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Jeschurun · 1885-11-26 · Heft 48 (26.11.1885) · p. 763

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 48 (26.11.1885)
Article
Das Organ der Breslauer Schule
Date
1885-11-26
Page
763 (sequence 2)
Language
German
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763 vatiSmus ab, welcher jene Reihen angeblich durchwehen soll, und zeigen die gebieterische Notwendigkeit einer Vereinigung zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. -c- Berlin, 19. November. Die ״Germania" sieht sich veranlaßt, den auch in Ihrem geschätzten Blatte besprochenen famosen Artikel des ״Osservatore Nomano" ein wenig zu rcktifiziren und den Jrrthum, in welchem derselbe besangen, aufzuklären Die ״Germania" schreibt dann zum Schluß: ״Der ״Osservatore Romano" ist ein vortreffliches Blatt, und wir respektiren sein Urtheil in allen Fragen, aber in Dingen der innerdeutschen und inmrpreußischen Politik kann er doch nicht in alle Details dringen, und warum sollte da nicht auch einmal ein Jrrthum unterlaufen? Die Erklärung des Ministers Kalnoky, die Auslassungen der Offiziösen und schließlich die klar vor Augen liegenden Thatsachcn selbst sprechen gegen den ״Osservatore Romano". DaS schienen auch unsere Gouveruementalen ciugesehen zu haben, denn man setzte statt alle Ansgewiesenen sind Juden: sehr viele sind Juden. Gewiß sind sehr viele Juden unter den Ausgewiesencn, aber noch viel mehr Katholiken." — -L- Berlin, 20. November. Der Hohe steigt hernieder und drückt des armen Arbeiters schwielige Rechte. Sie liegen sich in den Armen und tauschen den heiligen Bruderkuß aus. DeS Einen Herz schlägt an des Andern. Sie fühlen sich eins in ihrem thcuersten Gesühle. Erhabener Anblick, ein Schauspiel für Engel! Gewiß, diese jubiliren darob und haben ein herzliches Wohlgefallen daran. Sind es die Engel des Himmels oder der Hölle? — Antisemitismus, Judenhetze. — heilige Bürgerpflicht oder Schmach des Jahrhunderts, dringende Nothwehr oder fluchwürdige Menschenfeindschaft?-? — — Nicht umsonst säet der Sämann, seine Saat fällt auf fruchtbaren Boden; nicht umsonst rufet der Mahner zum Streit, sein Wort trifft empsängliche Herzen. Ist cS aber die Saat des Segens oder des Fluchs, ist cs der Boden dcS Heils oder des Unheils, ist es der Kampf für das Heilige und Wahre oder für Fluch und Lüge, ist es das für Tugend und Menschenliebe wogende Herz oder das für Bosheit und Haß schlagende??-Freuen sich die Engel oder die Unholde, wenn dir antisemitische Propaganda in weitere Kreise dringt, wenn in immer mehr Seelen die antisemitischen Offenbarungen ein Echo finden? — In dem Kamps um den kommunalen Wahlbezirk des Herrn Picken back) ist ein neuer Kämpe aufgetreten, Herr Schlosser Haase, der sich frank und frei unter sturmische»! Beifall als Antisemit sans plirase am 17. d. M. bekannte und die neue Proklamation urbi et orbi hinanssaudte: Jeder Arbeiter sollte ein Antisemit sein, denn die Juden haben das Kapital! — Offen und ehrlich ist dieses Bekcnntniß. Wir erbitten uns von der geehrten ״Kreuzzeitung" gefälligen Aufschluß, ob sie diesen Haase'schen Antisemitismus als aus Neid entstanden oder als gerechte Nothwehr erkennt? U. A. w. g. R. Hamburg, 20. November. Die Verwaltung deS Krankenhauses der deutsch-israelitischen Gemeinde ist seit einer Reihe von Jahren bemüht gewesen, die innere Einrichtung des Krankenhauses so zu gestalten, üm allen in neuerer Zeit erhobenen Ansprüchen möglichst Genüge zu leisten. Da hierdurch die verfügbaren Mittel absorbirt wurden, so war die Krankenhaus- Verwaltung gezwungen, einige im Laufe der Zeit nvthig gewordene bauliche Reparaturen, vor Allem aber die Errichtung einer sehr wünschenwertheu Jsolirbaracke, zurückzustellen. Durch die hochherzige Zuwendung der Frau Cecile Heine zu Paris von 10000 wird eS nun wohl bald, insbesondere wenn das gute Beispiel Nachahmung findet, möglich werden, die geplanten Veränderungen auszuführen. * Bielefeld, 22. November. Es war aufgefallen, daß der um die Begründung von Arbeiterkolonien sehr verdiente Pastor v. Bodelschwingh sich zur Unter- Zeichnung eines Zirkulars herbeigelassen hatte, in welchem u. A. die gehässige Stelle vorkam, daß Juden Arbeiter- Wohnungen durch Spekulation auszubeutcu suchen. Jetzt veröffentlicht der genannte. Herr in der ״N. Wests. Volksztg." eine Erklärung, in welcher er darlegt, daß er seine Unterschrift in dem bekannten Zirkular nur in großem Gedränge gegeben habe. Ais schon 40 Exemplare des ZirknlarS versandt worden waren, habe er seinen Fehler entdeckt und die betreffende Stelle unterdrückt. Herr v. Bodelschwingh bemerkt zu dieser Stelle: ״Dieselbe paßt um so weniger, da, so viel mir bekannt, auch eine Anzahl Juden sich mit freigebiger Hand an diesem wohtthätigen Unternehmen berhciiigt haben und dies gewiß auch ferner noch thun werden. Von meine!» Standtpunktc aus kann ich es nicht für billig achten, wenn eine solche Anklage in ihrer Allgemeinheit öffentlich ausgesprochen wird. Es muß ja bekannt werden, daß cs leider auch Christen genug gießt, die sich gleiche Ausnutzung der Armuth zu schulden kommen lassen." -b- Dessau, 20. November. Die GebuNSsLadt des großen Philosophen MoseS Mendelssohn rüstet sich, anläßlich seines bevorstehenden hundertjährigen Todesiages eine würdige Feier zu veranstalten. Eine vom Gemeinnützigen Verein Zn Dessau anSgegangene An-

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