Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 49 (3.12.1885)
- Article
- Deutschland : Berlin [Nachricht]
- Date
- 1885-12-03
- Page
- 779 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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779 nächsten Jahres ins Leben treten. Die Herren F. von Arenftorfs, Gutsbesitzer in Krümel bei Mirow m Mecklenburg, H. Korff, Kaufmann in Hamburg, Wichert, Inspektor in Quitzobel bei Wilsuack, A. de GrousillicrS, Redakteur und Verlagsbuchhändler in Berlin, haben sich in einem Ausruf mit einen: Gesuch um Beisteuer zu diesem Unternehmer an die Gesinnungsgenossen gewandt. Es heißt in dem Aufrufe, daß der größte Thcil des nothwendigen Kapitals bereits aufgebracht sei. und daß nur noch 2000 ,J& fehlten, welche crforfccr־ lich sein würden, um das Unternehmen mir dem nöLhigen Nachdruck ins Leben rufen zu können. Wem es seine Verhältnisse irgend gestatten, möge einen Beitrag von mindestens 500 zur Begründung des Blattes darleihen. An Stelle der üblichen Verzinsung würde jedem Darleiher ein Freiexemplar der ״Wahrheit" überwiesen werden, was bei dem Betrage von 500 J& einem Zinssatze von etwas über drei Prozent entspricht. Mit Denjenigen, welche einen größeren Betrag zu zeichnen bereit sind, sollen besondere Abkommen getroffen werden. Der Antisemitismus ist also noch nicht im Absterben bcgriffen. Er treibt neue Schößlinge. 1 Danzig, Ende November. Ob das alte Danzig mit seinen fünf קהלות nicht besser war als das jüngst gegründete mit seiner einzigen, das ist eine offene Frage. So viel dürfte aber doch wohl seststehcn, daß Danzig nicht zum Besten berathen war, als es sich von einen! glänzenden äußeren Schimmer blenden ließ. Das alte יען כי מאם העם הזה את מי השלח ההלכים לאם gilt nicht blos für die Zeiten des Königs Achas. Für den mit den hiesigen Verhältnissen Vertrauten genüge diese רמיזא. — Also eine neue große prächtige Synagoge wird das sichtbare Denkmal der Vereinigung der ה' קהלות sein und aus denr Grabe derselben erstehen. Wird diese Synagoge eine Orgel erhalten? Es ist kaum daran zu zweifeln, es sei denn etwa, daß man sie zu thcner findet. Die ״Israelitische Wochenschrift" führte kürzlich zu dieser Frage ein Gutachten des Herr!! Or. Jellinck in Wien ins Gefecht. Dasselbe beginnt mit den Worten: ״Die Orgelfrage ist längst von den Gemeinden in Paris, Berlin, Pest. Frankfurt a. M., Breslau, Hamburg, München, Karlsruhe, Leipzig, Dresden, Kassel, Erfurt, Königsberg u. s. w. praltisch gelöst worden, indem die genannten Gemeinden seit Jahren eine Orgel beim Gottesdienste gebrauchen. Diese Gemeinden repräsentiren über 300000 Juden, die so viel werth sind, wie die Hand voll Menschen in Ihrer Nähe, welche gegen die Orgel opponircn." DaS ist allerdings eine sehr bequeme und ganz neue Art deö ״Paßkcnm". Mar! konnte ebenso auch sagen, die SabbaLh- und Speffegcsetz-Frage ist längst praktisch gelost worden, da es wohl über 300000 Juden giebt, die am SabbaLh-arbeiten und מאכלות אפורות genießen! Ja, ans diese Weise gelangen wir zu einer eigmlhnrnlichen הריאה, und man thäte eigentlich recht, die Rabbiner abzuschaffen und die Rabbinerseminare zu schließen. Man löst doch religiöse Fragen am geeignetsten auf diesen! praktischen Wege. (UcbrigenS hat Herr Dr. Jellinck auch vergessen, daß in allen den genannten Gemeinden eine bedeutende Anzahl Israeliten vorhanden ist, welche die Orgel in der Synagoge perhorresziren und sich in besonderen Gotteshäusern zürn Gebet zusammenfinden, thcilweise auch besondere Gemeinden bilden. Bezeichnend ist, daß er Hamburg mitzählt, wo der Orgeltempel nur eine Minorität von Verehrern hat. In edler Freigebigkeit zählte Dr. Jellinck anscheinend die gesammte jüdische Bevölkerung dieser Städte als Orgelverehrer. Auffallend ist es auch, daß er seine eigene Gemeinde vergessen hat. Anm. d. Red.) N. M'ürzburg, 27. November. Den: soeben ausgegebenen Rechenschaftsberichte über die hiesige israelitische Lehrerbildungs-Anstalt für das cinundzwanzigste Jahr ihres Bestehens sind folgende intereffante Daten zu entnehmen. In diesem Jahre haben 1 4 Zöglinge derselben die Lehrerprüfung am königlichen Schullehrerseminar theils mit der Note ״gut", thcilS mit ״sehr gut" bestanden, so daß die Gesammtzahl der in der Anstalt Ausgebildcten und in die Praxis Entlassenen auf 164 gestiegen i[t. Die Anstalt wurde von 33 Zöglingen srequentirt, von welchen 12 außer freien: Unterricht unentgeltliche volle Pension erhielten, während 5 die Beköstigung ganz und 14 dieselbe theilweise bezahlten und 2 als Externe aufgenourmen wurden. — Das für die Anstalt erworbene neue Gebäude bewährt sich in jeder Beziehung. Die regelmäßigen Ansgaben belaufen sich auf 17697.14 wovon 7333.20 Jk auf Gehalte, 1056.08 auf Küche und Beleuchtung, 2087.16 Ji auf Metzger, 1975.48 auf Bäcker, 144.46 J6. auf Biktnalien, 232.58 auf Heizung, 200 Ji auf Dienstbotenloh!!, 2300 JL auf Verzinsung der .Hypothekenschuld u. s. w. famcn. Die anßerordent׳ liche Ausgabe betrug 2414.57 M. als Nest für Adaption des Hauses. Die regelmäßige Einnahme setzt sich zusammen aus 13 325.98 Jahresbeiträge und Spenden, und 2496.920/6. Kapitalzinsen. Der VcrmögenSbestand der Anstalt an Staatspapieren beläuft sich auf 52837.55^6 Wie diese Anstalt der rastlosesten, aufopferndsten Thäügkeit des verstorbenen DistriktSrabbiners Scligman Bär Bam b e rg er נ״ע ihr Entstehen und Gedeihen verdankt, welcher die Theilnahme weitester Kreise für diese DildnngSstätte zu erwecken wußte, also wird sie auch jetzt von dessen Sohn und An!tönachfolgcr mit gleicher Hingebung vorsorglich gepflegt und erhalt sich durch das Zusanunenw.'neu vieler Hunderte unserer Glaubensgenossen. -d Mürz bürg, 29. November. Gestern verbreitete