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Jeschurun · 1885-11-19 · Heft 47 (19.11.1885) · p. 750

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 47 (19.11.1885)
Article
Österreich-Ungarn : Wien [Nachricht]
Date
1885-11-19
Page
750 (sequence 2)
Language
German
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760 ihren Freunden zu Hause sagen, daß sic stets auf die Kaiserliche Huld vertrauen dürfen. k. Bardinow, Novbr. Dem hiesigen Bürgermeister, unsern Glaubensgenossen Herrn Alexander Kraus, hat der Gemeinderath das Ehrenbürgerrccht verliehen aus Anerkennung seiner Verdienste um das Wohl der Kommune. Eine gleiche Auszeichnung ist auch dem Herrn Moses Arnstein zu Theil geworden, wegen seine vielen Wohlthaten an arnre Christen und Inden der hiesigen Stadt. Hollan d. ש Amsterdam, 15. November. Die Bibliotheca Nosenthaliana, seit 1683 eine sehr werthvolle Abthcilung der hiesigen Universitätsbibliothek, hat von ihrem Gönner, Herrn Baron G. von Rosenthal, ein kostbares Geschenk erhalten, eine Thephilla (Sidur) nach italienischem Ritus, im Jahre 1571 in Mantua gedruckt. Bis jetzt besaß das British Museum das einzige bekannte Exemplar dieser Ausgabe, in dem Kataloge mit der Bemerkung ״No ot-her cop3r known.“ Nun ist auch die Nosenthaliana in den Besitz eines solchen gelangt, welches aber doch gewissermaßen auch ein Unikum ist, da eS auf Pergament gedruckt, während das im British Museum auf Papier gedruckt ist. ES ist sehr gut konservirt und trägt am Ende die Unterschrift des Zensors Giovanni Dominica Caretti, welcher im Jahre 1618 Worte, die ihm anti-christlich erschienen, theils mit Dinte durchstrichen, theils wegradirt hat, doch hindern beide Prozeduren nicht, den ursprünglichen Text zu erkennen. Nähere Details sollen darüber, wie ״De Nederlandsche Spectator" berichtet, in dem Snpplementkatalog der Nosenthaliana, mit dessen Bearbeitung der als Bibliograph sehr angesehene Bibliothekar derselben, Herr M. Roeft Mz.,' zur Zeit beschäftigt ist, gegeben werden. V Amsterdam, 4. Noveniber. Mit der ernstesten Miene von der' Welt richtet in ״De Navorschcr", einer Monatsschrift ״zum Gedankenaustausche zwischen Allen, die Etwas wissen, Etwas zu fragen haben, oder Etwas auflösen können", Herr I. H. van Lennep in Zeist die folgende ״Frage" an das große Publikum: .,Psalm 19, VerS 1 bis 6. Beim Lesen dieses Psalms ist bei mir die Muthmaßung entstanden, ob die Einbildung des Psalmisten in den verschiedenen Sternbildern am orientalischen Himmel auch vielleicht hebräische Schriftzeichen zu sehen geglaubt, so daß auch in diesem Sinne ״die Himmel die Ehre GoltcS verkündeten?" Vielleicht will Jemand, mehr vertraut mit der hebräischen Schrift als ich, mir mittheilen, ob meine Muthmaßung begründet sein kann." — Da unter den geehrten Lesern des ״Jeschurun" sich so Mancher befinden mag, welcher den Wissenschaftlichen Anforderungen des Fragenden — Kenntniß der hebräischen Schrift — enspricht, sei die ״Frage" hiermit weiter gegeben und alle Freunde eines gesunden Humors zu deren Beantwortung eingeladen. Rußland. * Die Judenauswanderung aus Rußland nach Palästina dauert noch immer fort. Fast mit jedem Dampfer nach Alexandien (sagt der ״Odesski Listok") reisen neue Kolonisten ins gelobte Land; das größte Kontingent sind junge Leute. Dieser Tage sind wieder einige Leute, von denen zwei das Gymnasium absolvirt haben, nach Jaffa ausgcwandert und wollen sich dort in den zwei Stunden von Jaffa entfernten jüdischen Kolonien Nischan l'Zion und Katra niederlassen. יקסן Ans Polen, November. Vom nächtlichen Düster eingelMt, thut sich die Zukunft vor uns auf. Wir hatten ans Hülfe gehofft, und siehe, es nahen neue Schrecken. Wir klagen über das Vergangene und Gegenwärtige, — das Zukünftige wird furchtbarer sein. Der Sinn der Mächtigen ist unergründlich, und Gott kennt das Herz der Gewaltigen Wir in unserer Niedrigkeit reichen nicht zu ihnen he:an, und wir wissen nicht aus eigener Kenntniß, was sie über uns beschließen. Ach. Israel ist das wehrlose Lamm, das geschoren oder zur Schlachtbank geführt wird! -- Die Gerüchte, welche zu uns dringen, sind keine glückverheißenden. Elend und Angst und Sorge und Noth bergen sic in ihrem Schooße. Es heißt, daß mit dem Beginne des neuen Jahrs den alten Verordnungen neue hinzugefügt, und die alten aufs Neue den Behörden zur Beachtung cingcschärft werden sollen. Wehe uns. wenn dieses nicht unwahre Gerüchte wären! Dann würden die Juden noch mehr als bis jetzt in ihren Wohnplätzen beengt. Dann würde ihnen der Handel mit allen geistigen Getränken gänzlich verboten werden, wovon Viele sich ernähren. Ja, wenn das Ucbel des übermäßigen Genusses von geistigen Getränken damit aus der Welt geschasst werden würde, so wollte ich schweigen, denn dann hätte der Staat einen großen Nutzen, nämlich, daß seine Untcrthanen nüchtern und arbeitsam und sparsam würden. Aber so würde nur den Juden der Bissen von dem Munde genommen, ohne daß die Menschen ihre Trunksucht ablegen. — Auch die Pachtung von Grundstücken soll ihnen verboten werden. Ferner sollen sie keine Häuser zur Aufnahme und Speisung von Fremden kaufen dürfen oder nur in sehr be- .schränktem Maße. Felder und Güter sollen sie aber auf dem Lande gar nicht kaufen dürfen. Nur diejenigen Inden, die zu den Offizieren der Armee gehören oder als Richter und Beamte angestellt sind, sollen von diesen Gesetzen befreit bleiben. Ob es wahr

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