Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1885)
- Article
- Deutschland : Saarlouis [Nachricht]
- Date
- 1885-12-03
- Page
- 781 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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781 dermaßen aus Lcbach berichte: Wie uns von verschiedenen Seiten mitgethcilt wird, kursieren hier und in der Umgegcnd die widersprechendsten Gerächte über die Bcstrcbungen des am hiesigen Orte jüngst gegründeten Zweig- Verbandes des .,Trierschen Bauernvereins." Namentlich ' scheint man stellenweise der Ansicht zu sein, als ob die Tendenz des Vereins ihre Spitze gegen die jüdischen Handelsleute kehre, ja, cs soll öfters die Behauptung gefallen sein, als ob der Verband eine Ausschließung der jüdischen Kaufleutc von den Lebachcr Märkten betreibe. Demgegenüber sei folgendes konstatirt: Wenn schon das Statut des ״Tricrschcn Bauernvereins" laut seiner Paragraphen (vcrgl. §§. 2 und 3) mir int allgcmeinen ohne jede Rücksicht auf bestimmte KonfessionS- oder Gesellschaftsklassen dem Wucher in jeder Abart des gesellschaftlichen Lebens cntgcgenzutretcn als seine Aufgabe bezeichnet, so hat insbesondere der Lebacher Verein sich speziell veranlaßt gesehen, in der sehr zahlreich besuchten Versammlung von Sonntag, den 22. d., nachstehende, mit allgemeinem Beifalle aufgenommcne Erklärung abzugebcn: ״Der Verein strebt nur darnach, sowohl dem Wucher im gesetzlichen, als auch im weiterm Sinne eine Schranke zu setzen; er sucht deshalb besonders dem geringeren, unbemittelteren Mann sowohl im Mobilarwie Jmmobilar-Lerkehr gegen ungerechtfertigte Uebervortheilungen und vor Geschäften zu schützen, welche geeignet sind, den unerfahrenen Mann nach und nach durch allerlei verwerfliche Manipnlationen und Kniffe um sein ganzes sauer verdientes Vermögen zu bringen. Um dieses, auch in anderen Bereinen erstrebte Ziel, zu erreichen, wird der Verein frei und offen, ohne jedwede Scheu Jeden, welcher Wucher treibt, abgesehen von seinem religiösen Bekenntnisse, öffentlich namhaft machen und, womöglich, zur gerächt- Lichen Verfolgung zu bringen suchen. In Ausführung dieses Prinzips irgend eine Neligionsgesellschaft aus dem Handel verdrängen zu wollen, liegt dem Vereine fern, und es steht jedem Mitglicdc des Vereins frei, zu kaufen und zu verkaufen von -wen und an wen cs will; die VereinSmitglicdcr wollen nur reell und redlich behandelt sein." — Sollte cs wahr sein, wie gerüchtweise verlautet, daß gewisse Händler, sich getroffen fühlend durch die Ausführung obiger Grundsätze, eine Vereinbarung geschlossen, sich durch gänzliches Fernbleiben von den hiesigen Märkten an dem Vereine rachen zu wollen, so ist cs jedem Einsichtigen klar, daß solche Leute dnrch besagtes Gebaren sich ein Präjudiz schaffen werden bei allen redlich Denkenden. Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß weder aus dem vorletzten, von jüdischen -Handelsleuten stark besuchten, noch auf dem letzten, von jüdischen Handelsleuten gemiedenen Markte, auch nur das geringste Anzeichen bemerkbar war, daß seitens der Vereinsmitgliedcr etwas zur Schädjgung jüdischer Handelsleute beabsichtigt worden oder geschchen wäre. Die Eingangs gemeldeten Gerüchte entstammen also offenbar gewissen, dem Vereine nicht günstigen Anschauungen; ob letztere auf Jrrthum oder Ehikane beruhen, lassen wir dahingestellt. Die Zukunft wird cs lehren, daß der Verein, nur obigen Grundsätzen folgend, seinem Programm in jeder Hinsicht treu sein wird. Holland. 8. L. 3(!!1ftct&c11!t, 24. November. Gestern wurde in der portugiesisch-israelitischen Gemeinde ein Vorbeter gewählt. Die Stimmberechtigten trasen fast alle in dem dazu bestimmten.Lokale ein. Es wurden 278 Stimmen abgegeben, wovon Herr E. M. A. Bega 155 erhielt und somit gewählt ist. Nachdem derselbe zum Vorbeter ernannt worden war, versammelte sich eine große Anzahl von Menschen auf dem Meier- Daniels-Plein, wo das Lokal ist, und freute sich über diese Nachricht. Es wurden zwei Schamosim in hohem Ornat abgcschickt, um ihn von seinem -Hause abzuholen. Als Herr Vega nun nach dem Meier-Daniel-Plein anlangte, wurde er von der Menge, welche auf der Straße stand, mit dem Gruße ״Boruch habo" empfangen, das aus tausend Kehlen erschallte. Die ganze Vornähme der Wahl und deren SchlußaktnS ist echt altamsterdamscher Art und wird anderswo sicherlich nicht mehr angctrosfen. Oesterreich-Ungarn. G. Wien, 29. November. Der wegen seine Schrift: ״Sollen die Juden Christen werden?" und mancher anderer unreifer und ungereimter literarischer Sünden bekannte Herr Isidor Singer war gegen die Herren Joseph Winter und Engelbert Pcrnestorfer, welche seine schriftstellerische Thatigkcit unter dem Titel ״Ein neuer Literatur Schädling" unwirsch beurtheilt hatten, als Klager ausgetreten. Die Beklagten wurden frcigesprochen. Der Bcrtheidigcr Dr. Eppiugcr machte mit Recht geltend, daß Singer selbst eine Scheidewand zwischen sich und seine Gesinnungsgenossen und den frommen gaüzischcn Inden ziehe, für jene völlige Gleichberechtigung fordernd, für diese aber nicht; und ferner: daß er von dem Kardinal Ganalbaucr auf seine Bitte eine Unterstützung von 100 Gulden erhalten habe, trotzdem er in verletzendem Tone auch über den Klerus geschrieben habe. Singer konnte diese ihm gewordene Subvention nicht in Abrede nehmen. Der Vcrthcidiger meinte ferner, daß Singer, welcher bald diese bald jene Meinung vertrete, seinem Glauben und dem Iudenthum zur Schande gereiche. D1\ W. Budapest, Ende November. Sie wissen gar nicht, daß Ihrem ״Icschurun" die Ehre zu Theil