Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1885)
- Article
- Deutschland : aus Thüringen [Nachricht]
- Date
- 1885-11-12
- Page
- 731 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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731 ,daß eine Verjudung des Platzes zu beklagen {ci‘. Die Kurgäste überhaupt nach der Religion klassifiziren und nur je nach Verhältniß des Bekenntnisses zuiassen zu wollen, fällt Niemanden in Friedrichroda, ebenso wenig in größeren Badeorten ein. Jeder, der sich anständig beträgt und die üblichen Beiträge zahlt — mag er Heide, Israelit, Christ, Muhamcdancr oder ein Andersgläubiger sein — ist dem Komitee und unzweiselhaft der Gesamnibtevölkerung von Friedrichroda. auch fernerhin willkommen!" H. Würzbrrrg, 30. Oktober. Behufs Aufbringung der Kosten des Neubaues eines Bctsaalcs für die israelitische Kultusgcmeinde Zeitlofs, Bezirksamt Brückenau, deren Synagoge vor längerer Zeit ein Raub der Flammen wurde, hat der König von Bayern genehmigt, daß eine Kollekte in jäinmtlichen Synagogen des Königsreichs vorgenommen werde. * Bielefeld, 30. Oktober. Wie die ״Voss. Ztg." meldet, hat ״im öffentlichen Interesse" die hiesige Staatsanwaltschaft gegen die ״Mind. Ztg." Anklage erhoben wegen Beleidigung des Hofpredigers Stöcker durch einen zur Zeit des berühmten ״Stöckei Prozesses" veröffentlichten Artikel. Na, na —! % Wasscrtrüdrügen (Mittclfranken), 27. Oft. Vorgestern fand hier die Sitzung des ״Mittelfränkischen Bauernvereins'׳ statt. Der Gutsbesitzer Lieutenant a. D. Beckh von Rathsberg äußerte in seinem Referate über Zweck und Bestrebung des Bauernvereins, daß besonders zu betonen sei, daß die Mitgliedschaft von der ch r istlichen Religion abhängig wäre. — Was die Religion mit Getreidczöllcn, Streuadgaben rc. re. zu Lhun hat, ist 1111$ unklar, wird aber, wir trösten uns damit, den! Herrn Referenten auch nicht klarer sein. Denn auch aus der nichtchristlichcn, aus der jüdischen Bevölkerung Mittelfrankens, wird ein gewisses Kontingent zu dem Stande der Landleutc gestellt. 6-. Königsberg, Novbr. Das hiesige Komitee für die Ansgewiesenen, zu denen Herr Oberbürgermeister Sclke, Rabbiner Di׳. Bambcrgcr, Dr. Kalkcnstein, Geheimer Kommcrzienrath Simon. Stadtrath Theodor. Stadtverordneter Laser Eichelbanm, A. Aron, Simon Eger und mehrere andere ehrenwerthe Männer gehören, hat in den letzten Wochen in hingebcnder Weise für die Ansgewiesenen gesorgt. 1200 Personen wurden unterstützt, über 30000 Mark ist denselben gegeben. Man muß die Aufopferung gesehen haben, mit welcher die Mitglieder dcS Komitees Wochen hindurch an jedem Tage bis spät in die Nacht in der humansten Weise die Unterstützung לשם מצוה leiteten. 120 Bittgesuche liegen dem Komitee noch vor. Den AusZewresenen ivurden auch zum großen Theil billige Schiffskartcrr nach Amerika vcrschafft, auch einigen freie Fahrt nach Londcn und Holland besorgt. Unter den Ausgewresemn besinden sich auch 3 Schächter, jetzt sind 2 naturalisirte שוחטים מומחים angcstellt. Auch 7 Waisenkinder wurden ausgewiefen, die Ausweisung wurde aber höheren Ortes durch ein Bittgesuch des Rabbiners Dr. Bamberger und deS Kuratoriums inhibirt. Ferner sind aus Ostpreußen.7 Kultnsbeantte ausgewiefen, die am 1. Oktober bereits ihr Amt niederlegen mußten. Einige sind sogar mit 50 Mark Strafe belegt worden. — Hier hat sich ein Verein zur Koscher-Beköstigung der jüdischen Soldaten gebildet. An der Spitze stehen die Herren A. Aron, S. Eger und Eichelbanm-Insterburg. Siegen, 9. November. Die ״Nordd. A. Ztg." schreibt: ״In der Strafsache gegen den Redakteur Emil Bömmert in Siegen wegen Beleidigung dcS Hofprcdigers Stöcker hat die Srrajkammcr in Siegen bekanntlich beschlossen, den vom Angeklagten angetretcnen Beweis der Wahrheit dafür, daß der Kronprinz die Antisemitenbcwcgung als eine Schmach für Deutschland bezeichnet habe, durch Requisition des Berliner Gerichts zu erheben. Dieser Termin fand vorgestern vor dem ersuchten Richter, Assessor Bicher Hierselbst, statt. Als Vertreter des Angeklagten war Rechtsanwalt Sachs, anwesend. Die Beweisaufnahme, die sich auf die Vernehmung der Herren Ober-Bürgermeister v. Forckcnbeck, Ludwig Löwe und Redakteur Dernburg erstreckte, hat, wie uns mitgctheilt wird, ergeben, daß die Sr. Köuigl. Hoh. dem Kronprinzen zugeschricbcne Acußcrung gegenüber dem verstorbenen Stadtrath Magnus thatsächlich gefallen ist. Demgemäß ist es nunmehr außer allen Zweifel gestellt, daß dasjenige, welches Herr Stöcker als die heiligste Bürgerpflicht erklärt, von dem deutschen Kronprinzen als eine Schmach für Deutschland bezeichnet wird. Herr Stöcker und seine Freunde werden es uns nicht verargen, wenn wir es mit dem Kronprinzen halten. *** Frankfurt a. M., 5. Novernbcr. Eine sehr geachtete hiesige israelitische Bürgerswittwe, in gleichem Jahrgang und an demselben Tage geboren wie der greise Fcldmarschall Moltke, sah sich, wie der .,Beobachter" erzählt, veranlaßt — da ja ein gegenseitiges Interesse bei hochbejahrten Leuten sich oft kundgiebt — dem Genannten unter Anführung der Veranlassung als gleichaltcrigcs ״GcburtSkind" die besten Glückwünsche darziibringen, mit dem besonderen Wunsche, daß er den Geburtstag noch oft und in Gesundheit und Geisteskraft erleben möge. Mit Wcudnng der Post kam folgendes Antwortschreiben : ״Sehr geehrte und geschätzte׳ Frau! Unter den zahlreichen Glückwünschen und Augebinden an meinem heutigen Geburtstage hat mir kaum irgend etwas größere Freude verursacht, als die aufrichtigen und treuherzigen Wünsche einer ehrbaren Frau, die mir, obgleich zwar persönlich unbekannt, eine so schätzbare Gesinnung offenbaren. Mögen alle die wohl-