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Jeschurun · 1885-11-12 · Heft 46 (12.11.1885) · p. 730

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Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 46 (12.11.1885)
Article
Deutschland : Hannover [Nachricht]
Date
1885-11-12
Page
730 (sequence 2)
Language
German
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730 bcjfcruna und Sicherung feiner materiellen Lage nach und nach durchdringcn kann, wenn er selbst unermüdlich diese Frage, die wir als eine Lebensfrage der jüdischen Schule überhaupt betrachten, behandelt und klärt, um so endlich das geeignete Mittel und den rechten Weg dafür ausfindig zu machen. Er hat damit keineswegs den sehr billigen Borwurf des Materialismus zu fürchten. Im Gcgentheil, je befestigter und günstiger der Lchrerstand in den materiellen Bedingungen seines Lebens wird, desto besser wird er geeignet sein, den hohen Idealen nachzustreben, die ihm gesteckt sind. Durch die Besserung seiner materiellen Lage arbeitet er für ideale Ziele. Leider entsprachen diese beiden Borträge, deren Werth an und für sich hierdurch unberührt bleiben soll, auch nicht den sich gesetzten Thcmatcn, so daß die Versammlung sich nicht entschließen konnte, ans eine eingehende und abschließende Diskussion derselben sich einzulassen. Der dritte Vortrag über das Bibellesen in der jüdischen Schule des Herrn Lehrer Katz aus Hannover führte zur Annahme einiger Thesen, welche die Einführung des Bibcllesens in den Religionsunterricht als wünschenSwerth erklären. Wir bekennen, daß wir uns von dem Bibellesen in deutscher Sprache, mit Ausnahme vielleicht der נביאים ראשונים, nicht dasjenige versprechen, was den Herren Lehrern dabei als Ziel vorgeschwebt hat. 0. Berlin 8. November. Hofprediger Stöcker hat in seinem Streite mit Professor Strack gegen seinen berühmten Gegner einen gewissen Du. Morgenstern. dessen Qualifikationen in dem bekannten Stöcker- Prozeß zu Tage getreten sind, als einen berühmten Talmudistcn ausgespiclt und behauptet, dieser sei dem Professor in talmudischcn Kenntnissen weit überlegen. In Folge dieser Auszeichnung sah sich der also gerühmte Di׳. Morgenstern gemüssigt, in der Vossischen Zeitung folgende Erklärung abzugeben: ״Wenn Herr Stöcker, weil ihm das in seiner Argumentation gegen Herrn Strack in den Kram paßt, sagt, daß ich ein an talmudischcu Kenntnissen dem Professor Strack überlegener Gelehrter bin, so erkläre ich dies für eine Unwahrheit. Meine Arbeit ״Die Heiligkeit des Eides", worin ich auf den religiösen Eid aller Konfessionen dringe, spukt noch immer in dem Kopfe des Herrn Stöcker und läßt ihn nicht zur Ruhe gelangen. Ich freue mich, daß er sie fleißig lieft, sich daran erbaut, wenn ich darin nachweise, daß selbst im Gerüche der Heiligkeit stehende Männer Mclucide geleistet Huben; nur wünschte ich, daß sie auch den im Glashause sitzenden Stöcker belehre, nicht so leichthin mit Steinen nach Anderen zu schlendern. Herr Stöcker reißt aus meiner Arbeit einen Satz über die Eide der Juden heraus, weil er ihm für seine Hetzereien paßt. Ich habe in derselben Arbeit nachgewiesen, daß ein Papst einen Meineid geleistet hat, der historisch gesichert ist. Warum greift er nicht diese Worte heraus, um auch dem Katholizismus falsche Eide nachzuweisen? Meine Arbeit habe ich lange vor dem Prozeß ״Bäcker-Stöcker" geschrieben. Bei einer Revision derselben wird mir Herr Stöcker als Bild sitzen, und ich bin begierig, ob er sich auch dann noch ans die Arbeit des ״großen Gelehrten" berufen wird." -0- Berlin, 8. November. Der Deutsch-Jsraelitische Gemeindebund hat eine Kommission eingesetzt, deren Aufgabe es sein soll, eine Geschichte der Juden in Deutschland zu verfassen. Diese Kommission hat eine Vorberalhnng gepflogen, an welcher die Herren l^eheimrath Professor Dr. Stobbe aus Leipzig, Direktor Dr. Bärwakd aus Frankfurt a. M, die Professoren Dr. Wattenbach, Dr. Weizsäcker. Dr. Breßlau, Dr. Geiger aus Berlin und als Delegirte des AusschusseS des D. I. G. B. die Herren Geheimrath Dr. Kristeller, Professor Dr. Lazarus, Professor Dr. Steinthal aus Berlin theilnahmen, zum Vorsitzenden Professor Breßlau und zu dessen Stellvertreter Proflssor Stobbe wählten und zunächst die Bearbeitung von Regesten zur Geschichte der Inden im fränkischen und deutschen Reiche, sowie die Gründung einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland unter Redaktion des Professor Geiger beschlossen. Daß diese Bestrebungen im hohen Grade anerkennenswerth wären, wenn nur die Gewahr dafür geboten sein möchte, daß hier die jüdische Geschichte in wahrhaft jüdischem Geiste gepflegt würde, bedarf keiner Anführung. Sehen wir aber die Namen derer, die zur gemeinsamen Arbeit berufen sind, so drängt sich unS jedoch leider die Ueberzeugung auf, daß unter diesen Herren, deren Gelehrsamkeit in keiner Weise angctastet werden soll, auch nicht ein einziger sich besindet, von dem man eine Geschichtsforschung in acht jüdischem Sinne erwarten könnte. -r- Aus Thüringen, 10. November. Antisemitismus und kein Ende! Selbst die auf kosmopolitische Anschauungen hingewiesenen Hoteliers gehen unter die Antisemiten. Da schreib! die in Leipzig erscheinende ״Restaurant-Hotel-Revue" in ihrer Nr. 41 über Las liebliche Bad Friedrichsroda also: ״Die letzte Saison wird als allgemcin ungünstig bezeichnet. Man klagt über Vcrjudung deö Platzes und kaserncnartige Neubauten. In Gastwirthskreiscn plant man einen Aufschlag von 25 Prozent für Inden — allerdings ein drastisches Mittel, durch das man diese unliebsamen Gäste abzuhalteir hofft —Uebrigens thcilcn die Friedrichs-- rodaer keineswegs diese judenfeindliche Gesinnung, das dortige Bade-Komitce und die sämmtlichen Gastgeber daselbst sehen sich vielmehr veranlaßt, öffentlich energisch gegen diese Mittheilungcn der ״Revue" zu protestiren. Es heißt in dieser Abwehr n. A.: ״Erlogen ist zunächst,

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