Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1885)
- Article
- Deutschland : Dresden [Nachricht]
- Date
- 1885-11-19
- Page
- 749 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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749 wort der 1883 erschienenen Broschüre, ״die Polemik und das Menschenopfer des Rabbinismuö" beliebte Professor Rohling zu schreiben: ״Von den etwa tausend Mitgliedern der deutschen morgenländischen Gesellschaft, die bereits zwölf Jahre lang meine Anschauungen prüfen konnte, haben sich außer den Nabbiuen über meine bisherigen Publikationen nur sechs protestantische Gelehrte abfällig geäußert, obendrein in bloßen Bchaup- Lungen, welche des gehörigen Beweises ermangelten, und von diesen sechs. Gelehrten sind Wünsche und Delitzsch, die Führer der Ucbrigen, bekannte Juden, welche sich eine protestantische Denomination zulegtcn." In dem an das k. k. LandeSgcricht in Wien gerichteten Briefe betreffs der Zurückziehung seiner gegen den Rabbiner Di׳. Bloch angestrengten 'EhrenbeteidiguugSklage bemerkt Rohling gleichfalls: ״In dieser Rechtssache wurden jedoch zwei meiner heftigsten Gegner zu Sach׳ verständigen bestellt, und zwar der protestantische Gelehrte Professor Nöldekc (in Straßbnrg) und der zum Protestantismus übergctrctene Jude Wünsche (in DrcSden)." Diese beiden Schriftstücke dcS Prager Professors stempeln mich, wahrscheinlich absichtlich, zu einem übergetretenen Juden, wogegen ich entschieden Protest einlegen muß. Weder bin ich jemals Jude gewesen, noch haben meine Vorfahren, väterlicherwie mütterlicherseits, jemals dem Judcnthume angehört. Solches erkläre ich hiermit öffentlich im Interesse der Wahrheit kraft meines Amtseides. Da der von Rohling begangene Jrrthum nicht nur bereits in viele Zeitungen, sondern auch in manche andere Schriften übergegangen ist. so wäre es mir recht lieb, wenn die geehrten Redaktionen meine Vc richtiguug zum Abdruck bringen möchten. L. Würzburg, 10. November. Dieser Tage hat sich hier eine Anzahl jüdischer Studenten zusammengcthan, um einen akademischen Verein unter dem Namen ״Wiffknschaftlich-GejcÜige Vereinigung" zu gründen. Die auf Grund Lcstimmtcr Statuten Samstag Abend vollzogene Konstituirung erhielt die volle Genehmigung des hohen UniversitätS-RcktorrateS und sprach sich daSselbe über den jungen Verein sogar in sehr auerkl-nnender Weise für seine schönen Bestrebungen aus. Die Dereinigung bezweckt nämlich, wie dies schon'im Namen liegt, einen Verkehr jüdischer Studenten in hiesiger Stadt anzubahncn, und zwar sowohl in geistiger wie auch in geselliger Beziehung. Die Vereinigung will also nicht, wie cs leider bei den meisten studentischen Verbindungen der Fall ist, lediglich zum körperlichen Genuß seinen Mitgliedern Gelegenheit bieten, sondern vor allem durch wisienschaftliche Anregung jeder Art einen Gedankenaustausch unter ihnen veranlassen. Zu diesem Zwecke sollen hauptsächlich von Seiten der Mitglieder Vorträge gehalten werden, an die sich dann Debatten anschließen können. In die Statuten, welche einstimmig angenommen wurden, wurde ein Passus eingesetzt, den ich zur Charakteristik der Vereinigung hervorhebcn möchte, nämlich, daß sich die' Vorträge auf alle Gebiete der Wissenschaft erstrecken können, natür« lich auch auf das Gebiet der jüdischen Wissenschaften, wobei aber besonders in den Statuten bemerkt ist, daß dabei der Standpunkt des gesetzes treuen JudenthumS zu wahren sei, wie überhaupt bei den Zusammenkünften des Vereins daö religiöse Gefühl keines der Anwesenden verletzt werden dürfe. Ein besonderer Paragraph bestimmt noch, daß die Aenderung des obigen Paragraphen gleichbedeutend sei mit der Auflösung dcS Bereins. — Dieses möge genügen. Wünschen wir dem Vereine in seinen wackern Bestrebungen alles Glück, 11 nb heben wir seinen Mitgliedern das Ziel vor Augen, daß ans solch gutem Unternehmen manch schöner Gedanke, manch schöner Beschluß reifen kann, daß vielleicht einen weiter gehenden Erfolg, eine größere Bedeutung die Zukunft dem jungen Vereine noch bringen wird, als man jetzt ahnt. Dem frischen Beginnen ein herzliches Glückauf! Oesterreich-Ungarn. 6-. Wien, 131 November. Am vergangenen SamStag sprach Herr Rabbiner Spitzer in schwungvoller Rede über die Bedeutung der von Herrn Rabbiner Hirsch in Frankfurt a.M. ins Leben gcrufenen״Freien Vereinigung re." und forderte seine Zuhörer auf, sich recht zahlreich an dieser herrlichen Schöpfung, bei welcher der Name ihres Gründers schon genügt, um die Aussicht auf großartige Erfolge zu garantiren, zu betheiligen. Gegenwärtig zirkulirt hier eine Liste zur Einschreibung für die neuen Mitglieder des Vereins. Hoffen wir, daß die begeisterten Worte des Herrn Rabbiner Spitzer dem Vereine recht zahlreiche Mitglieder hier in Wien zuführcn. — Vorgestern am St. Martinstage wurden nach alter Gewohnheit von der Preßburger israelitischen Gemctnbc 9 Gänse für die Kaiserliche Tafel geliefert und gestern wurde die ans den Herrn Gestettner, Pappenheim und Wolf bestehende Deputation bei Sr. Majestät dem Kaiser in Audienz empfangen. Der Kaiser empfing die Herren aufs Freundlichste und erkundigte sich nach den Verhältnissen der Preßburger Gemeinde. Herr Pappcnhcim erwiderte, daß die Verhältnisse der Gemeinde durch die ungünstige Geschäftslage sehr leide, woraus der Kaiser entgegnete, daß diese Klage aller- -dings durch die allgemeine traurige Situation begründet sei. Herr Pappenheim sagte hierauf: ״Majestät, wir Preßburger Juden haben überhaupt nicht viel Gutes auf der Welt außer unserm geliebten Kaiser." Der Kaiser war durch diese wohl etwas naiven, jedoch herzlich empfundenen Worte sichtlich angenehm berührt und entließ die Deputation, indem er ihnen sagte, sie mögen