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Jeschurun · 1885-11-12 · Heft 46 (12.11.1885) · p. 732

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 46 (12.11.1885)
Article
Deutschland : Frankfurt a. M. [Nachricht]
Date
1885-11-12
Page
732 (sequence 2)
Language
German
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wollenden Wünsche, die Sie mir gewidmet haben, und! insbesondere die Wiederkehr unseres gemeinschaftlichen; GcdurtSLages auci} bei Ihnen noch oft sich erfüllen.! Mü Hochachtung und herzlichem Gruß Ihr ergebeuster gcz. Graf v. Moltke, Genera!-׳Feldmarschall." K. Frankfurt a. M., 4. November. Das Ticsbauantt macht bekannt, daß der Straße Judenbrückchcn der Name Einhonrgasse, der Judengasse nebst Bornhcirucrstraße der Na nie Börncstraße und dem Jndcmnartt der Name Börneplatz bcigclegt worden ist. Damit wäre das alte Frankfurter Ghetto vollständig mm Schauplatz der Geschichte geschwunden. Oesterreich-Ungarn. L Wien, 30. Oktober. Im Laufe der Adrcßdcbattc im Abgeordnetenhause beantragte der Abgeordnete Türk, einer von den vier Antisemiten: Zum Schutze des Bauern- und Gcwerbestandes sind umfassende wirthjchaftliche Nesormen erforderlich. Zur Durchsühruug solcher Nesormen ist die Beseitigung׳ des jüdischen Elementes auf allen Gebieten des öffeniiichen LcbcnS unbedingt nothwendig. Auf einen Erfolg hat natürlich dieser Antrag nicht zu rechnen. * Wien, 5. November. Zu Beginn des Herbstes kam hier Albert Hosfmann aus Magdeburg an, ein 26jähr!ger Kansmannssohn, der ein Vermögen von k50000 Mark besitzt, jedoch wegen Verschwendung unter Kuratel gesetzt ist. Herr Hossinann miethete ein Zimmer in Hernals für einen Monat unb erklärte, daß er aus einer Vergnügungsreise begriffen sei. In der Thal aber war sein Sinn Höherem zugewcndct. Er war mit Empfehlungsbriefen von dem Hosprediger Stöcker au die Herren Schneider und Dr. Pattai in Wien angekommen und beschäftigte sich hier damit, antisemitische Hetzschriften zu kvlportircn; insbesondere sorgte er dafür, daß judenfresserische Verse, die auf einem sehr niedrigen Niveau standen, an verschiedenen Orlen plakatirt wurden. Diesen Bestrebungen wurde durch einen für den Agitator ärgerlichen Zwischenfall eilt Ende gemacht. Hosfmann wurde von einem vierzchiftährigcn Mädchen — der Tochter der Familie, bei welcher er wohnte — beschuldigt, daß er sich gegen sic arge Unsittlichkeiten in gcwallthätiger Weise erlaubt habe. Er wurde deshalb verhaftet, und bei diesem Anlasst׳ trat auch zu Tage, in welcher Mission er sich in Wien befand. Hofsmaun war heute eines Verbrechens gegen die Sittlichkeit, des Vergehens der Aufwiegelung argen Religions - Genossenschaften, der Uebertretnng der Kolportage, endlich auch der Falschmeldung angeklagt. Von dem ersterwähnten Verbrechen wurde der Beschul- Liqte ftciaesprochen, weil ihm nur eine einzige Zeugin — nämlich jenes Mädchen — gegermberstaud, diese aber nicht den Eindruck voller Glaubwürdigkeit machte, weil sie sich noch am Tage nach dem von ihr erwähntcn Vorfälle im Scherze mit'Hofsmann eingelassen hatte und auch die für ihn belastenden Umstände ihrer Mutter erst dann erzählte, als bei den letzteren Scherzen die Thür zerbrach. Dagegen wurde der Beschuldigte von dem AusnahmSgerichLShofe, welchem LandeSgcrichtSrath Holzinger prasidirte, auf Antrag des Staatsanwalts I)r. v. Pelser der anderen genannten Delikte schuldig erklärt und zu einem Monate Arrest verurtheilt. Zugleich wurde über ihn wegen seiner zum mindesten provozirenden antisemitischen Thätigkeit die Landesvcr- Weisung ausgesprochen. (N. f. Pr.) 6-. Wien, 6. November. Die giftigste Frucht des leider auch bei uns in der deutschen Kaijerstadt der österreichischen Monarchie üppig wuchernden Krauts Antisemitismus ist die Verdummung der Jugend. Da senden Eltern ihr theucrstes Kleinod vertrauensvoll zur Schule und hofsen, daß ernste, geistig hochstehende, über Bornrtheil und Aberglauben erhabene, in Charakter und Gesinnung reine Männer in das zarte, leicht empfängliche Gemnth der Kleinen den Keim zu allein wahrhaft Edlen und Guten pflegen ntögen. Aber, mit Schmerzen sei es ausgesprochen, gar viele Lehrer erweisen sich eines solchen Vertrauens unwcrth und benutzen ihren Einfluß aus der Kinder Sinn das Schlangengift des Hasses und des Vorurtheils ihnen cinzuimpfcn. Es sind hier in Wien Schulen vorhanden, wo gewissenlose Lehrer sich nicht schämen, die Kinder jüdischer Eltern ständig mit dem Namen ״Jüdcle" zu dclehncn unb dieselben zur Lektion mit der Redensart: ״Na, Jubele, sag' Du auf!" vorznrnfen. In einer höhern Klasse, deren Hälfte ans jüdischen Schülern besteht, sprach dieser Tage ein Lehrer zu seiner Klasse das prophctische Wort: Wir werdet! in fünfzig Jahren nicht mehr deutsch, sondern jüdisch sprechen! WaS sollen die Kinder unter solcher Zucht werden? Etwas anders, als gegen ihre Mitbürger von Haß erfüllte, vorurtheilsoolle, lieblose Menschen?? Schickt mau dazu die Kinder zur Schule? Wahrlich, cs wäre besser, sie tummelten sich herum, anstatt sie zu solchem Lehrer zu senden; dann würden sie allerdlng's unwissend bleiben, aber nicht verdorben werden. * Brünn, 6. November. Der Gesetzentwurf über die Regelung der Rechtsverhältnisse der jüdischen Knltnsgemeindcn wurde im Kultusministerium bereits fertiggestellt und sott dem Neichsrathc bei dessen Wieder- Zusammentritte zur verfassungsmäßigen Verhandlung unterbreitet werden. er. Brünn, 6. November. Von Seilen des Landrabbinats ist dem Herrn Kultusminister eine Dcnkschrist überreicht worden, welche die Errichtung von israelitischen Konsistorien nach dem Muster der

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