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Jeschurun · 1885-11-12 · Heft 46 (12.11.1885) · p. 729

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 46 (12.11.1885)
Article
[Rezension] / X.
Date
1885-11-12
Page
729 (sequence 1)
Language
German
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M> 46 729 Jeschurun. Mcherscha«. Geschichte der jüdischen Literatur von Gustav Karpeles. Erste Lieserung. Berlin 1886. Robert Oppenheim. Der Verfasser begreift unter jüdischer Literatur daß gesammte Schriftthum der Juden von deu ältesten Zeiten ihrer Geschichte bis auf die Gegenwart, ohne Rücksicht auf Form, Sprache und Inhalt. Er theilt sie in sechs Perioden ein und benennt diese: biblische, jüdisch-hellenistische, talmudische, jüdische arabisch-spanische, rabbiuische und neuzeitliche Literatur. Das vorliegende Heft beginnt selbstverständlich mit der biblischen Literatur. Der Verfasser will die Bibel von ״dem Standpunkte" aus betrachten, dem ״ohne Frage die Zukunft gehört", nämlich dem ästhetischen. ״Ob die Bibel als Gottes Wort und dessen heilige Offenbarung angesehen, ob sie als Menscheuwerk nach göttlicher Inspiration betrachtet wird, das möge Glaube und Ueberlicferung, Vernunft und Wissenschaft erörtern." Er findet ״in diesem heiligen Buche neben den anmuthigstcn Legenden und einfachsten Hirtcngeschichten die tiefsinnigsten Probleme der Lebensweisheit, die klarsten Sittensprüche und die großartigsten poetischen Gemälde, neben dem Jdcalbau eines freien Zukunftsstaates die humanste und edelste Weltanschauung, neben den erhabensten Lauten der Naturpoesie die Lieblichsten Klänge erotischer Lyrik, die innigsten, gtuthvollsten Lieder nationalen Glücks und Leids, die dumpfen Töne eines weltverzweifeludcn Pessimismus und die gottfreudigen Hymnen einer erhabenen Theodicee zu einer höheren Harmonie verewigt." Das ist ihm die ״der Bedeutung der Bibel vielleicht angemessenste Auffassung." So begeistert er nun auch dieses ״Buch der Bücher" schildert und in ihm das Gchcimuiß der Erhaltung des jüdischen Stammes erblickt, so sehr ist er im Jrrthum, und so sehr muß das Judenthum diesen Standpunkt verwerfen. Wenn uns die Bibel eben nichts anderes wäre, so wären wir schon längst nicht mehr. Ein Legenden-, Sagen- und Lieder- und Lrhrspruch-Buch kann niemals ein Volk ohne Land in einer nach Jahrtausenden zählenden Zertrennung erhalten. Nur weil dem jüdischen Volke die Thora buchstäblich Gotteswort, die Propheten wirkliche Gottesboten waren, nur weil es für jeden Buchstaben dieses heiligen Buches sein Leben hingab, darum hat sich an ihm die Kraft desselben in seinem unsterblichen Dasein bewährt. Man opfert nicht für Legenden, Sagen und WeihheitSsprüchen sein Leben hin, kein Volk nimmt ein Martyrium auf sich wie das jüdische, wenn es nicht den Gehorsam gegen Gottes Gesetz und Gottes Offenbarung gilt. Wäre dieses GotteSwort in der ThaL das Produkt des jüdischen W Volkes, dann läge es längst begraben neben den Aegyptern, Chaldäern und Griechen. Weder die. griechische;;J Poesie noch die griechische Philosophie haben das ur- 1 hellenische Volk erhalten können. Für das wahre Vcr- ■ ständniß der jüdischen Literatur bietet diese Geschichte | ] derselben nichts. Daß ein Jude eine solche schreiben i konnte, ein Jude, welcher vor. noch nicht langer Frist als Vertreter des gesetzestreuen IudenthumS austrat, J ist sehr bedauerlich. X. Korrespondenzen und Nnlhrilhten. Deutschland. # Hannover, 11. November. In der kürzlich stattgefundeucu Versammlung des Vereins zur Errichtung einer israelitischen Alterversorgungs-Anstalt und einer Krankenstation wurde der Ankauf des׳ Grundstückes Maschstraße 7' und 8, welches bis jetzt als Klinik des verstorbenen Augenarztes Sanitätsrath Dr. Vogelfang diente, zum Preise von 95 000 Mark beschlossen. Somit wird unsere Gemeinde demnächst um ein Institut bereichert werden, welches in der That einem dringenden Bedürfnisse Abhülfe gewährt. Es ist gewiß ein schönes Zeichen des in der hiesigen Gemeinde herrschenden hinnanen Sinns, daß trotz der vielfachen Ansprüche, welche an die Wohlthätigkeit der Einzelnen gerichtet werden, auch ein so bedeutendes Liebeswerk ausgeführt werden kann. Die Kaufsumme ist bereits baar vor- Händen. ־&• Hannover, 10. November. Es liegt uns das Protokoll der an! 28. September hier stattgefnndenen Versammlung des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover vor. In der vorjährigen Versammlung war u. A. die These aufgestellt worden: Es müssen Mittel und Wege geschaffen werden, um den jüdischen Lehrern, gleichviel ob dieselben in einer großen oder kleinen Gemeinde angestellt sind, eine angemessene Gehaltsskala zu gewähren. Zur näheren Durcharbeitung dieser Forderung sollten anscheinend die beiden Vorträge mit dienen, welche die Herren Lehrer Katz aus Münden über das Thema: ״Welche Mittel und Wege sind einznschlagcn, um eine materielle Besserstellung der Lehrer herbeiznführcn," und Lehrer Wein derg ans Bodenfelde über daSThFma: ״Mittel und Wege zur Erreichung einer definitiven Anstellung," gehalten haben. ES ist sehr zu beklagen, daß die Herren Lehrer der durchaus gerechten Forderung des Vorjahres nicht durch eine ganz direkte Behandlung näher getreten sing. Wir sind der ganz bestimmten Ansicht, daß der Lehrerstand nur dann mit seinem vollkommen zu billigenden Verlangen noch einer Vcr-

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