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Jeschurun · 1885-12-03 · Heft 49 (3.12.1885) · p. 780

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 49 (3.12.1885)
Article
Deutschland : Würzburg [Nachricht]
Date
1885-12-03
Page
780 (sequence 2)
Language
German
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780 sich hier das Gerücht über das Hmscheidcn Sr. Ehrwürden des Herrn DistriktsrabbinerS Hirsch zu Burgpreppach, und leider bestätigte sich heute nur zu bald diese traurige Nachricht. Mitten in seinen besten Wirkungsjahren, — der Verblichene zählte erst 47 Jahre — wurde derselbe von der unersorschlichcn Vorsehung abberufen. Geboren in Poppenlauer (Bayern) von schlichten aber braven und frommen Eltern, zeigte ec schon als Knabe besondere Liebe und energischen Fleiß für das Studium unserer heiligen Lehre. Dieser unermüdliche Fleiß begleitete ihn durch sein ganzes, leider allzu kurzes Leben. Berlin und Wnrzburg waren die Städte, in denen er sich nicht allein in den profanen Wissenschäften, sondern ganz besonders auf dem Gebiete der jüdischen Literatur ausbildete. Sr zahlte zu den tüchtigsten Schülern des seligen Distriktsrabbiners S. Bamberger ז׳צ׳ל dahier und des Or. Hildesheimer נ"י zu Berlin. Daselbst hatte er sich auch der Gunst des Gelehrten Steinschneider in hohem Maße zu erfreuen gehabt. Ausgerüstet mit solchen Kenntnissen, gründete er zu Miltenberg ein Knabcninstitut. das er später nach Mainstockhcim verlegte. Von hier aus wurde er ungefähr vor zwölf Jahren als Rabbiner nach Burgpreppach berufen. Jetzt erst entfaltete der Verblichene seine volle Kraft als Rabbiner und Lehrer. Die daselbst unter ihm mit vielen Mühen und Kosten entstandcne Prüparandenschule trug sehr gute Früchte. Die in die hiesige LehrerbildungS Anstalt von dort aufgenommenen Schüler zählten in der Regel zu den besseren. — Es ist nun nicht unsere Aufgabe, zu schildern, was und wie er gewirkt hat, dies überlassen wir einer geschickteren Feder und denen, die ihm näher standen. Wir fühlten uns veranlaßt, in Ihrem geschützten und viel gelesenen Blatte Liesen Verlust, den das Judeuthum durch das Ableben des Verblichenen erlitten, zu konstatiren. Möge das von dem Derblichcnen begonnene Werk in seinem Geiste weiter geführt werden und ihm darin das herrlichste Andenken gestiftet werden. Oer wahrhaft Gerechte bedarf keines Denkmals von Stein und Erz, das ihn überlebende von ihm gestiftete Gute ist seines Namens würdigste und ewig dauernde Verherrlichung. 'ת׳נ׳צ׳ב׳ה. M. F. Br es!an, 29. November. Es sind schwerwiegende Gründe, die schon das zweite Mal nach so kurzer Zeit dazu drängen, vor die Oeffentlichkeit zu treten. Der seit dem l. Mai e. hier bestehende שמרי ״-.^'-Verein, dessen Gründer und Leiter keine Mühen und Opfer gescheut haben, um nach ihren Kräften der überhand nehmenden Sabbathschändung zu steuern und dem Tage zu seinem früheren Rechte zu verhelfen, hat leider imnier noch nicht die Ausdehnung und den Erfolg errungen, wie cs nach den ersten Aussichten den Anschein hatte. Zu unserem riefen Bedauern sehen wir die Förderung des Vereins auf Hemmnisse stoßen, die auf die Lauheit vieler Rabbinen zurückzuführen sind. Sagen wir cs offen heraus, die Schuld an diesem Ucbelstünde tragen diejeuigen Herren, die der an sie ergangenen Aufforderung, uns ihre Hand zu bieten, die nöthige Rücksicht bisher versagt haben. Wir gestatten uns daher die nochmalige dringende Bitte an alle, denen die Beobachtung deö alten Sabbathgesetzes am Herzen liegt, besonders aber an die Herren Rabbinen und Leiter der Gemeinden, uns vor allen diejenigen Firmen ihres Ortes auszugebcn, die am Sabbath geschloffen halten und sie zum Beitritt zu veranlassen. Viele der Herren Kollegen haben dies bereitwilligst gcthan. Dadurch kann der Verein in die Lage kommen, seine segensreiche Thätigkeit im vollen Umfange entfalten zu können.!׳. Hamburg, 26. November. ״Die Gänse haben wieder einmal das Kapitol...," Pardon, die amerikanischen ״Rabbiner der resormirten hebräischen Kirche" haben wieder einmal das Judcnthum gerettet; wenigsie ns berichtet die hiesige ״ Börsen-Halle": ״Unter den amerikanischen Israeliten ist eine Bewegung im Gange, aus Zweckmäßigkeitsgrüuden den wöchentlichen Feiertag von Sonnabend auf den Sonntag zu verlegen. Die Bewegung scheint Erfolg zu haben. Wie aus Pittsbarg gemeldet wird, faßten die am 18. November dort versammelten Rabbiner der resormirten hebräischen Kirche eine Resolution des Inhalts, daß nichts im Geiste des JudenthumS oder irgend welche Gesetze die Abhaltung von Gottesdiensten an Sonntagen verhindere." .— DaS genannte Blatt giebt nicht an, welche׳.׳ Quelle dieser Bericht entstammt, wir müssen ihm deshalb die Verantwortung dafür übcrlaffen. ״Rabbiner der resormincn hebräischen Kirche" klingt übrigens sehr gut; der Erfinder sollte sich den Ansdruck patentiren lassen, die Breslauer Schule würde sicher das Patent für Deutschland erwerben. Um in ״hochehrwnrdiger" Bcrsannnlnng zu beschließen, daß nichts .,die Abhaltung von Gottesdiensten an Sonntagen verhindere," hätten aber die Gänse nicht zu schnattern brauchen, das weiß jeder jüdische Schulknabe, der etwas von Schachariß, Minchah und Maariw gehört 'hat. Doch halt, ich habe etwas vergessen! Bei diesen Gottesdiensten wird ja nicht-gepredigt!! *** Saarlouis, 29. November. Der in der vorigen Ausgabe des ״Jeschnrun" erwähnte und ausgeführte Entschluß vieler israelitischer Gcschäftslcntc: sich des Besuchs des Kram- und Bichmarktes in Lebach zu enthalten, soll durch eine jüngst daselbst bei Gelegenheit der Versammlung des Trierschcn Bauernvereins in Szene gesetzte Diskussion über den Wucher, welcher den Juden in die Schuhe geschoben wurde, hcrvorgerufen fehl- Das hiesige ״Journal" Läßt sich weiter folgen-

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