Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 18 (1885)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1885)
- Article
- Rumänien : Bukarest [Nachricht]
- Date
- 1885-11-05
- Page
- 719 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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719 der jüdischen Zeitschrift ״Hajoez" theilt am Schluß ihrer vorgestern erschienenen Ausgabe mit, daß ihr Redakteur Herr Michael Asiel des Landes verwiesen ist. Herr Asiel hat die Sache seiner unglücklichen Brüder männlich verthcidigt. Er ist ein geborener Rumäne, seine Familie ist daselbst seit vierhundert Jahren ansässig. Das hindert aber doch nicht nach hiesigen Nechtsbcgriffcn, ihn nunniehr zum Ausländer zu stempeln. Er muß sofort das Land seiner Geburt verlassen, seine Familie in Armuth zurücklassend, da ein jüdischer Journalist keine Schätze zu sammeln pflegt. — Auch Herr Amand Levy ist des Landes verwiesen worden. Türkei. * Adrianopel^ Das Zentral-Komitee der Alliance Jsraelitc Universelle hat aus Adrianopel folgenden Bericht erhalten: Oie Gemeinde hattte leider in vergangener Woche einen an einem Juden verübten Mord zu verzeichnen. Das Opfer, Moses Vairam, seine beiden Brüder, deren Kinder, sämmllich Köhler, verließen am l. September Adrianopel, um sich nach Besch-Tege, einem an der Maritza belcgenen Dorfe zn begeben, wo sic seit einigen Jahren einen Wald exploitiren, den sie in der.Konkurrenz mit einigen griechischen Bauern gekauft hatten, die gleichfalls das Köhlerhandwerk betreiben. Die waren, wie gewöhnlich, ganz ohne Waffen. Es dunkelte; sie hatten auf ihren von Kühen gezogenen Wagen den halben Weg zurückgelcgt, als sie plötzlich von drei mit Aexten versehenen Landleuten angefallen wurden. Die Opfer, ordentliche und inuthige Leute, hatten bei diesem Ucberfall nicht die Zeit, sich zn verthcidigen. Dem einen der drei Brüder wurden die Ohren abgehauen, der Körper zerhackt an verschiedenen Stellen, der Kopf verwundet; er starb einige Minuten später. Der zweite liegt arg verwundet im Hospital, der dritte ist seinem Schicksal nur dadurch entgangen, daß er den Tobten spielte. Infolge des Geschreis der Kinder flüchteten die Mörder und konnten den Leichnam nicht ins Wasser werfen, wie sie eS vorhatten. Der Neid war die Veranlassung zu diesem Attentat. Die Gebrüder Vairam hatten zum großen Mißvergnügen der griechischen Bauern ihr Unternehmen sehr entwickelt. Der General-Gouverneur des Bilajet, welchem die Opfer vorgcführt wurden, hatte.Mitleid mit dem Schicksal ihrer zahlreichen Fanlilie und versprach ihnen, Gerechtigkeit zu üben. Einer der Mörder wurde aufgegriffen. * Salorriki. Nach dem Berichte eines zu Konstantinopel erscheinenden spaniolischen Blattes wäre hier ein falscher Moschiach aufgetaucht, Chajim 9afe aus Bagdad, welchem, es auch gelang, einen gewissen Anhang zu finden, so daß die Regierung eine Massencinwanderung für das heilige Land fürchtet. Der angebliche Moschiach stellte zum verflossenen 2X2 ׳Q an den Chachanl das Ansinnen, diesen Trauer- und Fasttag als Festtag nunmehr zu begehen, kurz, die Sache schien derartig bedenklich, daß das Beth Din von Saloniki cs für geboten erachtete, dm Exaltirten oder Betrüger den Behörden zu übergeben, welche ihn in Gewahrsam brachten. 'Amerika. - J. Rd. Philadelphia, 16. Oktober. Der Dampfer ״British King" brachte am vergangenen DienStag u. A. auch vierundvierzig jüdische Emigranten, von welchen nur drei hier blieben. Unter diesen. AuS- Wanderern befanden sich mehrere Familien von den preußischen Exulanten, welche von dem strengen Ausweisungsverdikte ihrer letzten Heimath betroffen waren. Zur Kennzeichnung dieser Maßregel diene die folgende Ordre,welche einer dieser unglücklichen Familien ertheilt worden war. Sie lautet: ״Dem russischen Unterthan Gabriel Zoltowski, Schneider, wird hierdurch aufgegeben, mit seiner ganzen Familie, bestehend aus seiner Ehefrau Marie undfünf Kindern, Flora, Jette, Dvrchen, Anna und Emma, den Preußischen Staat zum 1. Oktober 1835 zu verlassen. Zu diesem Behufe ist diese Ausweisungsordrc ausgefertigt worden. Jnowrazlaw, 12. September 1885. Die Polizeibehörde, Framski." Die Ausweisungsordres der Anderen lauten ähnlich. — Als ob die obengenannte Familie noch nicht groß genug gewesen wäre, ward ihr noch ein Kind unterwegs geboren. Die Exulanten sind in ihrem Aeußern und ihrer Sprache schon sehr germanisirt, daß man sie kaum als Russen erkennt. Sie haben nur sehr geringe oder gar keine Mittel. Es wird ihnen sehr schwer fallen, sich hier zn ernähren. Persien. R Die Lage der Juden gestaltet sich sehr ungünstig. Der Fanatismus erblickt in ihnen ein willkommcneS Objekt zur Entladung seiner Wuth. Die von Juden stark bewohnten Städte Miudor und Aschnu sind unlängst in Brand gelegt worden, um die Juden zu vernichten. Viele Juden sind gezwungen worden, den Turban zu nehmen. Berichtigung. Nr. 44, Seite 695, müssen die beiden letzten Zeiten der ersten Spalte als letzte Zeilen der zweiten Spalte gelesen werden.