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Jeschurun · 1885-11-12 · Heft 46 (12.11.1885) · p. 734

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 46 (12.11.1885)
Article
Holland : Amsterdam [Nachricht]
Date
1885-11-12
Page
734 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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734 gegen die andere bevorzugten, aber sie sind antireligiös, und wer daran zwciscln wollte, der sehe sich nur einmal die Schüler unserer ״hoogcre Bnrgcrschoolcn" an. Mit welchem Fanatismus bei der Beobachtung der sogenannten Neutralität zuweilen voracgangcn wird, möge ein kleiner Bericht auS dem״Arnhcnschen Eourant" lehren. In der öffentlichen Dorsschulc zu DeedS benutzt der Hülsslchrer beim Gesanguntcrrichte ein wieder-- buch, in welchem das Wort ״Gott" vorkommt. Der Hanptlehrcr verbot dieses Wort, als in Streit mit! Art. 33 des UntcrrichtSgcsetzcs. an die Tafel zu schreiben und veränderte die Worte eines Liedes:. ״Die Böge! singen das Lob dcS Schöpfers" in ״die Vögel singen das Lob des Sonnenlichtes״!! (Der betreffende Passus dcS Art. 33 dcS Gesetzes vom 17. August 1878 für die Regelung dcS niederen Unterricht lautet: ״Der Lehrer enthält sich, etwas zu lehren, zu thun oder zu׳ zulasscn, was mit der den religiösen Begriffen Andersdenkender schuldigen Ehrerbietung streitig ist.") Will man noch mehr?'? — Und unsere ״Frommen"? Nun ja, sie halten das überlieferte Vätcrerbc noch hoch, aber für — sich; wie sic sich mit ihrem Gewissen in Bezug auf ihre Kinder und, זבל ישראל עריבים זה לזה die Kinder Anderer abfindcn, ob dereinst bei der großen NcchcnschaftS-Ablcgung dem Borwurfe gegenüber: Ihr habt Eure Kinder mit Bewußtsein dem Abfalle von der Wahrheit;ugcführt, der Popanz der ..Scktenschulc" als EntschuldigungSgruud für genügend wird befunden werden, das, diese Frage möge ein Jeder von ihnen sich selbst beantworten. 4 Rotterdam, <>. November. DaS ״Nieuw Israelitische Weekdlad" leitet eine Neproduzirung Ihrer vorwocheutlichen Bemerkungen über die Magdeburger ״Israelitische (?) Wochenschrift" mit den Worten ein: ״Holland har wirklich alle Ursache, die ברכת הגומל auSzusprcchen, wenn man die ,Israel. Wochenschrift vom 22. Oktober zur -Hand nimmt. Der Redakteur dieses Blattes, ein gewisser Dr. M. Nahmcr, sollte einst -Holland durch die Okkupirung eines' NabbinatSscsscls daselbst glücklich mache:׳.. Es scheint jedoch, daß er den Boden daselbst für seine religiösen Bemühungen nicht fruchtbar genug fand; er dankte für die Ehre. Wahrlich, ein Glück." — Wenn schon Holland sich glücklich schätzen darf, um wie viel mehr erst die Gemciudc, die direkt davon betroffen werden sollte. Ucbrigens ist das ״Nicuw Israel. Wcekblad" nicht recht ״op de hoogtc", weder in Bezug auf den Charakter des Genannten, noch über die Gründe seines Dcdankcns. Sachliche Beweggründe kennt jener Herr nicht, man denke nur an seine famosen Prosclytinncn Geschichten, und waS sein Bedanken für das hiesige Oberrabbinat betrifft, s.o waren ״dem Fuchs", nach dem Bekanntwerden einer gewissen Korrespondenz zwischen ihm und einem Kollegen, ״die Trauben zu sauer geworden." ״Glückliches Holland", schließt das ״Nienw Israel. Weckblad", ״das sich nicht des Besitzes solcher Rabbiner zu erfreuen hat," — Wir sagen: Amen. Frankreich. -6- Paris, November. Ich freue mich. Ihnen von einer Urnen Institution berichten zu können, wclche kürzlich hier ins Dasein gerufen wurde und Zcugniß ouü dem noch immer Gottlob vorhandenen religiös gewisseuhasleu Sinne ablcgt, welcher in vielen Kreisen der hiesigen israelitischen Bevölkerung zu finden ist. DaS bestehende rituelle Bad entsprach nicht mehr den Anforderungen, welche eine verfeinerte Lebcnsgcwöhnung zu stellen pflegt. Es wurde deshalb als ein dringendes Bedürsniß erachtet, eine Anstalt herzurichten, wclche einerseits den gesetzlichen Vorschriften in jeglicher Hinsicht gerecht wird, andererseits aber mit demjenigen Komfort auSgestatlct ist, den die Gegenwart erheischt. Beides ist durch die neue Mikwc durchaus bewirkt worden. Dieselbe ist in Bezug auf ihre äußere AuSstaUlmg der Stadt der Eleganz, in welcher ste besteht, vollkommen würdig, und wegen der inneren Einrichtung gebührt dem Herrn Rabbiner Weiskopf, welcher solche geleitet und überwacht hat, die lebhafteste Anerkennung für die Umsicht, mit welcher er für die strikteste Befolgung der rcligiousgcsctzlichen Vorschriften gesorgt hat. Möge dieses neue schöne Institut dazu beitrage», den Geist der religiösen Gewissenhaftigkeit in unseren Häusern zu fordern und zu wecken, vor Allem aber der Wunsch: möge dasselbe von allen Damen der israelitifchcn Gemeinde benutzt werden. England. $§§ London, 5. November. Die Anglo-Jcwish Asjociation hat unterm 27. v. M. an Lord Salisbury eine erneute Vorstellung zu Gunsten der rumänischen Juden gerichtet. In derselben heißt es u. A.: ״Wir können uichr glauben, daß Sie geneigt sind oder es für geeignet halten, daß ein Vertrag Seitens eines Staats so hartnäckig gebrochen wird, dessen UnabhängigkcitS Anerkennung ausdrücklich von der striktm Ausjühruug der in dem 44. Artikel (des Berliner Vertrags) klar ausgesprochenen Bedingungen bedingt sein soll." — Ob diese Vorstellung irgend einen praktischen Erfolg haben wird, bezweifeln wir sehr. ES gebührt aber dem Board immerhin der Dank aller humanen Menschen, daß er sich der Sache der Unterdrückten und Mißhandelten, so weit eS an ihm ist, annimntt. Die Antwort, welche der englische Minister ertheilcn wird, ist gewiß sehr wohlwollend, wird aber den Inden Rumäniens voraussichtlich nicht viel nützen. Die Antwort, die aber in Bukarest gegeben wird, besteht in neuen barbarischen Maßregeln.

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