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Jeschurun · 1885-11-05 · Heft 45 (5.11.1885) · p. 717

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
18 (1885)
Issue
Heft 45 (5.11.1885)
Article
Deutschland : aus Westfalen [Nachricht]
Date
1885-11-05
Page
717 (sequence 2)
Language
German
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scheu Wochenschrift, der in diesem Falle gewiß zn trauen ist, bestätigt wird. In Bielefeld wurde dies bis jetzt trotz Vorstand und Prediger — ober vielmehr als Folge deren religiösen Gewissenhaftigkeit — nicht durch einen ordentlichen Schochet, sondern durch die Metzger und Metzgcrgchülfcn besorgt. Nun verlangte aber der Beamte, daß das Schächten ordnungsmäßig vorgenommen werden solle, wie er es anderSivo gesehen, durch gehörige Schächter. Und in Folge dessen hat jetzt die Gemeinde zwei approbirte Schochtim angestcllt. — Das Kuriosum ist also buchstäblich wahr. Oesterreich-Ungarn. 0 Wien, Oktober. Die ״Freist Ztg." schreibt: Ein antisemitisches Gastspiel in Wien ist einem Rentier Hoffmann aus Berlin, der in der hiesigen antisemitischen Agitation öfter genannt wurde, schlecht bekommen. Derselbe wurde dabei ertappt, wie er antisemitische Kundgebungen an Häusern und Plakattafelu anbrachte und sofort in Haft genommen. Bis jetzt konnten ihn die Bemühungen seiner Freunde und eines Rechtsanwaltes aus dieser nicht befreien. — Die Auklage ist erhoben: 1) wegen Ausreiznng Zum Klasscnhaß und Verhöhnung einer Religion; 2) wegen Verbreitung und öffentlichen Anklebens von Druckschriften ohne behördliche Erlaubnis; 3) wegen unrichtiger Ausfüllung eines Meldescheins. — Hoffmann war Zu seinem ״Vergnügen" nach Wien gereist — auch Zu unferm. -0- Prag, I. November. Professor 0? 0 fj i i n g ist Persönlich bei dem Unterrichtsminister um Erlhcilung eines längeren Urlaubs eingekommen. Seine Stellung ist hier übrigens unhaltbar. Neben der Ehre, die ihm die Affäre mit Bloch eingcbracht, hat sie ihm auch einen empfindlichen pekuniären Verlust eingetragen. Er soll die Kosten der verunglückten Klage bestreiten und dazu muß er dem Vernehmen nach noch etwa 10 bis 12 000 Gulden aus der Tasche ziehen. — Sein ״Talmudjude" soll ihm übrigens viel eingcbracht haben. n. Neutra, 29. Oktober. Unter unserer Landbevölkerung spukte dieser Tage eimnal wieder das Gespenst des jüdisch rituellen Blutdurstes. Eine Magd hatte in dem Dorfe Kiß-Setenyi einen jüdischen Kaufmann um zwanzig Gulden beschwindelt und mit ihrer Beute das Weite gesucht. Ob deS Verschwindens der Betrügerin entstand eine große Aufregung unter den Bauern verschiedener Dorfschaften, welche sich bis zu bedrohlichster Haltung gegen die Juden gestaltete. Die Magd war nämlich bei einem Juden bedienstet gewesen und der Vater derselben verlangte von dem Herrn Auskunft über die abgeschlachtete Tochter. ״Die Juden brauchen Christenblut" — das ging von Mund zn Mund, ״sie haben die Magd geschlachtet zn ihren religiösen Gebräuchen!" Die bewaffnete Macht mußte aufgebotcn werden. Da ward endlich die Betrügerin aufgefnnden und dem Gerichte in Neuhäusl eingelicfert, und somit ein neues Tisza-Eßlar im Keime erstickt. 8. P. Ans Ungarn, Oktober. Es ist zur Gewohnheit geworden, daß die Orthodoxen, besonders in Ungarn, als dem Geiste des erleuchteten 19. Jahrhunderts zuwider strebend intolerant, inhuman, insbesondere von unseren nicht-orthodoxen Mitbürgern hingestcllt werden. Es ist daher höchst bezeichnend eine Aufforderung im ״Egvenläsö.g" zur Unterstützung der Senlinaristen, ״da .dieselben mit zerrissenen Kleidern, eingefallenen Augen und mageren Gesichtern cinherfchlottern, welches beweist, daß die jungen Herren hungrig sind," zu lesen. DaS mit so großem Äpplomb hcraufbeschworene Institut unserer Neologcn, das-Seminar, welches das Postulatnm ihres Glaubensbekenntnisses bildet, erfreut sich also der pekuniären Theilnahme unserer neologcn Größen nicht. Und da wagen diese unsere Orthodoxie der Inhumanität zn zeihen, die doch an Tausend Bachurim erhält, wahrend das ganze ungarische Seminar kaum ein Viertelhundert zählt!! Lapieuti sat. Wie das obenerwähnte Blatt erfährt, wird ein Mitglied der Linken nach den Delegationen die Regierung wegen des ungesetzlichen Bestandes der Kanzleien interpclliren. Ph. Ztnmpferr. Der ״Jüd. Pest. Ztg." wird von hier berichtet: Am 1. Oktober wurde ein neuernanntcr katholischer Geistlicher, Herr Ignaz Gond, eingesetzt. Da sich der Genannte wiederholt als wahrer Priester, als Freund und Schätzer des JudenthnmS bewährt hat, so betheiligte sich auch die dortige Indengemeinde an dem schönen Fackelzng, der Herrn Gond gebracht wurde. Vor dem Hause des Gefeierten, wo der Fackelzug Aufstellung nahm, hielt dann der greise Rabbiner, Herr Lazar Winter, eine passende Anspräche, in welcher er zum Schlüsse den Segen Gottes auf Gond herabflchte. Pfarrer Gond erwiderte: ״Wahrlich, ich weiß die seltene Auszeichnung zu schätzen, die mir zn Thcil geworden. Ein an Verdiensten und im Studium der Moscslchre ergrauter Scclenhirt deS alten und ehrwürdigen Indenthums begrüßt mich, den viel jüngcrn und an Verdiensten und Gelehrsamkeit viel armem Priester. Diese Auszeichnung wird mich in meinem bisherigen Vorhaben bestärken. Liebe und Glaube werden die Leitsterne meines Lebens sein, und ich werde mich glücklich schätzen, wenn cs mir gelingen wird, zn der Wicderbescstigung des etwas locker gewordenen Bandes zwischen den Konfessionen beigetragen zu haben." Holland. ש A;u5terdcrm, 28. Oktober. Laut dem amtlichen Berichte partizipiren an den in unserem Lande

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