Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1885)
- Article
- Aus der Amsterdamer Gemeinde
- Date
- 1885-11-12
- Page
- 727 (sequence 3)
- Language
- German
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727 Parnassim jufammcubcrufcn. Die Meisten erschienen. In dieser Versammlung erstattete בער בועז Bericht über daß im Haag Vorgcfallene und las die gewcchfeHen Schriftstücke vor, sowie die Präliminarartikel. Diese enthielten: 1) Die Deputation der sogenannten Neuen Gemeinde verpflichtet sich, die Einweihung ihrer Synagoge auszustellen, 2) so lange die Angelegenheit nicht gehörig geregelt sei. keine neuen Mitglieder aufzunehmen; dagegen verpflichten sich Parnassim und ihre .Kommission: 1) daß, falls während der Untcrhandlungen einer der Ausgeschiedenen sterben sollte, er auf die BcgräbmßplStze zu Muiderbcrg oder Zeeburg beerdigt werden solle. 2) die Namen der im ״Käfig" Aufgehängten aus demselben zu entfernen. (Fortsetzung folgt.) Von Naphtali Simon. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) ״Iankel, Bruderherz! Ich zahle Dir heute heim die Kugel, die Du dem verdammten Uzbeken durch den Kopf schossest," rief der alte Korporal Andrejew. ״Scheert euch zur Hölle, Hallunken!" donnerte er der Menge entgegen. ״Einen tapfcrn Soldaten des Kaisers wagt ihr zu überfallen! Wir hauen euch in Stücke, verfluchte Höllensöhne!" — ״Zieht die Klingen, Kinder!" wandte er sich an die Soldaten, ״laßt ihre Köpfe fliegen, wenn sie nicht weichen!" Das wirkte entnüchtcrnd auf die Muthigen, welche gerade im Begriff waren, den verwundeten, ohnmächtigen Mann niederzmnetzcln. Grollend und murrend zogen diese Tapferen sich zurück. Iankel aber lehnte noch immer ohnmächtig an der Wand. Der alte Andrejew leistete Brendel Beistand, am ihn wieder zum Bewußtsein zu bringen. ״Nutschewo! Schad't nichts, Schwesterchen! Das verstehe ich," beruhigte er die besorgte Frau, indem er deren Schürze -zerriß, um den verwundeten Arm zu verbinden," habe das gelernt in der Bochara. Mit Branntewein heilt's am besten, der kurirt Alles." Er zo^ seine Flasche hervor, goß daraus auf die Wunde, tränkte mit dem Schnaps die Baumwollstreifcn, verband den Arm. wusch damit die Schläfen, flößte davon dem Ohnmächtigen ein und hatte die Freude, seinen Zweck vollständig zu erreichen. Iankel schlug die Augen auf. ״Hast Dich wacker geschlagen, Bruderherz," rief ihm Andrejew zu. ״Aber jetzt nicht lange gezaudert, ich habe nur noch LML Viertelstunde Zeit. Nimm einen ordentlichen Schluck, Du brauchst Deine Kräfte zun! Abmarsch." Zanket hatte sich schnell erholt und blickte erstaut auf seinen alten Korporal hin. ״Es ist keine Zeit zum Rapport; also kurz was Du zu wissen hast," sprach Andrejew. ״War da mit den Burschen auf Eskorte, müssen morgen mit dem Frühesten wieder in Garnison sein. Komme durchs verfluchte Nest, sehe die Schandthaien, denke, wird Bruder Iankel Hülfe brauchen. Komme gerade zur rechten Zeit. Jetzt aber fort! Die Hunde draußen zerreißen Dich und Dein Weib und Deine Kinder, sobald wir nicht mehr da sind. Also nehmen wir Euch in die Mitte und marschiren weiter. Nimm mit, was-Ihr tragen könnt, Ihr findet nichts wieder vor, sie stecken Euer Haus in Flammen." Oie Kosacken hatten sich an der Thür aufgepflanzt. Ach, es war nur ein Weniges, was Iankel und die Seinigen mit sich nahmen, als sie nun von dem Trupp Soldaten umgeben, unter den wüthenden Blicken der feigen Raubmörder die Landstraße entlang zogen. Ein Geheul wie von Wölfen tönte ihnen nach. Eine Rauchsäule stieg empor. Iankel Przestowitz, der Jndenschmied, war znm heimathlosen Bettler geworden. Er aber sprach mit lauter Stimme den hebräischen Dankes - S«:genSspruch: Gelobt seist Du, Gott, der Du den sündigen Menschen Wohlrhaten er-- weisest! Und dabei rollten ihm die Thränen in den Bart. Brendel und die Kinder stimmten in dieses Dankgebet inbrünstig ein und weinten mit dem Gatten und Vater. Andrejew aber murmelte in seinen grauen Barthinein: ,,Sind doch ein sonderbares und heiliges Volk, diese hebräischen Ketzer, danken und loben Gott, der Haus und Gut ihnen entreißen ließ!" Er hatte sich nämlich den hebräischen Segensspruch von Iankel übersetzen lasten. ״Gott hat Wunderbares an uns geübt," sprach; Iankel zu seinem Weibe nach einer Weile. ״Er hat uns Rettung gesandt, da wir schon unterzugehen vermeinten, sein Name sei gepriesen! Darum wollen wir nicht verzagen. Gott wird uns beistehen. Hätte er uns sterben lassen wollen, so würde er uns nicht jetzt unser Leben auf's Neue geschenkt haben." * Der Morgen begann zu grauen, als die Unglückliche Familie unter dem Schutze der Kosacken in die: Gouvcrnementshauptstadt anlangte. ״So, Bruderherz," ' sagte der wackere Korporal, ״da wären wir. Weiter kann ich nichts für Dich thun." ״Dn hast Großes an mir und den Meinigen gcthan, Väterchen," erwiderte Iankel, ״Gott vergelte es Dir noch an Deinen Kindern!" Brendel und die Kinder küßten ihm die Hand und er zog mit seiner Mannschaft zur Kaserne. Da standen nun die armen Menschen auf der -