!als wandte er sich hernach nach Würzbnrg, um sich fast nur dem Thsrastudrnm zu widmen. Von dem Grundsätze geleitet, daß unsere Jünglinge ln Thora und profanem Wissen gleich gut unterrichtet werden müssen, gründete er zuerst zu Miltenberg und dann zu Mainstockherm eine Schule für israelitischL Zöglinge.

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