Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1885)
- Article
- Österreich-Ungarn : Budapest [Nachricht]
- Date
- 1885-12-03
- Page
- 782 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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782 geworden von der hiesigen ungarischen Zeitung ״Szcmle" ein klein wenig angegriffen worden zu sein. In ihrem Novembcrheft erwähnt sie mit Ironie und Schadenfreude. was der orthodoxe Rabbiner D1\ Ehrenfeld vor Gericht ausgesagt und wie ihn deswegen der orthodoxe ״Jeschnrun" aus Hannover aufs Korn genommen. — Die ungarische Zeitung ״Szemle" hätte natürlich nicht den moralischen Math, die Fehler eines ManncS ״ihrer Färbung" btoßzulcgcn und zu geißeln; zu einem solchen Unternehmen braucht man ja GesinnnngStüchtigkeit und Konsequenz! Doch hat sich die ungarische Zeitung ״Szemle" die Lektion, die wir ihr vor Jahresfrist in diesen Blattern erthcilt,' hinters Ohr geschrieben. In dem eben ausgegebencn Dezemberhefte zählt sie ihre ״Mitarbeiter" auf, und die famose Liste der Ob er-Rabbiner hat einer bescheidenen Liste von Rabbinern Platz gemacht. Tins Mähren, November. In dieser geschätzten Zcitschrist ist schon ost ein kräftiges Wort zur Warnung vor dem der cisleithauischen Judenheit drohendett Danaergeschenk eines israelitischen Konsistoriums gefallen; und wahrlich, es kann nicht eindringlich genng gewarnt werden vor einer Institution, welche nnzweifel- Haft das geeignetste Werkzeug ist, um den Reformgelüsten Vorschub zu leisten und das gesetzcStreue Judenthum zu vernichten. Leider, leider, ist aber die Gleichgültigkeit in unseren Kreisen so groß, und man verläßt sich viel zu sehr auf die Macht der guten Sache, daß man zu bequem ist, die Gefahren zu erblicken, welche derselben drohen. ״ES wird nicht so schlimm werden", ״was kann man thun?" solche Aeußerungen und ein Achselzucken ist Alles, was man zu hören hat. wenn man über dieses Thema spricht. Uebrigens sollten auch die reformsuchtigen Gemeinde- Vorstände und Rabbiner es sich zweimal überlegen, bevor sie diese Institution als eine ihnen heilbringende Veranstaltung anjubeln. Die Gcmeindevorstände und Rabbiner — auch die Reformhelden — werden nur zu bald die Geißel fühlen, welche ein allmächtiges Konsistorium über sie schwingt. Sie werden nur zu bald einsehcn, daß sie sich ihrer Selbstständigkeit gänzlich entkleidet haben, wenn wir erst eine Konsistorialvcrfassung haben und sie nur die gehorsamen Diener der Befehle werden, welche ihnen das Konsistorium diktirt. Hoffentlich finden sich doch noch in den Kronländern Mähren und Böhmen einige einflußreiche und Lhatkräftige Männer, welche das furchtbare Monstrum eines israelitischen Konsistoriums nicht zur Geburt kommen lassen werden. — Ein mäheischer בעל הבית. 8. P. Aus Ungarn, November. Auch die jetzt beginnende Session des ungarischen ReichSrathes eröffnet ein Jndcncrlaß. Minister v. Trefort erließ dieser Tage eine Verordnung zur Regelung des jüdischen MatrikenwescnS. Der Minister theilt ganz Ungarn in Matrikcnbezirke ein, so daß jede Ortschaft nur einem Matrikcnamte zuständig sein kann. Weiters verordnet der ministerielle Erlaß, daß jeder von nun an anzustellende Matrikenbcamte vier Mittelschulkiassen absolvirt haben muß und nur eine rabbunsche Person sein darf. Es muß zngeslanden werden, daß dieser Erlaß manchem UfbeUtanbc abhilft. Es giebt nämlich viele Ortschaften, in welchen nur einige Juden wohnen, von denen jeder zu einem anderen Matrikenamtc gehört. Jene Versügung des Erlasses aber, welche besagt, daß sogar die jetzt bestehenden mehreren Matrikcnämter in demselben Bezirke — natürlich ohne Unterschied, ob das eine ncolog das andere orthodox war — zu einem Amte zu vereinigen seien, welches immer die größere Gemeinde behält, läßt klar durchblicken, daß das eben dieses beantragende Memorandum der neologen Distrikts- Präsidenten die unmittelbare Triebfeder dieses Erlasses gewesen. Nun giebt es aber auch getheilte Gemeinden, wie z. B. Prcßburg, Großwardein rc., in welchen die orthodoxe Gemeinde die Mehrzahl bildet, in Folge dessen die neologe Gemeinde ihr Matrikenamt verlieren würde, was aber durchaus nicht in den Intentionen der DistriktSpräsidcntcn gelegen hat. So mußte denn ein Hintcrpsörtchen offen gelassen werden, durch welches die heilige neologe Schaar dem rothen Stabe entrinnen kann. Erwähnter Erlaß erklärt nämlich, daß über Versicherung einer Gemeinde, daß sie stets einen qualifizirten Matrikenbcamten anstellen wird, das Kultus- Ministerium als höchste Instanz die Belastung der Matriken verordnen kann. Uebrigens hängt es größtentheils von der Berücksichtigung oder Nichtbcrücksichtigung der Rekurse, welche wohl jede durch den Erlaß betroffcnc Gemeinde cinreichen wird, ab, in welchem Sinne dieselben das Schreibpult unseres Herrn Kultus- und UnterrichtSnlinister's verlassen. Frankreich. *** Paris, 1. September. Es verdient in Bczug auf den von Ihrem Korrespondenten erwähnten Bau der neuen Mikweh, der jetzt vollendet, hervorgehoben zu werden, daß sich dabei auch die höchsten Finanzkrcisc, wie die Familien v. Rothschild, v. Hirsch, Heine rc., bcthciligt haben. Es ist dies ein Umschwung zum Bessern, denn cs ist hier noch in Erinnerung, wie bei dem Bau der vorigen Mikweh der Großrabbincr!nit dem Argument interveniren mußte, daß wenn man aus Rcformgründen dieses Institut nicht unterstutzen wollte/das bei dem Mangel an religiösen Eifer dem Budget einen erheblichen Ausfall verursachte, man gerechter Weise auch den immensen Ucberschuß nicht akzeptircn dürfe, der dem Gemcindebudget aus den Einnahmen das Schcchitahwcsens zu erwachsen pflegte.