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Jeschurun · 1885-11-26 · Heft 48 (26.11.1885) · p. 764

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 48 (26.11.1885)
Article
Deutschland : Dessau [Nachricht]
Date
1885-11-26
Page
764 (sequence 2)
Language
German
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764 rcgung hat, wie zn erwarten war, in hiesigen tonangebenden Kreisen lebhaften Widerhall gefnnden und die Bildung eines ans Mitgliedern des genannten Vereins, des Vorstandes der israelitischen Knltusgemeinde und sonstiger Notabilitäten bestehenden Komitees veranlaßt. (5s ist vorläufig in Aussicht genommen, die Gedächtnisfeicr am Todestage — 4. Januar 1886 — durch einen entsprechenden Akt im Gcburtshanse Mendelssohns selbst einznleitcn, worauf ein öffentlicher Festartns in der Aula des hiesigen Fridcricianumö, Gottesdienst in der Synagoge und Abends Festoorstellung im Herzoglichcn Hostheater folgen sollen K. 51assel, 22. November. Wer den Dersicherungen Glauben geschenkt hat, daß der neu erwählte Landrabbiner, Herr Dr. Prager, auf dem Stadtpunkte des gcsctzestrcucn JndenthumS aufrichtig und ernst stehe, der erfährt eine bittere Enttäuschung. Die Orgel ist das Schibolcth zur Unterscheidung der wahrhaft orthodoxen Rabbiner von denjenigen, welche der Reform zuncigcn. Durch die Duldung dieses unjüdischen Elementes in der Synagoge und die Thcilnähme an dem unter Orgclklang abgehaltencn Gottesdienstc hat sich Herr Dr. Prager zn den Reformanhängern geschlagen. Es war vor seinem Amtsantritte vielfach das Gerücht kolportier worden, der neue Rabbiner werde die Orgel beseitigen. Jetzt aber sanktionirt er sic durch seine Gegenwart. Gestern Abend hat er eine Versammlung im Hotel Mansbach abhaltcn lassen, in welcher er die Förderung des Thorastudiums anregte. ES wurde beschlossen, dem Rambam zu studiren. Was soll das Studium der Nitualquelleu, wenn man nicht in ihrem Geiste handeln will? Schlagt die Gesetzbücher zu und handelt nach eigenem Gutdünken? Wir wünschten nichts sehnlicher, als daß unser Landrabbiner durch Lehre und Beispiel den alten, allerdings leider sehr alten und in vielen Kreisen gänzlich vergessenen Geist der ächten Frömmigkeit wieder einziehen lasse in unsere Gemeinde, aber wir hegen keine Hoffnung mehr auf die Erfüllung dieses Wunsches. A. TtnttgarL, 15. November. Aus dem Nachlasse von Postdirektor von Scholl hat die Königliche Bibliothek unter Anderm 6 Briefe des Malers Schick an Moses Benedict, den späteren Bankier, erworben. Der Empfänger der Briefe, Moses Benedict, ist geboren in! Jahre 1772. Er wurde den 21. Januar 1785 als Oppidaner in die Karlsschulc ausgenommen mit der Bestimmung zur Bildhauerei, trat aber mit seinem älteren Bruder Seligmann Lob Benedict, welcher am I. Februar desselben. Jahres gleichfalls als Oppidaner unter die Kunstzöglinge der Karlsschule gegangen war, spater zn dem väterlichen Stande der Kaufmannschuft über. Die herzliche Freundschaft des Stuttgarter Bürgersohucs mit dem Sohne eines ״Schutz-Juden" ist für jene Zeit überraschend und von kulturhistorisch.m Interesse. Interessant ist in diesem in der heutigen Ausgabe des ״Schwab. Merkur" veröffentlichten Briese ein in einem Briefe ans Paris enthaltener Passus. ״Hier (in Paris) zeichnet sich keiner von deiner Nation aus, man kann sic nicht von Außen unterscheiden, sie haben auch die nämlichen Rechte, können hanthiren was sie wollen, kurz sie sind wie wir; ich habe noch keinen einzigen gesehen, den ich als einen Juden angesehen hätte; in diesen! Betracht wäre es herrlich für dich, n!an darf hier nur 100 Livres zahlen, so darf man hier treiben, was man nur will und kann alle Gewerbe zusammen mit einmal." * Strastdnrg, 14. November. Bcmerkenswerth ist aus dem Empfang des israelitischen Konsistoriums bei dem neuen'Statthalter, daß Fürst Hohenlohe in seiner Antwort ans die Ansprache des Obcrrabbiners die Gleichberechtigung der Israeliten mit den Augehörigen anderer Konfessionen auf Grund der geltenden französischen Gesetzgebung hervorhob. Auf die Bcmerknng des Obcrrabbiners, daß der verewigte Feldmarschall von Manteusfel sich jeder antisemitischen Bewegung durch Schriften oder in sonstiger Weise widersctzt habe, bemerkte Fürst Hohenlohe, daß eine antisemitische Bewegnng nur von Osten her imvortirt werden könnte, eine solche aber in Elsaß-Lothringen nicht geduldet würde. * ' (Fftr. Zrg.) * Saarkonis, 20. November. Gestern zirknlirtc hier das Gerücht, sämmtlichc Bichhandel treibenden Israeliten von 30 Ortschaften im Umkreise hatten sich vermittelst Handschlages und Unterschrift verpflichtet, den gestern in Lebbach abgchaltcnen Markt nicht zu besuchen. Acrmercn Glaubensgenossen soll sogar eine Unterstützung zu Thcil geworden sein. In wie weit sich das Gerücht bestätigt, bleibt abzuwarten. (S. Z.) Oesterreich-Ungarn. G. Wien, Nooeruber. Der Minister des Auswärtig-cn, Gras Kalnoki, hat auf die in der Delegation an ihn gestellte Anfrage hinsichtlich der Ausweisungen österreich-ungarischer Staatsangehöriger aus Preußen erwidert, daß die meisten der AuSgewiesenen nur galizische Juden mit deutschen Namen seien, woher die irrthümliche Meinung entstanden, daß es sich um die Ausweisung wirklich Deutsch-Oesterreicher handele, was aber ryatsächlich nicht der Fall ist. Diese eigenthümliche staatsmäunische Aeußernng hat in weitesten Kreisen be- 'grcisliches Aussehen gemacht, mtb man fragt sich: sind die galizischen Juden keine Oestcrreicher, und hat der Minister nicht die Pflicht, die verletzten Interessen aller Ocsterreicher im Auslande warzunehmeu? ** Pest, 21. November. Die ״Budapester

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